Algerien : Geiseldrama offenbar noch nicht beendet

Algerien
Geiseldrama offenbar noch nicht beendet

Die blutige Militäraktion gegen die Islamisten hat die Geiselnahme auf einem Gasfeld in Algerien nicht beendet. Das britische Außenministerium meldete am Freitag: „ Der terroristische Zwischenfall ist weiter im Gange. “
  • 3

LondonDie Geiselnahme auf einem algerischen BP-Gasfeld durch Islamisten ist noch nicht beendet. „Der terroristische Zwischenfall ist weiter im Gange“, erklärte am Freitag das britische Außenministerium in London. Premierminister David Cameron will sich heute daher erneut zu einer Krisensitzung mit den zuständigen Ministern und Vertretern der Sicherheitsbehörden treffen.

Die britische Regierung geht davon aus, dass eine größere Zahl von Landsleuten in der Krise ums Leben gekommen sein könnte. Cameron, der wegen der Geiselkrise eine lang angekündigte Grundsatzrede zur Europapolitik in Amsterdam absagte, sprach am Donnerstagabend von „sehr schlechten Nachrichten“, auf die sich das Land vorbereiten müsse.

Wohl verfrüht war in der Nacht zu Freitag verkündet worden, dass Geiseldrama in der Sahara habe ein blutiges Ende gefunden. Fakt ist, dass die algerische Armee am Donnerstag mit Boden- und Luftstreitkräften gegen die Geiselnehmer vorgegangen ist. Bei einer Militäraktion gegen die islamistischen Entführer konnten die Streitkräfte nach Regierungsangaben zahlreiche Geiseln befreien, viele Extremisten wurden getötet. Über die genaue Zahl der Opfer und entkommenen Geiseln gab es zunächst allerdings widersprüchliche Angaben.

Das algerische Staatsfernsehen meldete, bei dem Befreiungsversuch seien zwei Briten und zwei Philippiner getötet worden. 13 weitere Menschen, darunter sieben Ausländer, seien bei dem Einsatz verletzt worden, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf ein Krankenhaus weiter. Weitere Geiseln stammten aus den Frankreich, Norwegen, Rumänien, Malaysia, den USA und Algerien.

Der forsche Befreiungsversuch rief im Ausland große Bestürzung und scharfe Kritik hervor. Das japanische Außenministerium bestellte in der Angelegenheit den algerischen Botschafter in Tokio ein. Zuvor hatte Ministerpräsident Shinzo Abe den algerischen Regierungschef Abdelmalek Sellal angerufen, um gegen die Militäraktion zu protestieren und ihren sofortigen Stopp zu fordern. Die japanische Regierung gab an, drei von 17 japanischen Mitarbeitern seien in Sicherheit.

Für die Geiselnahme sei eine „multinationale Terrorgruppe“ verantwortlich, die „Algerien destabilisieren, in den malischen Konflikt hineinziehen und die Infrastruktur für Erdgas zerstören“ wolle, sagte der algerische Kommunikationsminister Mohand Said Oubelaid am Donnerstagabend im Radio. „Zahlreiche Geiseln sind befreit und viele Terroristen getötet worden“, sagte er. „Wir bedauern, dass einige getötet und verletzt wurden.“

Die Entführer hatten über die mauretanische Nachrichtenagentur NIA zuvor erklärt, 35 Geiseln und 15 Entführer seien bei dem Hubschrauberangriff der algerischen Streitkräfte getötet worden.

Ein Islamisten-Kommando hatte das Gasfeld im Osten Algeriens etwa 1300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Algier am Mittwoch unter ihre Kontrolle gebracht. Nach eigenen Angaben nahmen die Islamisten hunderte algerische Mitarbeiter und etwa 40 Ausländer, darunter Briten, Norweger, US-Bürger, Franzosen und Japaner, als Geiseln. Die Islamisten forderten ein Ende des französischen Militäreinsatzes im Nachbarland Mali.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Algerien : Geiseldrama offenbar noch nicht beendet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sind nicht wir es?! die meinen sich überall auf der Welt alles erlauben zu dürfen? Haupsache es dient unseren Interessen? wird jetzt wieder Deutschland verteidigt?

  • Es wird Zeit das diese Steinzeitwesen durch die Internationale Gemeinschaft in ihre Grenzen gewiesen werden. Selber meinen die sie könnten sich überall auf der Welt alles erlauben, aber wenn sie dann selber auf berechtigte Gegenwehr stoßen drohen sie mit noch mehr Gewalt und sind beleidigt das nicht alle nach ihren "Pfeifen tanzen"
    Bedauerlich sind unschuldigen Opfer.

  • Habt ihr keine Hemmungen, diese "Terroristen" über die Maßnahmen zur Befreiung Unschuldiger zeitnah zu informieren?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%