Als Taten Einzelner bezeichnet
Koran-Entweihungen beschäftigen USA weiter

Die US-Regierung hat die Fälle von Koran-Entweihungen durch US-Soldaten als die Taten Einzelner bezeichnet. Gleichzeitig räumte das US-Militär erstmals ein, dass im Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba ein Koran „aus Versehen“ mit Urin bespritzt worden ist.

HB WASHINGTON. Diese Details und vier weitere Fälle von Koran- Entweihungen dokumentierte Brigadegeneral Jay Hood in einem Bericht, den das für Guantánamo zuständige Südkommando am Freitagabend in Miami veröffentlichte. Die Untersuchung war nach einem Aufsehen erregenden und später zurückgezogenen „Newsweek“-Artikel anberaumt worden. Präsidentensprecher Scott McClellan sprach von „isolierten Einzelfällen“. US-Soldaten seien „den höchsten Maßstäben verpflichtet, einschließlich, wenn es um Respekt und Schutz der religiösen Freiheit geht“.

Die Untersuchung habe in fünf Fällen Anhaltspunkte ergeben, dass der Koran respektlos gehandhabt wurde, berichtete Hood. Der Abscheu erregendste Fall ereignete sich im März dieses Jahres. Ein Wachsoldat hatte in der Nähe eines Luftschachtes uriniert. Der Wind habe den Urin durch den Schacht in den Zellblock getragen. Dort seien ein Gefangener und sein Koran beschmutzt worden. Der Gefangene habe neue Kleidung und einen neuen Koran erhalten. Der Soldat sei versetzt worden und habe danach keinen Kontakt mehr mit Gefangenen gehabt.

In einem anderen Fall waren Ausgaben des Korans nass geworden, weil Soldaten nachts mit Wasserballons warfen. In zwei Fällen war auf Koran-Ausgaben getreten worden. In der englischen Ausgabe eines Korans war eine obszöne Bemerkung an den Rand gekritzelt. Das könne auch der Gefangene selbst geschrieben haben, betonte Hood.

Für den in dem „Newsweek“-Artikel enthaltenen Vorwurf, der unter Muslimen Empörung ausgelöst und zu gewalttätigen Demonstrationen mit 17 Toten geführt hatte, fand Hood keine Anhaltspunkte. Nichts weise darauf hin, dass Wachen jemals einen Koran die Toilette heruntergespült hätten. Vielmehr habe ein Gefangener selbst versucht, dies zu tun. Hood dokumentierte 14 weitere Fälle, in denen Gefangene das ihnen heilige Buch entweihten. Einer habe auf das Buch uriniert, ein anderer habe Seiten herausgerissen.

Über den Toiletten-Vorwurf hatte „Newsweek“ Anfang Mai berichtet. Nach den Demonstrationen und scharfer Kritik aus dem Weißen Haus zog die Zeitschrift den Artikel zurück, weil der Beamte, auf dessen Aussage sich ein Reporter bezogen hatte, bei Nachfragen vage blieb. Die Zeitschrift stellte aber klar, dass sie das nicht als Beweis sah, dass der Vorfall nie stattgefunden hatte. So hatte mindestens einer aus Guantánamo entlassene Gefangene berichtet, Wachen hätten den Koran die Toilette hinuntergespült. Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld taten solche Aussagen als unzuverlässig ab, weil diese Menschen Amerika ohnehin hassten.

Das US-Militär hält auf dem Stützpunkt rund 550 Männer unter Terrorverdacht fest. Die meisten wurden 2001 und 2002 in Afghanistan und im Irak festgenommen. Sie werden dort unter weltweitem Protest ohne Anklage festgehalten. Mehrere Dutzend wurden inzwischen freigelassen. Die USA betrachten die Männer als „gesetzlose Kämpfer“, denen kein Schutz als Kriegsgefangene zusteht. Einige sollen vor ein Militärtribunal gestellt werden.

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