Alkoholkonsum
OECD besorgt wegen „Komasaufen“

Weltweit ist Alkohol inzwischen die fünfthäufigste Ursache für Tod und Behinderungen. Er tötet mehr Menschen als Aids, Gewalt und Tuberkulose zusammengenommen. Der OECD macht besonders der Trend zum „Komasaufen“ Sorgen.
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ParisDie Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat sich besorgt über den Trend zum sogenannten „Komasaufen“ bei Jugendlichen geäußert. Die Mode des „binge drinking“ sei in den westlichen Industrienationen ein „besorgniserregendes Phänomen“ geworden, warnt die OECD in einem am Dienstag in Paris veröffentlichten Bericht und fordert gezielte Maßnahmen zum Kampf gegen Alkoholmissbrauch. Zwar sei in den 34 OECD-Mitgliedsländern der Alkoholkonsum seit 20 Jahren insgesamt leicht rückläufig, stellen die Experten fest. Gleichzeitig steige aber der übermäßige Konsum alkoholischer Getränke bei jungen Menschen, vor allem bei Frauen.

Als „binge drinking“ wird das rasche Trinken von fünf bis acht Gläsern bezeichnet – mit dem Ziel, schnell einen Rausch zu bekommen. Das Phänomen ist laut OECD darauf zurückzuführen, dass Alkoholgetränke in vielen Industriestaaten heute erschwinglicher und leichter verfügbar sind als früher und oftmals speziell für junge Konsumenten hergestellt und vermarktet werden. Dies habe möglicherweise dazu beigetragen, „die Haltung der jungen Generation gegenüber Alkohol zu verändern“.

Als politische Maßnahmen empfiehlt die in Paris ansässige Organisation unter anderem strengere gesetzliche Regeln für Alkoholwerbung und -verkauf, höhere Steuern auf alkoholische Getränke und die konsequente Durchsetzung von Promillegrenzen im Straßenverkehr. Helfen könnte auch frühe Aufklärung durch den Hausarzt bei Verdacht auf gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum. Alleine in Deutschland könnte ein solches Maßnahmenpaket nach Einschätzung der OECD zur Rettung von jährlich mehr als 44.000 Leben beitragen.

Weltweit ist Alkohol dem Bericht zufolge inzwischen die fünfthäufigste Ursache für Tod und Behinderungen – er tötet demnach mehr Menschen als Aids, Gewalt und Tuberkulose zusammengenommen. „Übermäßiger Alkoholkonsum verursacht weltweit massive Kosten für die Gesellschaft und die Wirtschaft“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurrìa bei der Vorstellung des Berichts.

Laut Statistik konsumiert im OECD-Raum jeder über 15-Jährige im Schnitt 9,1 Liter reinen Alkohol – das entspricht mehr als 100 Flaschen Wein oder gut 200 Litern Bier. In Wirklichkeit dürfte der jährliche Pro-Kopf-Konsum laut OECD aber bei mehr als 10 Liter reinem Alkohol liegen, weil nicht jedes Glas statistisch erfasst wird. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 6,2 Litern. Deutschland gehört mit einem Mittelwert von 11 Litern reinem Alkohol pro Kopf zu den Ländern mit dem höchsten Verbrauch.

Wie in anderen Ländern entfällt auch in Deutschland der größte Teil des Alkoholkonsums auf eine relativ kleine Gruppe von Vieltrinkern: 60 Prozent des Gesamtkonsums entfallen demnach auf die 20 Prozent der Vieltrinker. Jugendliche und junge Erwachsene gehören OECD-weit immer häufiger dazu: Für das Jahr 2010 gaben 43 Prozent der 15-jährigen Jungen und 41 Prozent der Mädchen an, schon einmal betrunken gewesen zu sein. Im Jahr 2002 waren es nur 30 Prozent bei den Jungen und 26 Prozent bei den Mädchen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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