Allianz gegen Gaddafi
Hilferuf der libyschen Rebellen

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Washington/TripolisLaut US-Medien könnte die libysche Opposition den Westen um Hilfe bitten.

Libysche Oppositionelle könnten im Machtkampf nach US-Medienberichten den Westen um Luftangriffe auf wichtige Militäreinrichtungen von Staatspräsident Muammar al-Gaddafi bitten. Dies berichteten die „New York Times“ und die Washington Post“ am Dienstag online unter Berufung auf mehrere Mitglieder des Revolutionsrates. Darüber werde in dem Gremium diskutiert.

Die „New York Times“ sieht in diesen Überlegungen ein Zeichen für die wachsende Frustration bei den Rebellenführern, dass sich Gaddafi weiter an die Macht klammern kann. Wie beide Zeitungen schreiben, sollten die Luftangriffe unter dem Banner der Vereinten Nationen geflogen werden. Der Sprecher des Rates, Hafis Ghoga, sagte nach den Angaben der „New York Times“ „Wenn es im Rahmen der Vereinten Nationen stattfindet, ist das keine ausländische Intervention.“

Eine ausländische Interventionen lehnen die Regimegegner ab. Der Rat besteht aus Anwälten, Akademikern, Richtern und anderen prominenten Mitgliedern der Gesellschaft. Bisher gebe es keine Anzeichen, dass die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates einer solchen Anfrage stattgeben würden. Nach Angaben der „Washington Post“ haben die Rebellen erkannt, dass sie der Feuerkraft des Gaddafi-Anhänger nicht Gleichwertiges entgegensetzen können. Ohne die Hilfe von außen könnte der Kampf sehr lange dauern und vielen Menschen das Leben kosten. „Die beiden Seiten sind nicht ebenbürtig“, sagte ein Anwalt, der dem Gremium in Bengasi nahe steht.

Die „New York Times“ schrieb, die Diskussionen innerhalb der Rebellenbewegung verdeutlichten auch, dass die Oppositionellen keine guten Optionen mehr hätten.

Gleichzeitig wollen abtrünnige libysche Soldaten Gaddafi mit einer Einheitsfront angreifen. „Sämtliche Militärräte des Freien Libyens kommen zusammen, um einen vereinigten Militärrat zu bilden, der einen Angriff auf Gaddafis Sicherheitseinheiten, Milizen und Söldner planen soll“, sagte der Rebellen-Offizier Faris Swei am Dienstag. Die neue Allianz will allerdings zunächst abwarten, ob sich Gaddafis Gegner selbst durchsetzen könnten.

„Wir wollen jeder Stadt die Ehre lassen, sich selbst zu befreien. Wenn sich das verzögert, werden wir eingreifen“, sagte der Hauptmann vor Journalisten auf einem Militärstützpunkt in Adschdabija im Osten Libyens, den die Rebellen kontrollieren.

Die US-Regierung will bislang keine Truppen gegen den libyschen Machthaber einsetzen, strebt aber laut Außenministerin Hillary Clinton möglicherweise eine Strafverfolgung Gaddafis wegen des Lockerbie-Attentats an. Sie werde das Justizministerium und die Bundespolizei FBI bitten, das Thema zu prüfen, sagte Clinton am Dienstag vor dem Kongress. Mehrere ehemalige libysche Behördenvertreter hatten erklärt, Gaddafi habe den Anschlag mit 270 Toten im Jahr 1988 persönlich angeordnet.

Saif al-Islam Gaddafi, einer der Söhne und rechte Hand des Diktators, hat am Dienstag dagegen Vorwürfe zurückgewiesen, die libysche Luftwaffe habe Angriffe gegen demonstrierende Zivilisten geflogen. Libyen werde Ermittler aus egal welchem Land willkommen heißen, um die jüngsten Ereignisse zu untersuchen, sagte Saif al-Islam Gaddafi in einem Interview mit dem britischen Fernsehsender Sky News.
Den Vereinten Nationen, den USA und Großbritannien warf er vor, sich in die internen Angelegenheiten seiner Heimat einzumischen. Das libysche Volk sei vereint, betonte der Gaddafi-Sohn. Mehrere ausländische Politiker haben wegen der Gewalt in Libyen eine Flugverbotszone ins Gespräch gebracht, um Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung zu verhindern. Es gebe aber keinerlei Beweise dafür, dass Zivilisten beschossen worden seien, sagte Saif al Islam Gaddafi in dem in Tripolis geführten Interview.

Die USA verlegen wegen der Kämpfe in Libyen zwei Landungsschiffe und Hunderte Marineinfanteristen ins Mittelmeer. Dort könnten sie falls nötig bei Evakuierungen helfen und humanitäre Hilfe leisten, sagte Verteidigungsminister Robert Gates am Dienstag. Der US-Generalstabschef Admiral Mike Mullen wies darauf hin, dass sein Regierung alle denkbaren Optionen prüfe, aber noch keine Entscheidung getroffen habe.
Ägyptische Behörden teilten mit, die Landungsschiffe „Kearsarge“ - mit bis zu 2000 Marineinfanteristen an Bord - und „Ponce“ sollten in der Nacht zum Mittwoch in den Suez-Kanal in Richtung Mittelmeers einfahren. Am Montag hatte der Zerstörer „Barry“ bereits diese Strecke zurückgelegt. Die US-Regierung hatte bereits angekündigt, Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge näher an Libyen zu verlegen. Experten halten es für unwahrscheinlich, dass die USA militärisch eingreifen, auch wenn die Regierung keine Option ausgeschlossen hat.

Agentur
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  • "Laut US-Medien könnte die libysche Opposition den Westen um Hilfe bitten."

    Klar doch. Wenn es um Oel geht, lassen sich vmtl. auch gefluesterte oder vermutete "Hilfsbitten" nur schwer ausschlagen.
    Und, es waere sicher auch fuer "Demokratie, u.s.w.", und, wer weiss, wenn nicht sogar, mglw. auch zur Abwehr von "weapons of mass destruction" sowieso unabdingbar.

    Akt. liegen d. Preise/Barrel bei ~100 bis 115,5US$. So manch "Bitte der liby. Oppositon" wird da sicher "immer lauter vernehmlich".

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