Am Donnerstag wird der Präsidentschaftskandidat seine große Rede halten
Herausforderer mit altbewährtem Programm

Bill Clinton steht auf dem Podium, lächelt und greift an. „Die Republikaner waren ja während meiner Amtszeit alles andere als zimperlich“, leitet er seine Attacke ein. „Aber mit ihren Steuersenkungen haben sie mir und allen anderen Spitzenverdienern eine Wohltat erwiesen, nur: Die muss von Millionen Arbeitnehmern bezahlt werden, das ist nicht fair.“

BOSTON. Mehr als 4 000 Delegierte springen von ihren Sitzen, frenetischer Applaus brandet auf wie bei einem Pop-Konzert. Bill Clinton – Expräsident, Altstar der Demokraten und Meister der filigranen Rhetorik – hat zum Auftakt des Parteitags im Bostoner Fleet-Center am Montagabend die Stimmung im Saal genau getroffen.

Die Melodie von der „Spaltung Amerikas“ kommt an. Clinton gibt sich im Ton zwar gemäßigt: Doch fast jeder Satz zielt auf einen Vergleich zwischen der Boom-Ära der 90er-Jahre und der Wirtschaftspolitik unter George W. Bush. So verweist Clinton auf den Haushaltsüberschuss von 128 Mrd. Dollar aus dem Jahr 2001 und stellt ihn dem auf rund 450 Mrd. Dollar geschätzten Defizit für 2004 gegenüber. Immer wieder unterbrechen die Delegierten die Ansprache mit Ovationen. Wie kein anderer verkörpert die Partei-Ikone den demokratischen Traum von einer gerechteren Welt.

Damit hat Clinton den Boden für den Präsidentschaftskandidaten John Kerry bereitet, der am Donnerstagabend seine große Rede halten will. Dass Kerry sein wirtschaftspolitisches Programm fast nahtlos an das seines demokratischen Vorgängers Clinton anknüpft, ist beschlossene Sache. Seine Politik soll die Mittelschicht ansprechen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Mittelklasse stellt wirtschaftlich und politisch die Mehrheit in den USA und bestimmt somit auch über den nächsten Präsidenten.

So wirft der Herausforderer dem Präsidenten vor, die Mittelklasse mit seiner Politik zu „zerquetschen“. Bushs Steuersenkungen, so Kerry, würden vor allem den Reichen nützen. Im Gegensatz dazu müssten die mittleren und unteren Einkommensschichten mit steigenden Gesundheitskosten und höheren College-Gebühren zurechtkommen. Kerrys Vize John Edwards wird das Thema am MIttwochabend mit seiner Warnung vor einer Teilung Amerikas in „Besitzende und Habenichtse“ variieren.

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