Ai-Weiwei-Berufung
Universität der Künste provoziert China

Seit knapp drei Wochen ist der Regimekritiker Ai Weiwei in Haft. Nun soll er als Professor nach Berlin kommen - doch wann, das wissen nur die Machthaber in Peking.
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Die Berliner Universität der Künste (UdK) setzt sich für den inhaftierten chinesischen Künstler Ai Weiwei ein und will ihn als Gastprofessor engagieren. „Wir berufen keinen Dissidenten, sondern einen herausragenden und wesentlichen Exponenten der zeitgenössischen Kunst“, sagte UdK-Präsident Martin Rennert am Mittwoch. Wann der regimekritische Künstler, der seit dem 3. April in Peking in Haft ist, nach Deutschland kommen kann, ist unklar. „Wir hoffen, dass Ai Weiwei in Kürze seine Arbeit hier aufnehmen kann“, so Rennert.

Die Autorenvereinigung PEN forderte von der Bundesregierung mehr Einsatz für die Freilassung des Künstlers. „Wir müssen Forderungen stellen und fragen, wo Ai Weiwei ist und was man ihm genau vorwirft“, sagte Herbert Wiesner, Geschäftsführer des deutschen PEN-Zentrums, der Nachrichtenagentur dpa.

Das Berufungsverfahren an der Akademie begann bereits im Dezember 2010. Der jetzige Kontakt sei über Ais Büro in Hongkong gelaufen, das Verbindung zu dessen Ehefrau habe, sagte Rennert. Die Universität wolle das Angebot so lange offen halten, bis sie mit dem Künstler gesprochen habe und dieser Position beziehen konnte. Mit Ais Festnahme sei auch sein Atelier in Peking zerstört worden. Dadurch sei das Berufungsverfahren beschleunigt worden. „Die Universität der Künste Berlin steht für die Freiheit der Kunst und mithin für die Freiheit der Künstler“, sagte Rennert.

Der dänische Künstler Olafur Eliasson, seit 2008 Professor an der UdK und Leiter des Instituts für Raumexperimente, sagte, er wolle Ai Weiwei auch in die Arbeit seines Instituts einbinden. Ai habe bei einem Besuch in Eliassons Atelier Interesse an Berlin und der UdK gezeigt. Finanziert wird die Gastprofessur von der landeseigenen Einstein Stiftung.

Der Chinese war kurz nach der Eröffnung einer Ausstellung der Museen aus Berlin, Dresden und München in Peking zur „Kunst der Aufklärung“ festgenommen worden. Deswegen waren Stimmen laut geworden, die Ausstellung im Pekinger Nationalmuseum zurückzuziehen.

Die Grünen sprachen sich für ein vorzeitiges Ende der Ausstellung in Peking aus. Die Festnahme und Verschleppung von Ai Weiwei erfordere „eine eindeutige Reaktion“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck„Handelsblatt Online“. Man dürfe nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. „Der Abbruch der Ausstellung wäre ein solches mögliches Zeichen“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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