Alaskas Ex-Gouverneurin
Spekulationen nach Palins Rücktritt

Nach dem überraschenden Rücktritt der US-Politikerin Sarah Palin als Gouverneurin von Alaska beginnen die Spekulationen über die Gründe für den Rückzug. Einige glauben, die Republikanerin strebe eine Präsidentschaftskandidatur für 2012 an.

HB ANCHORAGE. Sarah Palins plötzlicher Rücktritt von ihrem Gouverneursposten in Alaska hat der US-Politik zum Nationalfeiertag ein Wochenende der Spekulationen beschert. Von einer Präsidentschaftskandidatur in 2012 bis zu einem noch geheimen Skandal rätselten die Medien wie auch Strategen ihrer eigenen Partei, was die 45-Jährige streitbare Konservative zu dem Schritt bewegt haben könnte. Die bekannteste "Eishockey-Mutti" der Welt genießt in Alaska weiterhin große Beliebtheit, während sie in den übrigen USA so kontrovers bleibt wie nach ihrer überraschenden Kandidatur für die Vize-Präsidentschaft an der Seite von John McCain.

Palin ließ sich bei der Ankündigung ihres Rücktritts am Freitag nicht in die Karten gucken. Zu diesem Zeitpunkt könne sie "außerhalb der Regierung Veränderungen zum Guten" bewirken, erklärte die Republikanerin bei einer Pressekonferenz in ihrer Heimatstadt Wasilla. Mit ihr traten Vize-Gouverneur Sean Parnell und zahlreiche Kabinettsmitgliedern vor die Kameras. Sie wolle keine Zeit mit "politischem Kampfsport" verschwenden, sagte Palin weiter. "Wir ziehen uns nicht zurück, wir rücken in eine andere Richtung vor. Palins Amtszeit geht eigentlich bis 2010. Am 26. Juli soll sie die Macht an Parnell übertragen.

Die fünffache Mutter und tiefgläubige Christin gilt als unabhängiger Geist, als "maverick", die das Unerwartete tut. Während ihrer politischen Karriere legte sie sich mit den einflussreichen Öl-Firmen in Alaska an und brach mit dem republikanischen Establishment. Nach ihrem Journalismus- und Politikstudium in Idaho wurde sie in Alaska Bürgermeisterin von Wasilla und Mitglied der Öl-Kommission, bevor sie bei der Gouverneurswahl 2006 gewann.

Im Ausland wie auch innerhalb der USA wurde Palin aber erst bekannt, als McCain sie überraschend zu seiner Vize-Kandidatin im Kampf gegen Barack Obama und dessen Vize John Biden. Kritiker warfen ihr mangelndes Wissen, mangelnde Erfahrung und mangelndes politisches Format vor. Aber Palin wurde wegen ihres offenen und kraftvollen Eintretens für ihre Werte zum Liebling des konservativen Flügels der Republikaner. Schon während des Wahlkampfs wurde sie als zukünftige Präsidentschaftskandidatin für eine Partei gehandelt, die von Skandalen erschüttert und ohne klare Führungsfiguren dastand. Nach dem Sieg Obamas ist die Situation für die Republikaner inzwischen noch desolater.

Entsprechend ist für einige Experten klar, dass sich Palin nun auf die kommende Präsidentenwahl vorbereiten will. Die Sache mit den positiven Veränderungen außerhalb der Regierung sei "ein Code für "Ich kandidiere für die Präsidentschaft'", erklärte die republikanische Strategin Sophia Nelson. Der Vorsitzende des Nationalen Komitees der Republikaner, Michael Steele, kündigte an, sehr bald mit Palin reden zu wollen. Sie sei für die Partei von großem Wert.

Palin hat aber Experten zufolge noch eine Reihe weiterer Optionen. Sie könnte sich bei der Kongresswahl 2010 um den Sitz von Senatorin Lisa Murkowski bewerben, um über die Legislative in Washington Fuß zu fassen und Erfahrung zu sammeln. Sie könnte ihre Popularität nutzen, um mit Reden und Fernsehauftritten Geld zu verdienen - im Mai unterzeichnete sie einen Buchvertrag. Sie könnte auch einfach genug haben von den ständigen Angriffen in der amerikanischen Presse und eine Pause einlegen wollen. Schließlich gibt es Spekulationen, dass etwas Böses ans Licht zu kommen droht. "Wenn es irgendwelche Hinweise geben sollte, dass der Grund für die Entscheidung politische Probleme oder drohende Skandale waren, dann ist sie fertig", erklärte die Geschichtswissenschaftlerin Julian Zelizer von Princeton.

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