Alpenrepublik: In der Schweizer Regierung haben Frauen die Oberhand

Alpenrepublik
In der Schweizer Regierung haben Frauen die Oberhand

Es ist ein politischer Zufall und zugleich revolutionär: Mit Simonetta Sommarugas Wahlsieg sitzen erstmals mehr Frauen als Männer in der Schweizer Regierung – und das, obwohl Frauen dort erst seit 1971 das nationale Stimmrecht genießen. Was die Frauenmehrheit bedeutet.
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ZÜRICH. Die Schweizer Konkordanzdemokratie zeichnet sich nicht gerade durch historische Machtwechsel aus. Meist werden in der Allparteienregierung nur die Plätze getauscht.

Bei den gestrigen Neuwahlen zum Bundesrat ereignete sich jedoch etwas Revolutionäres: Die Frauen haben die Macht in der Alpenrepublik erobert. Und das, obwohl sie erst seit 1971 das nationale Stimmrecht genießen. Mit der 50-jährigen Simonetta Sommaruga zieht die vierte Frau in die siebenköpfige Schweizer Regierung ein. Eine weibliche Mehrheit gibt es in Europa bislang nur in Finnland.

Wer jetzt allerdings eine feministische Revolution erwartet, sieht sich getäuscht. Die Frauenmehrheit ist mehr ein politischer Zufall. Als kompetente Sozialdemokratin (SP) führte an Sommaruga kein Weg vorbei. Zumal ihre Wahl vorab mit den Freisinnigen (FDP) und Christdemokraten ausgekungelt war. Im Gegenzug wählten die Schweizer Sozis den liberalen Wirtschaftsfachmann Johann Schneider-Ammann.

Die Neuwahlen waren nötig geworden, da SP-Verkehrs- und Infrastrukturminister Moritz Leuenberger und Finanzminister Hans-Rudolf Merz von der FDP nach langen Jahren im Amt ihren Rücktritt erklärt hatten. Das weibliche Quartett wird durch Bundespräsidentin Doris Leuthard, Außenministerin Michelle Calmy-Rey und Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf komplettiert.

Ob die Amazonen ihre Mehrheit lange halten können, ist allerdings zweifelhaft. Im nächsten Jahr sind in der Schweiz Parlamentswahlen. Die 65-jährige Calmy-Rey wird vermutlich vorher noch zurücktreten. Und die Wiederwahl von Widmer-Schlumpf ist fraglich, da sie mit ihrer konservativen Splitterpartei BDP nicht über genügend politischen Rückhalt verfügt.

Bundesrätin Sommaruga wird das kaum stören. Auf ihrer Agenda steht vor allem der Verbraucherschutz. Außerdem zeichnet sich die ausgebildete Pianistin durch hohe Sachkenntnis in der Finanzpolitik aus. Welches Ressort sie übernehmen wird, ist noch unklar.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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