Aleppo unter Beschuss
Syrische Armee verlegt Kommandozentrale nach Syrien

Die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) hat ihre Kommandozentrale nach eigenen Angaben von der Türkei nach Syrien verlegt. Unterdessen gingen die Kämpfe im Land mit unverminderter Härte weiter.
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Beirut/Aleppo/KairoVon der Verlegung der Kommandozentrale nach Syrien berichteten die Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad am Samstag. Die Freie Syrische Armee (FSA) hatte sich im Juli vergangenen Jahres aus Deserteuren der regulären syrischen Truppen gebildet und hat nach eigenen Angaben tausende Kämpfer unter Waffen.

Einem Augenzeugen zufolge haben syrische Rebellen einen Kampfjet der Armee abgeschossen. Die Aufständischen hätten einen Militärstützpunkt bei der Stadt Atarib in der nördlichen Provinz Idlib angegriffen, sagte ein Reporter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Als der Jet über die Rebellen hinweggeflogen sei, hätten sie ihn mit eine provisorischen Flugabwehrwaffe getroffen.

Seit einigen Wochen hat das Militär seine Offensive verschärft. So wurden am Donnerstag nach Oppositionsangaben bei einem einzigen Luftangriff auf eine Tankstelle im Norden des Landes mindestens 54 Menschen getötet.

Die schlecht bewaffneten Rebellen haben im Ausland um Flugabwehrraketen gebeten, um gegen die militärische Übermacht der Armee zu bestehen. Bislang kämpfen sie gegen Assads Luftwaffe vor allem mit auf Kleintransportern befestigten Maschinengewehren. Ende Augusts haben sie nach eigenen Angaben schon einmal einen Kampfjet in der Provinz an der Grenze zur Türkei abgeschossen. Wenige Tage zuvor hatten sie einen Militär-Hubschrauber abgeschossen.

Auch an den Grenzübergängen haben sich die Rebellen heftige Gefechte geliefert: Nach Angaben der libanesischen Armee hat eine "große Zahl" von ihnen in der Nacht zum Samstag einen ihrer Posten im Osten des Libanon angegriffen. Opfer habe es bei dem Überfall von Kämpfern der Freien syrischen Armee nahe des libanesischen Dorfs Arsal nicht gegeben, teilte das Militär mit. Es sei bereits der zweite derartige Angriff innerhalb weniger als einer Woche. Soldaten seien zur Verstärkung in das Gebiet entsandt worden und hätten die Verfolgung der bewaffneten Männer aufgenommen, die in Richtung der syrischen Grenze geflohen seien.

Ebenfalls sind in der Nähe eines belebten Grenzübergangs nach Jordanien heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen ausgebrochen. Aktivisten meldeten am Samstag einen massiven Beschuss der Gegend um den Grenzort Nasib, an dem die Autobahn von Damaskus zur jordanischen Hauptstadt Amman vorbeiführt. Außerhalb Syriens halten sich derzeit rund 257.000 Flüchtlinge auf, viele von ihnen in Jordanien.

Bei Angriffen und Kämpfen im Gebiet der syrischen Metropole Aleppo wurden nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens elf Soldaten und fünf Rebellen getötet. Die syrische Armee will der Beobachtungsstelle zufolge um jeden Preis verhindern, dass die Rebellen das westliche Gebiet der Provinz Aleppo mit der Provinz Idlib verbinden, weil sie dann die Kontrolle über eine größere, bis zur türkischen Grenze reichenden Region innehätten.

Aleppo stand am Samstag erneut unter schwerem Beschuss. Artillerieschüsse und schwere Explosionen waren in der ganzen Stadt zu hören, wie ein AFP-Reporter berichtete. Laut Beobachtungsstelle wurden am Morgen unter anderem die Bezirke Hanano, Arkub und Mardsche bombardiert.

In der südlichen Provinz Daraa, die wie Aleppo zu den Hochburgen der Gegner von Präsident Baschar al-Assad zählt, gab es Aktivisten zufolge in der Ortschaft Al-Hara eine Welle von Festnahmen und Razzien. Nahe der Hauptstadt Damaskus wurde zudem bei Kämpfen ein Deserteur der syrischen Armee getötet. In und um Homs, der drittgrößten Stadt des Landes nach Damaskus und Aleppo, wurden demnach fünf Soldaten getötet.

Landesweit wurden nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter am Freitag mindestens 150 Menschen getötet. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade der Regierung von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen. Präsident Baschar al-Assad versucht seit eineinhalb Jahren einen Aufstand niederzuschlagen. Allein in der letzten August-Woche wurden nach Angaben der Vereinten Nationen 1.600 Menschen getötet. Insgesamt kamen nach Angaben der Opposition mehr als 27.000 Menschen in dem Konflikt ums Leben, der mit friedlichen Demonstrationen begann und sich zu einem Bürgerkrieg ausgewachsen hat.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Aleppo unter Beschuss: Syrische Armee verlegt Kommandozentrale nach Syrien"

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  • @ Redaktion:
    "Syrische Armee verlegt Kommandozentrale nach Syrien"

    syrische Armee? seltsame Überschrift...

    Es handelt sich um die "Freie Syrische Armee (FSA)" = Rebellen, Oppositionelle, Freischärler usw. , ganz egal, wie man sie nennen möchte. Die reguläre syrische Armee der amtierenden Regierung (oder Regime; egal, wie man sie bezeichnen möchte) ist es jedenfalls nicht...

    Oder wollen Sie uns mit ihrer Wortwahl darauf vorbereiten, das unser Außenminister demnächst die Opposition als legale syrische Regierung anerkennen wird? Dann wäre es wohl doch die (neue) reguläre Armee?

  • Ich würde begrüßen, wenn das Handelsblatt sich auch einmal die Seite der Syrischen Regierung anschauen würde.ich meine damit die Syrian 'Arab news agency - SANA - Sie ist zu erreichen unter dem link: http://208.43.232.81/index_eng.html.
    Wenn dort beschrieben wird:
    dass in Alleppo und anderen Städten mit Fotos belegt Wiederaufbauarbeiten stattfinden,
    wenn in Syrien Wettkämpfe und Theateraufführungen stattfinden,
    wenn in Damaskus 28 Oppositionsgruppierungen ihre Meinung für eine politische und friedliche Einigung des Konfliktes ausdrücken dürfen,
    wenn gleichzeitig von der syrischen Armee in der Nähe von Damaskus Massengräber von gefesselten Syrern gefunden wurden
    so deutet dies wohl darauf hin, dass die sog. Befreiungsarmee nicht wirklich befreien will.
    Wir sollten uns daher ernsthaft bemühen unsere gewachsenen Freiheitsinstinke durch tendenziöse Einseitigkeit nicht abzuwerten!

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