Am Eurotunnel
Weniger Fluchtversuche in Calais

„Deutlich weniger Störungen“: Nach dem Flüchtlingsdrama vor dem Eingang des Eurotunnels in Calais hat Frankreich die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Dennoch bleibe der „Druck durch die Migranten bestehen"“
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CalaisNach der Verstärkung des Sicherheitsaufgebots vor dem Eurotunnel im französischen Calais hat die Zahl der Fluchtversuche von Migranten durch den Tunnel nach Großbritannien deutlich abgenommen. In der Nacht zum Samstag seien etwa 300 Versuche von Flüchtlingen registriert worden, die Absperrungen zu überwinden, teilte die französische Polizei mit. Frankreichs Präsident François Hollande sprach mit dem britischen Premierminister David Cameron telefonisch über die Lage.

Rund um das Gelände des Eurotunnels, von dem die Züge abfahren, wurden nach französischen Angaben in der Nacht zum Samstag etwa 800 Flüchtlinge gezählt. In der Nacht zum Freitag hatte es noch etwa tausend Versuche gegeben, in den Tunnel zu gelangen.

Seit Wochen versuchen nahe Calais immer wieder hunderte Migranten, nachts zum Eurotunnel vorzudringen, um an Bord von Güterzügen nach Großbritannien zu gelangen, wo sie sich mehr Chancen ausrechnen. Die Behörden zählten im Verlauf der Woche teilweise pro Nacht 2000 abgewehrte Versuche, über die Zäune vor dem Eurotunnel zu gelangen – einige der Migranten unternehmen in einer Nacht mehrere Versuche.

Hunderte Polizisten und private Sicherheitsleute versuchen, sie vom riesigen Gelände um den Tunneleingang und von den Zügen fernzuhalten. Der Andrang der Migranten führt immer wieder zu Behinderungen im Zugverkehr.

Nachdem die französische Regierung zahlreiche zusätzliche Polizisten nach Calais geschickt hatte, sank der Andrang zuletzt. Zusätzlich zu den bereits vor Ort befindlichen 300 Polizisten entsandte Frankreich weitere 120 Beamte. Ein Eurotunnel-Sprecher erklärte, seither gebe es „deutlich weniger Störungen“. Am Freitag waren mindestens vier Busse mit Bereitschaftspolizisten vor dem Tunneleingang postiert.

Am Freitagabend gelang es gegen 20.00 Uhr einer ersten Gruppe von Flüchtlingen mit Beginn der Dunkelheit, den Tunnel zu erreichen. Sie wurden jedoch von der Polizei fortgeschickt. Weitere 150 Migranten wurden in der Nacht zurück nach Calais gebracht. In den meisten Fällen verstecken sich die Flüchtlinge anschließend und warten auf eine neue Gelegenheit.

„Ich habe es diesmal nicht zu der Station geschafft, es war sehr schwierig, es gab viel mehr Sicherheit als an den Tagen zuvor“, sagte der 20-jährige Reza aus Afghanistan. Ein 27-jähriger Flüchtling aus Eritrea sagte, in der Nacht zum Samstag habe es „keine Chance“ gegeben.

Aus Polizeikreisen hieß es, die Verstärkung der Einsatzkräfte habe zwar geholfen, dennoch bleibe der „Druck durch die Migranten bestehen“. Es sei weiterhin „eine schwierige Situation“.

In Calais leben den Behörden zufolge derzeit rund 3000 Flüchtlinge, die meisten von ihnen stammen aus Eritrea, Äthiopien, Afghanistan und dem Sudan, aber auch aus Syrien. Viele von ihnen leben in einem „Neuer Dschungel“ genannten improvisierten Lager rund sieben Kilometer vom Gelände des Eurotunnels entfernt. Bei ihren verzweifelten Versuchen, durch den Eurotunnel zu gelangen, verunglückten seit Anfang Juni zehn Migranten tödlich.

Frankreichs Präsident Hollande telefonierte am Freitagabend mit dem britischen Premierminister Cameron. Beide hätten sich „besorgt angesichts der unmittelbaren Herausforderungen bei der Sicherheit“ gezeigt und versichert, weiterhin eng zusammenzuarbeiten, „um die Probleme durch die illegale Einwanderung anzugehen“, hieß es aus Camerons Büro. Cameron hatte am Freitag „mehr Zäune“ und „mehr Spürhundestaffeln“ auf britischer Seite angekündigt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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