Agrarpreise
Flut schürt Hungersnöte

Die Überschwemmungen in den USA treiben weltweit die Preise für Agrarrohstoffe. Hatten Experten bisher nur an einen kurzen Ausbruch nach oben geglaubt, rechnen sie nun mit langfristigen Steigerungen. die Nahrungsmittelknappheit wird dadurch inv ielen Ländern noch dramatischer.

GENF/LONDON. Die verheerenden Überschwemmungen in den USA katapultieren die Getreidepreise in die Höhe und verschärfen damit die weltweite Hungerkrise. "Die Fluten in Iowa treffen die Weltagrarmärkte zu einem extrem schlechten Zeitpunkt", sagt der Generaldirektor des International Food Policy Research Institute, Joachim von Braun. Er prognostiziert "erhebliche Kostensteigerungen für die Herstellung von Futtermitteln und die Erzeugung von Ethanol".

Die Folgen werden weltweit zu spüren sein. Mitarbeiter des Welternährungsprogramms (WFP) der Uno befürchteten, dass aufgrund der Iowa-Fluten die Preise für Lebensmittelrationen noch weiter ansteigen könnten. Das WFP musste wegen der Teuerung im vergangenen Jahr die internationale Gemeinschaft um einen Extrabeitrag von 755 Mill. US-Dollar bitten. Die Organisation versorgt knapp 90 Millionen bedürftige Menschen rund um den Globus.

Der Anstieg der Rohstoff- und Lebensmittelpreise hat eine weltweite Krise ausgelöst. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass über 100 Millionen Menschen zusätzlich Hunger leiden müssten, womit rund eine Milliarde Menschen betroffen wäre. In Haiti, Ägypten und in Senegal kam es bereits zu Ausschreitungen.

Im Mittleren Westen der USA, der Kornkammer des Landes, muss nach ersten Schätzungen die Maisernte auf rund 530 000 Hektar Anbaufläche abgeschrieben werden, bei Sojabohnen sind es sogar 810 000 Hektar Ackerfläche. An der weltgrößten Terminbörse für Agrarrohstoffe, dem Chicago Board of Trade, zogen gestern die Preise für Mais und Soja, Weizen und Reis deutlich an.

"Das Ausmaß der Überschwemmungen lässt uns jetzt langfristig hohe Preise erwarten", prognostiziert Sudakshina Unnikrishnan von Barclays Capital. "Bisher hatten wir eher an einen kurzen Ausbruch nach oben geglaubt. Davon kann jetzt nicht mehr die Rede sein." Der OECD-Direktor für Handel und Landwirtschaft, Stefan Tangermann, warnt, dass auch die Lagerbestände für Getreide derzeit "extrem niedrig" sind. Grund dafür sind schlechte Ernten in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren, aber auch die hohe Nachfrage nach Ethanol als Biokraftstoff.

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