„Akte geschlossen“
Geschasster Oberster Richter Pakistans wieder im Amt

Rund vier Monate nach seiner umstrittenen Entlassung ist Pakistans Oberster Richter Iftikhar Chaudry wieder im Amt. Seine Kollegen gaben die Entscheidung am Freitag bekannt und erklärten, die Akte sei geschlossen worden. Staatschef Pervez Musharraf hatte Chaudry am 9. März entlassen, was heftige Proteste von Juristen und Oppositionellen auslöste.

HB ISLAMABAD. Kritiker warfen Musharraf einen Angriff auf die Unabhängigkeit der Justiz vor. Die Affäre entwickelte sich zur größten Herausforderung für den Staatspräsidenten seit dessen Machtübernahme durch einen unblutigen Militärputsch 1999.

Anwälte, die bei der Bekanntgabe der Entscheidung anwesend waren, spendeten dem Gericht Applaus. Vor der Tür forderten Anhänger Chaudrys den Rücktritt Musharrafs. Der Präsident hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, er werde die Entscheidung der Richter akzeptieren. Ähnlich äußerte sich am Freitag Ministerpräsident Shaukat Aziz: „Das ist jetzt nicht der Zeitpunkt, von einem Sieg oder einer Niederlage zu sprechen“, erklärte er.

Die Vorwürfe gegen Chaudry reichten von Machtmissbrauch über Einschüchterung und Schikanierung von Kollegen und Polizisten bis hin zu Tricksereien bei Tankrechnungen. Kritikern zufolge lag das wahre Motive für die Entlassung des Richters aber woanders: Musharraf habe sich mit der Absetzung des Richters weiterhin das Amt des Oberbefehlshabers der Streitkräfte sichern wollen, hieß es. Chaudry könnte dies verhindern. Musharraf wies die Vorwürfe indes immer wieder zurück. Was die von ihm angestrebte Wiederwahl angeht, könnte der Staatschef nun aber in Schwierigkeiten geraten.

Die öffentlichen Proteste gegen die Entlassung Chaudrys waren mitunter auch in Gewalt umgeschlagen - etwa bei einer Veranstaltung in Karatschi im Mai, als bei Ausschreitungen etwa 40 Menschen ums Leben kamen. Musharraf hat seit einigen Tagen aber noch ein anderes Problem: Extremisten verüben fast täglich Selbstmordanschläge auf Sicherheitskräfte. Allein am Donnerstag hatte es drei solcher Attentate gegeben, mehr als 50 Menschen wurden getötet.

Am Freitag steuerte ein Selbstmordattentäter sein Auto in einen paramilitärischen Kontrollpunkt im Nordwesten des Landes und tötete nach offiziellen Angaben vier Menschen, die meisten davon Zivilisten. Sechs Personen wurden verletzt. Die Behörden sehen einen Zusammenhang zwischen der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad in der vergangenen Woche - in der sich Extremisten verschanzt hatten - und der Zunahme von Anschlägen.

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