Alarm wegen russischer Kampfflugzeuge
Putin provoziert die Nato

Ungewöhnlich viele russische Kampfjets überfliegen Europa. Eine ganz normale Übung, sagt der Kreml. Ein Sicherheitsexperte warnt vor einem „gesteigerten Aggressionspotential“. Bundeskanzlerin Merkel bleibt unbesorgt.
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DüsseldorfDer Konflikt mit der Ukraine und die Zerwürfnisse mit dem Westen setzen den russische Präsident Wladimir Putin zunehmend unter Druck. Das russische Selbstbild der Weltmacht konkurriert mit einem schwachen Rubel, einer hohen Arbeitslosigkeitsquote und einer sinkenden Produktivität. Putin tritt zwar souverän auf, ist aber längst nicht mehr der unangefochtene Führer des größten Landes der Welt.

Mit dem Manöver der russischen Luftwaffe im internationalen Luftraum will der russische Präsident offenbar Stärke demonstrieren. „Nur so sind die letzten Übertritte zu erklären“, sagt der Direktor der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, Karl-Heinz Kamp, im Gespräch mit dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Ein Nato-Sprecher betonte zwar, dass der Nato-Luftraum nicht verletzt worden sei. Eine derart hohe Zahl an Einsätzen habe es in den vergangenen Jahren aber nur selten gegeben.

Allein am Mittwoch zählte die Nato mindestens 25 russische Kampfmaschinen im internationalen Luftraum. „Das ist eine Häufung“, sagt der langjährige Forschungsdirektor der Nato, Kamp. Dabei sei der Eintritt fremder Flugzeuge in den Luftraum eines anderen Landes gar nichts Ungewöhnliches. Vielmehr sei dies Kamp zufolge „eine gängige Praxis“, um Unsicherheit und Nervosität hervorzurufen. „Außerdem testet man so die Reaktion der Gegenseite“, erklärt der Sicherheitsexperte.

Alles also nur ein harmloses Muskelspiel? Nein, sagt der Experte. Denn der unangemeldete Eintritt in das Hoheitsgebiet eines anderen Landes sei zu Wasser, zu Land und in der Luft ein gefährliches Unterfangen. Erst im Mai mussten schwedische Kampfjets einen russischen Bomber aus heimischem Territorium geleiten. Dabei gerieten die Kampfjets bis auf wenige Flügellängen aneinander. Ein falsches Manöver hätte genügt, um die beiden Maschinen zum Abstürzen zu bringen. Die Folge wären neben menschlichen Opfern zumindest schwerwiegende diplomatische Verwerfungen gewesen – wenn nicht eine internationale Krise.

„Wir beobachten eine Häufung der russischen Kampfjets im Nato-Luftraum“, sagt Kamp. In diesem Jahr seien bislang mehr als drei Mal so viele russische Kampfjets in den Luftraum der Nato geflogen als im Vorjahr. Nach Nato-Angaben wurden in diesem Jahr bereits 100 Mal russische Flugzeuge von Nato-Jets im europäischen Luftraum eskortiert, dreimal so viel wie im vergangenen Jahr.

So soll verhindert werden, dass feindliche Flugzeuge in den Nato-Luftraum eindringen. In der vergangenen Woche war nach Nato-Angaben ein russisches Aufklärungsflugzeug bei Estland in den Luftraum des Bündnisses eingedrungen. Dies sei zwar nicht ungewöhnlich, sagt der Experte. Putin zeige aber dennoch ein „gesteigertes Aggressionspotenzial“.

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Kommentare zu " Alarm wegen russischer Kampfflugzeuge: Putin provoziert die Nato"

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  • Die schwächelnden deutsche Rüstungsindustrie braucht dringend eine Legitimation zu höheren Rüstungsausgaben der Bundesregierung.

  • Es ist immer angenehm, ihre Kommentare zu lesen. Ich verabschiede mich hiermit aus dem Block und wünsche Ihnen und den anderen Kommentatoren - und natürlich den Lesern - einen schönen Abend.

  • " Wenn dies Russland ist, was steht also einer solchen Wahl entgegen."

    Richtig. Wäre Putin ein echter Demokrat und ginge es ihm um die Sache, würde - oder besser - hätte er sich so verhalten. Er ist es aber nicht. Mit diesem Verhalten zeigt er, wie weit er sich von rechtstaatlichen Standards entfernt hat. Er zeigt, dass er nicht nachhaltig in einem Sinne denkt, als er Integration in die Weltgemeinschaft als vorteilhaft sieht. Er verhält sich ungefähr so, wie George W. Bush, der auch eine gewisse Zeit meinte in selbstgefälliger Arroganz die Welt beglücken wollte. Er war der Meinung, auf niemanden angewiesen zu sein und der Welt seine Regeln diktieren zu können.

    Das hat bei ihm nicht geklappt und wird erst recht nicht bei Putin funktionieren.

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