„Agrar-Revolution“ in Bolivien
Morales verteilt staatseigenes Land an Arme

Der sozialistische bolivianische Präsident Evo Morales hat seine angekündigte „Agrar-Revolution“ in Gang gesetzt. Dazu gehören auch Enteignungen von Grußgrundbesitzern. Als erstes verteilte Morales Eigentüberurkunden für staatseigene Ländereien an Bauernfamilien.

HB BUENOS AIRES/LA PAZ. Dies berichteten lokale Medien am Sonntag. Bis 2011 will der erste Indio-Staatschef in der Geschichte des verarmten Landes etwa 20 Millionen Hektar an Landlose übereignen. Das entspricht einem Fünftel des Landes und fast der Fläche Großbritanniens. Dafür sollen auch private Ländereien enteignet werden, soweit sie von den Großgrundbesitzern nicht ausreichend bearbeitet werden. Nach Regierungsangaben befinden sich 90 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der Hand weniger Großgrundbesitzer, denen etwa drei Millionen Kleinbauern und Landarbeiter – meist Indios – gegenüberstehen.

Mit diesem Schritt setzte Morales einen Monat nach der Verstaatlichung des Energiesektors einen weiteren Schwerpunkt seiner Reformagenda in die Tat um. „Die historischen Feinde der Armen müssen diese Landrevolution akzeptieren“, sagte Morales vor Tausenden Indios in der Stadt.

Mit Santa Cruz wählte der Präsident als Ort für die Übergabe der Besitzurkunden eine Hochburg der wohlhabenden Landbesitzer aus, die sich aus Protest gegen die Reformpläne zusammenschließen wollen. Zusagen der Regierung, nur brach liegendes Land umzuverteilen und größere Enteignungen zu vermeiden, konnten die Landbesitzer nicht beschwichtigen.

Die Vereinigung der Landeigentümer bezeichnete die geplanten Maßnahmen als verfassungswidrig. Zuvor waren Gespräche mit der Regierung über eine einvernehmliche Lösung gescheitert. Die Großgrundbesitzer drohten mit der Bildung von Selbstverteidigungsgruppen. Am 1. Mai hatte Morales bereits mit der Nationalisierung der Erdöl- und Erdgasindustrie für Aufsehen gesorgt. Sie war ebenso wie die Landreform eines seiner Wahlkampfversprechen.

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