Als Urlauber in Griechenland
„Wir haben noch Hoffnung“

Unser Autor macht Urlaub in Thrakien. Wenn er mit den Menschen spricht, dann spürt er, wie sehr die Griechen hoffen, dass ihr Land im Euro bleibt. Für den Chef des Tourismusverbandes wäre ein Grexit „absoluter Irrsinn“.
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XanthiUm vorweg gleich einmal zwei Befürchtungen zu zerstreuen. Erstens: Noch fließen die Euros, bei einer spontanen Abhebung bei einer Bank in Xanthi gab es keine Probleme. Und zweitens: Es scheint im ganzen Land nicht einmal den Hauch von Deutschenfeindlichkeit zu geben. Wann immer ich mich als Deutscher zu erkennen gebe, werde ich freundlich, wenn nicht gar überschwänglich begrüßt. „Fühlt Ihr Euch wohl bei uns, habt Ihr alles, was Ihr braucht?“, fragt etwa die Rezeptionistin des einfachen Hotels „Zaliki“ in Thessaloniki.

Sie bemerkt mein Erstaunen ob der Frage und sagt: „Wir haben doch nichts gegen Euch, nur weil unsere Regierung mit Merkel im Clinch liegt.“ Und weiter: „Wir wollen, dass Ihr Euch bei uns wohlfühlt. Der Tourismus ist doch unsere wichtigste Einnahmequelle.“

Diese spontane Unterhaltung zeigt, wie sehr die seit sechs Jahren andauernde Krise die Menschen beschäftigt. „Natürlich machen wir uns Sorgen“, sagt Giannis, Lehrer für Altgriechisch an einem Gymnasium in Xanthi im Bezirk Thrakien. „Aber wir haben immer noch Hoffnung, dass die Verhandlungen zwischen Athen und Brüssel zu einem guten Ende führen werden.“

Danach sieht es momentan nicht aus. Am Wochenende scheitere die bislang letzte Verhandlungsrunde, am Dienstag kündigte der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis an, erstmal keine neue Reformliste vorlegen zu wollen. Die Vorstellungen zwischen der griechischen Regierung und den Gläubigern von Internationalem Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und der EU wie eine Lösung in der Schuldenkrise aussehen könnte liegen immer noch weit auseinander.

Doch viel Zeit bleibt nicht mehr. Am 30. Juni läuft das schon zweimal verlängerte Hilfsprogramm für Griechenland aus. Um eine Auszahlung der verbliebenen 7,2 Milliarden Euro aus dem Rettungsprogramm zu ermöglichen, müssten die Euro-Finanzminister aber schon auf ihrer Sitzung an diesem Donnerstag grünes Licht geben. Es blieben dann noch zwölf Tage, um zunächst die wichtigsten Reformgesetze durch das griechische Parlament zu bringen – und um danach auch die anderen nationalen Parlamente wie den Bundestag für die Auszahlung weiterer Hilfsmilliarden einzubinden.

Kommentare zu " Als Urlauber in Griechenland: „Wir haben noch Hoffnung“"

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  • Das süße Gift des billigen Geldes entfaltet seine angenehme Wirkung zuerst , genau wie der Alkohol . Der Kater kommt später . Dann war es der Wirt schuld , weil er mir den Alkohol in seiner Geldgier ja verkauft hat . Logo !

  • Guter Artikel , darf kopiert werden ? für die Kanzlerin !

  • Nein , aber ich weiß warum ! .... und das ist doch schon was , oder ?

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