Al-Sarkawi-Gruppe bekennt sich im Internet zu Morden
Konflikt zwischen Sunniten und Iraks Regierung verschärft sich

Die sunnitische Ablehnungsfront gegen die irakische Übergangsregierung wird immer stärker.

HB BAGDAD/FALLUDSCHA. Am Freitag stürmten nach Informationen des Fernsehsenders Al-Arabija rund 200 irakische Soldaten die sunnitische Abu-Hanifa-Moschee in Bagdad. Augenzeugen berichteten dem Sender, die Soldaten hätten einen Prediger sowie etwa 40 weitere Gläubige festgenommen. Dabei sei es zu Gefechten zwischen Nationalgardisten und Aufständischen gekommen. Der Sender berichtete von drei Toten und neun Verletzten. In der Moschee hatten Prediger wiederholt auf die US-Besatzung geschimpft und die Übergangsregierung von Ministerpräsident Ijad Allawi kritisiert. Die Extremistengruppe Ansar al-Sunna drohte unterdessen, sie werde bei den für Ende Januar geplanten Wahlen im Irak Wahllokale angreifen und jeden töten, der sich daran beteiligen will.

Eine entsprechende Erklärung tauchte in der Nacht zum Freitag auf einer Internetseite der Gruppe auf. Darin heißt es: „Ihr sollt auf Gottes Befehl hören und den Wahllokalen fernbleiben, denn sie werden Orte des Unglaubens sein“. Am Donnerstag hatte eine andere Terrorgruppe in der Stadt Bakuba bereits Flugblätter mit ähnlichen Drohungen verteilt. Bei einem Treffen irakischer Parteien in der Kurdenprovinz Suleimanija wurde am Freitag unter anderem über eine mögliche Verschiebung der Wahlen wegen der schlechten Sicherheitslage und der noch nicht ausreichenden Vorbereitungen diskutiert. Dies lehnten jedoch unter anderem die beiden großen Kurdenparteien von Dschalal Talabani und Massud Barsani ab.

Ahmed al-Safi, ein enger Vertrauter des schiitischen Großajatollahs Ali al-Sistani, sagte in seiner Freitagspredigt in der Imam-Hussein-Moschee in Kerbela, die Verteilung der Wählerausweise müsse beschleunigt werden, damit die Abstimmung nicht gefährdet werde. Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten hatte nach Beginn der US-Offensive in Falludscha zum Wahlboykott aufgerufen. Daraufhin wurden Mitglieder des Rates festgenommen.

Einwohner von Falludscha beerdigten am Freitag in der Nachbarortschaft Saklawija Dutzende von Opfern der Kämpfe in der irakischen Rebellenhochburg. Der Nachrichtensender Al-Arabija zeigte Bilder vom Totengebet. Augenzeugen in Falludscha berichteten am Freitag von US-Artilleriefeuer in zwei Vierteln im Osten und Süden der Stadt, nachdem es in der Nacht relativ ruhig geblieben war. Bei der Offensive in Falludscha wurden bisher laut Armee 51 US-Soldaten und acht irakische Sicherheitskräfte getötet. Rund 1 200 Aufständische seien getötet worden, sagte Generalleutnant John Sattler.

Die Terrorgruppe des Jordaniers Abu Mussab al-Sarkawi, als deren Stützpunkt Falludscha bis zum Einmarsch der Amerikaner halt, soll sich unterdessen zur Enthauptung von zwei irakischen Offizieren in der Stadt Mossul bekannt haben. Auf einer Islamisten-Seite im Internet tauchte am Freitag eine entsprechende Erklärung auf, in der es hieß, zur Abschreckung hätten Angehörige der Kaida al-Dschihad die beiden Männer in der nordirakischen Stadt vor den Augen der Bevölkerung getötet. In der Erklärung ist außerdem von den „Brigaden“ der Gruppe in „Mossul, Ramadi, Bakuba, Samarra und anderen Städten der Gotteskrieger“ die Rede. Falludscha wurde dagegen nicht erwähnt. In West-Bagdad kamen am Freitag mindestens zwei Menschen ums Leben, als Aufständische eine Polizeistreife angriffen.

Nach Angaben der irakischen Polizei explodierte am Freitag auf der Schnellstraße, die Mossuls Nachbarstadt Kirkuk mit Bagdad verbindet, ein Sprengsatz neben einem US-Militärkonvoi. Mehrere Soldaten seien verletzt worden, hieß es. Die US-Armee berichtete über eine vor einer Woche begonnene Operation in Howeidscha. Die Operation „Wolfhound Power“ werde so lange fortgesetzt, bis alle Aktivitäten der Aufständischen in dem Ort erstickt seien, hieß es. Howeidscha ist eine Enklave sunnitischer Araber nahe der Vielvölkerstadt Kirkuk.

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