Alchanow Favorit
Tschetschenen wählen neuen Präsidenten

Begleitet von einem neuerlichen versuchten Bombenanschlag ist am Sonntag in Tschetschenien ein Nachfolger des im Mai von Rebellen getöteten Präsidenten Achmed Kadyrow gewählt worden. Als klarer Favorit galt der bisherige Innenminister Alu Alchanow, der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützt wird. Die Wahllokale waren bis zum Abend (MESZ) geöffnet.

HB GROSNY. Nach den mutmaßlichen Anschlägen auf zwei russische Verkehrsflugzeuge in der vergangenen Woche waren die Sicherheitsvorkehrungen bei der Wahl sehr streng. Rund 14.000 tschetschenische Polizisten patrouillierten neben russischen Truppen in den Straßen. Tschetschenische Rebellen, die eine Loslösung von der Russischen Föderation fordern, hatten vor der Wahl Anschläge angedroht. Den weitgehend unbekannten sechs Mitbewerbern Alchanows wurden kaum Chancen auf einen Wahlsieg eingeräumt. Die Rebellen haben die Wahl als Farce bezeichnet und angekündigt, auch Alchanow zu töten, sollte er gewählt werden.

Kurz nach Öffnung der Wahllokale sprengte sich in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny ein Mann in die Luft. Nach Angaben eines Mitglieds der Wahlkommission handelte es sich dabei um einem gesuchten tschetschenischen Rebellen. Polizisten seien auf ihn aufmerksam geworden, als er mit einer Plastiktüte in ein Wahllokal habe gehen wollen. Als er nach seinem Ausweis gefragt worden sei, sei er geflüchtet und eine Bombe, die er bei sich getragen habe, sei explodiert. Weitere Opfer gab es nicht.

Über den Wahl-Favoriten Alchanow sind die Tschetschenen geteilter Meinung. „Ich stimme für Alchanow“, sagte ein Wähler. „Die Zeit für Fantasten ist vorbei. Auch sie müssen sich der Realität stellen. Es kann nicht ewig so weitergehen.“ Andere Wähler bezweifeln indes, dass Alchanow die Rebellion beenden kann. Auch kritisieren sie, dass er von Putin unterstützt wird. „Nicht Tschetschenien wählt den Präsidenten. Moskau ernennt ihn“, sagte eine Frau.

Russland kämpft seit rund zehn Jahren in Tschetschenien gegen moslemische Separatisten. Die Aufständischen fordern ein Ende der russischen Herrschaft in der Region. Viele Russen sehen eine Kontrolle aber als elementar für die Einheit der Russischen Föderation mit ihren vielen ethnischen Gruppen an.

In der vergangenen Woche waren nahezu zeitgleich zwei russische Verkehrsflugzeuge abgestürzt, 90 Menschen starben.

Eine Moslemgruppe hatte in einem im Internet verbreiteten Schreiben erklärt, die Maschinen seien zum Absturz gebracht worden, um den Tod von Moslems im Tschetschenien-Konflikt zu rächen. Moderate tschetschenische Rebellen bestritten aber eine Verbindung zu der Gruppe und erklärten, Russland streue gezielt Fehlinformationen. In russischen Medien wird spekuliert, zwei tschetschenische Frauen, die an Bord der Maschinen gewesen seien, hätten die Flugzeuge in der Luft gesprengt.

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