Al Qaeda-Vertreter übernimmt Verantwortung für Madrider Anschläge
Islamistisches Bekennervideo zu Anschlägen in Madrid aufgetaucht

Nahe einer Moschee ist ein Videoband gefunden worden, auf dem ein Mann auf einen Al-Qaeda-Militärsprecher die Verantwortung für den Terror in Madrid übernimmt. Die Eta hat abermals jede Beteiligung an den Attentaten bestritten. Spanien wählt am Sonntag ein neues Parlament.

HB BERLIN. Ein Vertreter des islamistischen Terrornetzwerks Al Qaeda hat in einer Videobotschaft die Verantwortung für die Anschlagsserie in Madrid am Donnerstag übernommen. Das Band in arabischer Sprache sei am Vortag in einem Papierkorb nahe einer Moschee in der Hauptstadt entdeckt worden, nachdem ein Mann mit arabischem Akzent bei einem TV-Sender angerufen und darauf hingewiesen habe, sagte der spanische Innenminister Angel Acebes am Sonntagmorgen vor Journalisten.

Die Echtheit der Aufnahme könne allerdings noch nicht bestätigt werden, betonte der Minister. Zu sehen sei ein «wie ein Araber gekleideter Mann», der sich im Namen «des Militärsprechers von Al Qaeda in Europa, Abou Doukhan al Afghani» zu den Anschlägen bekenne, sagte Acebes.

Der Vortragende spreche Arabisch mit einem «marokkanischen Akzent», erläuterte der Innenminister. Noch sei unklar, wer der angebliche Militärsprecher Afghani sei: «Seine Identität ist bislang weder von den spanischen, noch von den internationalen Geheimdiensten bestätigt worden.» In Zusammenarbeit mit verschiedenen Polizeibehörden wolle man klären, ob «diese Person existiert», ergänzte Acebes.

Seinen Angaben zufolge erklärt der Mann auf dem Videoband, die Attentate seien als Vergeltung für die Zusammenarbeit Spaniens mit dem «Kriminellen (US-Präsident George W.) Bush und seinen Verbündeten» gedacht. «Das ist eine Antwort auf die Verbrechen, die Ihr weltweit und konkret in Irak und Afghanistan begangen habt», zitierte Acebes eine Übersetzung ins Spanische.

«Ihr liebt das Leben und wir lieben den Tod. Wenn ihr eure Ungerechtigkeit nicht beendet, wird Blut fließen», sagte der Video-Sprecher außerdem. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass die Anschläge in Madrid genau zweieinhalb Jahre nach dem 11. September 2001 ausgeführt worden seien.

Zuvor hatte die spanische Polizei am Samstag im Zusammenhang mit den Anschlägen drei Marokkaner sowie zwei Inder festgenommen. Die Festnahmen erfolgten nach Angaben von Acebes in Madrid im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Handys, das angeblich als Zünder für eine nicht explodierte Bombe dienen sollte. Das Telefon befand sich in einem mit Sprengstoff präparierten Rucksack, der nach den Terroranschlägen gefunden worden war.

Die Regierung in Rabat teilte unterdessen die Identität der drei festgenommenen Marokkaner mit. Es handele sich um den 30-jährigen Angestellten Jamal Zougam, den 31-jährigen Mechaniker Mohamed Bekkali sowie den 35-jährigen Arbeiter Mohamed Chaoui, zitierte die amtliche marokkanische Nachrichtenagentur Map Kommunikationsminister Nabil Benabdellah.

Die drei Männer sollen einen Telefonladen in der spanischen Hauptstadt betrieben haben, hieß es in Rabat. Sie hätten eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für Spanien, wo sie ein Geschäft für Telefondienstleistungen betrieben, und würden derzeit im Rahmen einer «vorbereitenden Ermittlung» verhört.

Die spanische Untergrundorganisation Eta hat unterdessen erneut eine Beteiligung an der Anschlagsserie in Madrid abgestritten. Die Eta habe nichts mit den Attentaten vom Donnerstag zu tun, erklärte die Organisation am Sonntag auf der Internetseite der baskischen Zeitung «Gara».

Im Zeichen der Fahndung nach den Anschlagsurhebern hat am Sonntagmorgen die spanische Parlamentswahl begonnen. Ihr Ausgang wird mit Spannung erwartet.

Bislang schien es, als würde die regierende konservative Volkspartei (Partido Popular, PP) die Wahlen gewinnen: Mit ihrem Spitzenkandidaten Mariano Rajoy war ihr bis Donnerstag in Umfragen eine absolute Mehrheit prognostiziert worden.

Allerdings werfen viele Spanier dem scheidenden Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar vor, aus wahltaktischen Gründen den Hauptverdacht in Bezug auf die Anschlagsserie bewusst auf die baskische Separatistenorganisation Eta gelenkt zu haben. Nach der jüngsten Entwicklung könnte sich dies zugunsten der oppositionellen Sozialisten und ihres Spitzenkandidaten Jose Luis Rodriguez Zapato auswirken.

Bis in die Nacht zum Sonntag demonstrierten in spanischen Großstädten Tausende von Menschen gegen die Informationspolitik der Regierung. Aznar hatte die spanische Unterstützung des von den USA geführten Irak-Kriegs gegen massiven Widerstand in der Bevölkerung durchgesetzt.

Zur Wahl aufgerufen sind rund 34,5 Millionen Spanier. Um die 350 Mandate im Abgeordnetenhaus und 208 Sitze im Senat bewerben sich rund 1800 Kandidaten. Die Wahllokale sind bis 20 Uhr geöffnet; das vorläufige Endergebnis wird gegen 23.30 Uhr erwartet.

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