Alltag nach dem Beben
China schränkt wieder Freiheiten ein

Offenbar ist es chinesischen Soldaten gelungen, Wasser aus einem riesigen durch das Erdbeben entstandenen Stausee abzulassen. Eine der Nachrichten, die noch durch die Zensur dringt. Denn die scheint wieder verschärft worden zu sein.

HB CHENGDU. Die bislang ungekannte Offenheit der chinesischen Regierung nach dem verheerenden Erdbeben scheint nur von kurzer Dauer zu sein. Wurden die chinesischen Behörden bislang in ausländischen und inländischen Medien für ihre Transparenz gelobt, so tauchen allmählich wieder vermehrt Berichte über Einschränkungen der Pressefreiheit auf. "Die ausländische Presse hat die Regierung zu optimistisch gesehen", sagt Ran Yunfei. Der Herausgeber eines Magazins in Chengdu weist das Behörden-Lob scharf zurück: "Zunächst waren sie nicht fähig, die Lage zu kontrollieren. Aber nun kehrt diese Fähigkeit zurück."

Im Vorfeld der Olympischen Spiele hatte die Regierung in Peking eine uneingeschränkte Berichterstattung versprochen. Doch vor allem einheimische Reporter haben unter den neuerlichen Einschränkungen zu leiden. Sie erzählen, dass ihnen von den Behörden Leitfäden zur Berichterstattung aus dem Katastrophengebiet gegeben wurden. Anstatt objektiv über das Unglück berichten zu dürfen, sollen sie sich vor allem auf Heldengeschichten konzentrieren, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Negatives solle nicht veröffentlicht werden.

Um dies zu unterstreichen, begannen Soldaten in der am schwersten betroffenen Provinz Sichuan vergangene Woche damit, die Straßen nach Dujiangyan und Juyuan abzuriegeln. In beiden Städten stürzten in Folge des Bebens mehrere Schulgebäude ein. Hunderte Kinder kamen in den Trümmern ums Leben. Doch als die trauernden Eltern die minderwertige Bauweise der Gebäude für die Katastrophe mitverantwortlich machten, versperrten die Behörden der Presse den Zutritt zu den Betroffenen. Journalisten von zwei regierungskritischen chinesischen Zeitungen wurden sogar aus der Gegend abgerufen, wie es weiter hieß. Einige Reporter zeigen sich dennoch kritisch und führen die schlechte Bauweise der Schulen auf Korruption zurück. Doch damit riskieren sie ihren Job oder sogar eine Gefängnisstrafe.

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