Al-Tabka
Terrorgruppe IS erobert syrischen Flughafen

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat offenbar einen wichtigen Militärflughafen in Syrien erobert. Sollte sie ihn unter ihrer Kontrolle behalten, könnte sie die Region unbehelligt beherrschen.
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Trotz inzwischen rund 100 Luftangriffen der US-Armee setzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihren Angriffskrieg im Irak und in Syrien unbeirrt fort. Nach heftigen Gefechten eroberten die Extremisten am Sonntag im Osten Syriens den strategisch wichtigen Militärflughafen Al-Tabka, die letzte Bastion der Truppen von Präsident Baschar al-Assad in der Provinz Al-Rakka, wie die Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Im Irak versuchten die Dschihadisten, die Erdölraffinerie Baidschi nördlich von Bagdad einzunehmen. Die Regierungsarmee konnte den Großangriff nach eigenen Angaben aber abwehren.

Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter starben bei den Gefechten um den Flughafen in Syrien mindestens 100 IS-Kämpfer, mehr als 300 wurden verletzt. Zudem seien Dutzende syrische Soldaten getötet worden. Sollte die IS-Miliz den Militärflughafen unter ihrer Kontrolle behalten, könnte sie die Region unbehelligt beherrschen - ein herber Rückschlag für die Regierung in Damaskus. Die Extremisten dominieren ohnehin im Osten und Norden Syriens bereits ein Drittel des Landes, und ebenso große Teile im Norden und Westen des Iraks.

Seit Wochen versuchen die Dschihadisten - deren Stärke Beobachter inzwischen auf mehrere zehntausend Kämpfer schätzen - die Raffinerie Baidschi einzunehmen. Bei heftigen Kämpfen um die Anlage seien 30 Extremisten umgekommen, berichteten Sicherheitskräfte am Sonntag. Die Extremisten hätten die Anlage aus allen Richtungen attackiert, meldete die Nachrichtenseite Al-Mada. Sieben Selbstmordattentäter hätten sich dabei in die Luft gesprengt. Die irakische Armee erhielt demnach Unterstützung von Kampfflugzeugen.

Eine gute Neuigkeit ist die Freilassung des entführten US-Reporters Peter Theo Curtis. US-Außenminister John Kerry äußerte sich „dankbar“ und erleichtert. In einer Mitteilung am Sonntag bestätigte er zugleich, dass sich Curtis in den Händen der Al-Nusra-Front in Syrien befand.

„Besonders nach einer Woche mit einer unsäglichen Tragödie sind wir alle dankbar und erleichtert zu wissen, dass Theo Curtis nach Hause zurückkehrt“, erklärte Kerry. Er bezog sich damit auf den Tod des ebenfalls entführten US-Journalisten James Foley, der vor wenigen Tagen von Terroristen der Miliz Islamischer Staat (IS) enthauptet worden war.

Kerry wies darauf hin, dass sich die USA in den vergangenen zwei Jahren an mehr als zwei Dutzend Staaten gewandt hätten, um mit ihrer Hilfe die Freilassung von US-Geiseln zu erreichen. Das ist ein möglicher Hinweis darauf, dass Curtis' Freilassung durch ein anderes Land eingefädelt wurde.

Die UN bestätigten unterdessen, dass Curtis im Dorf Al Rafid auf den Golan-Höhen an UN-Blauhelmsoldaten übergeben worden sei. Nach einer ersten medizinischen Untersuchung hätten ihn dann Vertreter der US-Regierung in Empfang genommen.
Indes stehen britische Geheimdienstmitarbeiter offenbar kurz vor der Identifizierung des Mörders von James Foley. „Ich kann nichts Genaues sagen, aber ich weiß von meinen Kollegen, dass wir kurz davor stehen“, sagte der britische Botschafter in den USA, Peter Westmacott, am Sonntag dem US-Fernsehsender CNN. Die britische Zeitung „Sunday Times“ hatte zuvor unter Berufung auf nicht näher genannte Regierungsquellen berichtet, britische Geheimdienste hätten den mutmaßlichen Täter bereits identifiziert.

Zwar hätten die Quellen keine Details zu dem Mann genannt, hieß es in dem Bericht, ein Hauptverdächtiger sei aber der 23-jährige Abdel-Majed Abdel Bary. Der Mann habe vor kurzem über Twitter ein Bild von sich verbreitet, auf dem er einen abgetrennten Kopf hochhält, heißt es in dem Bericht. Er habe seine Familie in Nord-London im vergangenen Jahr verlassen, um für die Terrorgruppe zu kämpfen.

Der US-Journalist Foley war im November 2012 in Syrien verschwunden. Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) enthauptete ihn als Rache für US-Luftangriffe im Nordirak und veröffentlichte dazu am vergangenen Dienstag ein Propagandavideo. Auf dem Video war ein maskierter Mann mit britischem Akzent zu sehen, der auf den Spitznamen „Dschihadi John“ hören soll.

Großbritanniens Außenminister Philip Hammond drückte am Sonntag seinen Abscheu darüber aus, dass der Mörder Foleys Brite sein soll. „Dies ist ein Betrug an unserem Land, unseren Werten und allem, wofür wir stehen“, schrieb er in der „Sunday Times“.

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  • Ein Erfolg der deutschen Unterstützung für die Islamgläubigen. Ist Islam nicht = friedlich? Weigert sich daher die Bundesmarine das Waffenembargo durch zu setzen?

  • Militärflughafen erobert
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    Bei der Eroberung wurden mehr als 500 Menschen getötet. Das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die in London sitzt, sich aber auf Quellen vor Ort beruft. Unter den Toten seien mindestens 346 IS-Kämpfer und mehr als 170 Soldaten gewesen. Die Terrorgruppe habe zudem mindestens 150 Soldaten in der Nähe des Flughafen eingekesselt. Sie seien wahrscheinlich in Gefangenschaft geraten.

    So sind die "Freiheitskämpfer" des IS nun mal.
    Sie fahren mit ihren nagelneuen Toyota-Fahrzeugen über die Grenze in den Irak und erschießen dort die "ungläubigen Einwohner" mit ihren neuen und modernen Waffen.
    Finanziert und unterstützt werden sie vor Allem aus Saudi-Arabien und Katar. Auch wenn diese das bestreiten.

  • Die IS als "Speerspitze" für alte Pläne der "Wertegemeinschaft"?

    Honi soit.

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