Aleppo
Evakuierung läuft an, Uno entscheidet über Beobachtermission

In Aleppo kommt die Evakuierung von Zivilisten und Kämpfern wieder in Gang. Laut Menschenrechtlern wurden schon insgesamt 13.000 Menschen aus den Rebellengebieten gebracht. Die humanitäre Lage ist weiterhin katastrophal.
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New York/AleppoSeit dem Wiederbeginn der Evakuierung Ost-Aleppos am Sonntagabend haben rund 4500 Menschen die letzten Rebellengebiete der syrischen Stadt verlassen. Busse hätten sie in das Umland südwestlich der Stadt gebracht, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag. Im Gegenzug begann der Transport von Zivilisten aus den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kafraja im Nordwesten Syriens. Diese werden vor allem von Schiiten bewohnt.

Die Evakuierung Ost-Aleppos war am Sonntagabend nach einer mehrtägigen Pause wieder aufgenommen worden. Syriens Führung und Rebellen hatten sich zuvor auf eine neue Vereinbarung geeinigt, die auch den Transport von Verwundeten, Kranken und anderen Zivilisten aus Fua und Kafraja vorsieht. Damit wird eine Forderung des mit Syrien verbündeten schiitischen Irans erfüllt. Teheran unterstützt schiitische Milizen, die in Syrien an der Seite der Armee kämpfen.

Die Menschenrechtsbeobachter und Aktivisten berichteten, seit Sonntagabend hätten mehr als 50 Busse aus Ost-Aleppo das Umland im Südwesten der Stadt erreicht. Nach Angaben der Menschenrechtler sind seit Beginn der Evakuierung in der vergangenen Woche rund 13.000 Menschen aus den Rebellengebieten gebracht worden.

Zugleich verließen am Montagmorgen zehn Busse die Orte Fua und Kafraja. Die Fahrzeuge seien am Morgen in der nordsyrischen Stadt Aleppo angekommen, meldeten regierungsnahe Medien am Montag. An Bord waren rund 500 Menschen, darunter Frauen, Kinder, Kranke und Verletzte, wie die Beobachtungsstelle erklärte. Im Laufe des Tages sollten weitere Menschen aus den beiden Orten gebracht werden.

Syriens Armee und mit ihr verbündete Rebellen hatten bei einer Offensive in den vergangenen Wochen in heftigen Kämpfen den größten Teil der Rebellengebiete Aleppos eingenommen. Unter Vermittlung Russlands und der Türkei einigten sich Regierung und Opposition nach schwierigen Verhandlungen auf einen Abzug der Kämpfer und Zivilisten aus Ost-Aleppo.

Dort sollen noch Zehntausende auf den Transport warten. Wegen einer monatelangen Blockade ist die humanitäre Lage in Ost-Aleppo nach Angaben von Hilfsorganisationen katastrophal.

Die Menschen werden zunächst in das von oppositionellen Milizen beherrschte Umland im Südwesten Aleppos gebracht. 117 Verletzte kamen zur Behandlung in die türkische Stadt Hatay, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Unklar ist bislang, ob die Kämpfer in der Region südwestlich von Aleppo bleiben oder ob sie in den Norden der Stadt weiterziehen, wo von der Türkei unterstützte Rebellen größere Gebiete kontrollieren.

Die Außenminister des Irans, Russlands und der Türkei treffen sich nach iranischen Angaben am Dienstag in Moskau zu Gesprächen über Syrien. Wegen der prekären Lage in Aleppo habe der Iran das Treffen vorgeschlagen, sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Irna treffen sich zudem am Dienstag auch die Verteidigungsminister der drei Länder in Moskau, um die Lage in Aleppo zu besprechen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • In der deutschen Öffentlichkeit wird oft nicht klar, wer in Syrien gegen wen kämpft. Klar scheint nur eine Seite zu sein: Eine Allianz aus Russland, Syrien, dem Iran und der islamistischen Hisbollah. Doch gegen wen kämpft diese Allianz eigentlich? Die Bezeichnung der Gegner des gewählten Präsidenten Baschar al-Assad reicht von „Rebellen“ über „Aufständische“ bis hin zu „Opposition“. Nun gibt es zwar im syrischen Parlament sogar eine Oppositionspartei, sie hat sogar ein Ministerium inne (das für die nationale Versöhnung). Doch die kämpfenden „Rebellen“ werden fast ausschließlich von ausländischen Regierungen und Geheimdiensten unterstützt.

    In der folgenden Aufstellung beziehen wir uns fast ausschließlich auf westliche Quellen – womit klar wird, dass der Einsatz der Söldner in den internationalen Medien bekannt ist.

    Die Liste ist eine Liste der Schande: Westliche Geheimdienste und Regierungen finanzieren in Syrien mit Steuergeldern einen Krieg, der völlig außer Kontrolle geraten ist. Der Grund sind energiepolitische Interessen. Das gilt für den Westen genauso wie für Russland und den Iran.

    Die russische Armee ist Assad zu Hilfe gekommen. Sie hat dies im Einklang mit dem Völkerrecht gemacht – auch wenn Krieg immer grauenvoll ist und auch Russland nicht vermeiden konnte, dass Zivilisten zu Schaden kommen. Die hier angeführten Söldner und ihre Unterstützer handeln alle gegen das Völkerrecht.

    Southern Front:

    Die Gruppe wird vom Militärischen Operations Zentrum (MOC) in Amman, welches den USA untersteht, finanziert und dirigiert, berichtet die Heinrich-Böll-Stiftung.

    Die BBC berichtet, dass es sich bei der Southern Front um einen Zusammenschluss diverser Gruppen mit einer Kämpferstärke von 38.000 handelt, die von der CIA unterstützt wird.


    mehr dazu:
    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/18/wer-in-syrien-wirklich-kaempft-die-schwarze-liste-der-schande-des-westens/

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