Ahmadinedschad-Attacke
„Die Europäer verlieren ihren Ruf“

Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad hat Europa im Streit um das Atomprogramm seines Landes schwere Fehler vorgeworfen. Die Europäer seien dabei ihren Ruf zu verlieren und ihre Rolle im Nahen Osten.

HB BERLIN. Sie übersetzten die Worte der USA, sagte Ahmadinedschad in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Sie sollten sich in dem Konflikt auf die Seite Irans stellen, sonst „tragen sie nur den Schaden davon“. Ahmadinedschad bekräftigte die iranischen Atompläne und beharrte auf dem Recht seines Landes, die Atomkraft zivil zu nutzen. Zudem zweifelte er erneut den Holocaust an.

Vorwürfe der USA und anderer westlicher Länder, der Iran strebe nach Atomwaffen, wies Ahmadinedschad zurück. Der Iran sei grundsätzlich dagegen, dass Arsenale mit Atomwaffen noch ausgebaut werden und für eine internationale Abrüstung. „Wir benötigen keine Atomwaffen“, sagte Ahmadinedschad. „Wir wollen nur unser legitimes Recht geltend machen.“ Die USA und die Europäische Union (EU) vermuten, dass der Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms Kernwaffen bauen will.

Mit falschen oder unzureichenden Angaben zu seinem Atomprogramm hat die Islamische Republik das Misstrauen der Staatengemeinschaft über ihr Atomprogramm nicht ausräumen können. Nach jahrelangen Vermittlungsbemühungen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens wird der Konflikt seit März auch im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) behandelt. Die Beratungen der fünf UN-Vetomächte sowie Deutschlands über ein Paket von wirtschaftlichen Anreizen und Gegenmaßnahmen für den Iran verliefen bislang aber ohne Durchbruch.

Ahmadinedschad erklärte, von seinem Land gehe keine Gefahr aus. „Kein Volk der Region hat Angst vor uns“, sagte der Präsident. „Unser Standpunkt ist demokratisch und friedlich.“ Den USA und den europäischen Staaten warf er eine aggressiveres Auftreten vor. „Diejenigen, die Holocaust-Forscher einsperren, sind für Krieg und gegen Frieden.“ In diesem Zusammenhang stellte er erneut den Holocaust in Frage und stritt Israel das Existenzrecht im Nahen Osten ab. „Ich akzeptiere nur dann etwas als Wahrheit, wenn ich wirklich überzeugt bin“, sagte Ahmadinedschad auf die Frage, ob er dabei bleibe, dass der Holocaust ein Mythos sei.

In Europa gebe es dazu doch zwei Meinungen. „Eine Gruppe Wissenschaftler oder Personen, die meistens politisch motiviert sind, sagen, dass der Holocaust geschehen ist. Dann gibt es aber die Gruppe jener Wissenschaftler, die eine gegenteilige Auffassung vertreten und deswegen zum größten Teil inhaftiert sind.“ Daher sei er für eine Untersuchung durch unabhängige Gruppen. „Wenn es den Holocaust gab, muss Israel in Europa liegen und nicht in Palästina“, sagte Ahmadinedschad. „Wenn er nicht passiert ist, dann müssen die Juden dahin zurückkehren, wo sie hergekommen sind.“ Ahmadinedschad hatte zuletzt international große Empörung mit seinen Zweifeln an der Ermordung von sechs Mill. Juden durch die deutschen Nationalsozialisten und seiner Forderung, Israel von der Landkarte zu tilgen, ausgelöst.

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