Ahmadinedschad auf Arbeitsbesuch
Energiepakt der Türkei mit Iran verzögert sich

Eigentlich hätten die beiden Länder bereits am Donnerstag mehrere Abkommen unterschreiben sollen. Doch der Energiepakt zwischen der Türkei und Iran verzögert sich. Aus Sicht Ankaras liegt die Schuld auf iranischer Seite.

ATHEN. Die angestrebte Energiekooperation zwischen der Türkei und Iran ist noch nicht unterschriftsreif. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad begann am Donnerstag seinen umstrittenen Besuch in Istanbul, ohne die entsprechenden Abkommen zu besiegeln.

In türkischen Regierungskreisen gab man der iranischen Seite die Schuld: Wenn sich Ahmadinedschad nicht an die bisher erzielten Vereinbarungen halte, könnten die Abkommen nicht unterschrieben werden, hieß es. Ahmadinedschads Besuch ist die erste Visite des iranischen Präsidenten in einem Nato-Land. Am Donnerstag traf der Gast mit seinem türkischen Amtskollegen Abdullah Gül zusammen, am Freitag ist ein Gespräch mit Premier Tayyip Erdogan geplant.

Anlässlich des Besuchs sollten bereits am Donnerstag mehrere Abkommen unterschrieben werden - etwa über den bereits 2007 in einer Rahmenvereinbarung anvisierten Bau von zwei neuen Gaspipelines und eine 3,5-Mrd.-Dollar-Investition der staatlichen türkischen Erdölgesellschaft TPAO in drei iranische Erdgasfelder. Die Vertragsunterzeichnung wurde jedoch abgesagt, weil es SchwieriFargkeiten bei den Verhandlungen gab, berichtete der Fernsehsender CNN Türk.

Bereits jetzt ist Iran zweitgrößter Öl- und Gaslieferant der Türkei nach Russland. Die geplanten neuen Pipelines sollen aber nicht nur den türkischen Markt versorgen, sondern auch die Möglichkeit bieten, iranisches Erdgas über die Türkei nach Westeuropa zu pumpen - etwa durch die geplante Nabucco-Pipeline, die von Anatolien über den Balkan nach Österreich führen soll. Diese Pläne stoßen aber wegen des ungelösten Atomstreits mit Teheran und der israelfeindlichen Haltung Ahmadinedschads an politische Grenzen.

In einem Interview mit türkischen Fernsehsendern ließ Irans Präsident erneut Tiraden gegen Israel los: "Die Israelis gehören nicht in diese Region, und sie sollten gehen." Israel, das mit der Türkei seit zwölf Jahren eine enge Militärkooperation pflegt, hatte Ahmadinedschads Besuch bereits im Vorfeld kritisiert.

Ahmadinedschad hatte sich bereits seit drei Jahren um eine Einladung in die Türkei bemüht. Sie kam erst zustande, nachdem der islamisch-konservative Politiker Gül 2007 das Amt des Staatspräsidenten übernommen hatte. Die Visite sorgte aber bereits im Vorfeld für diplomatische Verwicklungen: Ahmadinedschad verweigerte den von allen Staatsgästen erwarteten Besuch am Grabmal des Republikgründers Atatürk, der 1923 die Trennung von Staat und Religion in der Türkei verankert hatte. Die türkische Seite stufte daraufhin Ahmadinedschads Visite vom Staats- zum Arbeitsbesuch herunter und verlegte die Gespräche aus der Hauptstadt Ankara in die Wirtschaftsmetropole Istanbul.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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