„Am Rande des Abgrunds“
Gewalt überschattet Steinmeiers Afghanistan-Mission

Noch kurz vor dem ersten Besuch von Frank-Walter Steinmeier in Afghanistan gab es im Süden des Landes heftige Gefechte, bei denen über 60 Taliban-Kämpfer getötet wurden. Das zeigt einmal mehr, welch heikle Mission der Bundesaußenminister vor sich hat.

HB KABUL/BERLIN. Die Internationale Schutztruppe ISAF teilte mit, zwischen 60 und 72 radikal-islamische Rebellen seien in der Nacht zum Sonntag ums Leben gekommen. ISAF-Soldaten seien nicht zu Schaden gekommen. Die Kämpfe im Distrikt Panjwayi waren die schwersten seit der Kommandoübernahme der ISAF im Süden vor drei Wochen und dauerten bis Sonntagmorgen an.

Steinmeier reiste am Sonntag von Berlin aus nach Afghanistan. Erste Station der aus Sicherheitsgründen vorher nicht offiziell angekündigten Reise ist die Hauptstadt Kabul. Geplant sind Treffen mit Präsident Hamid Karsai, mehreren Ministern sowie Vertretern der internationalen Gemeinschaft. Am Dienstag will Steinmeier die Bundeswehr-Feldlager in Mazar-i-Scharif und Kundus besuchen. Die Bundeswehr hatte im Juni das regionale ISAF-Kommando der für Nordafghanistan übernommen.

Bei seinem ersten Afghanistan-Besuch will Steinmeier deutlich machen, dass Deutschland sich trotz vieler Rückschläge bei der Befriedung des Landes langfristig in Afghanistan engagieren will. An den eingegangen finanziellen und militärischen Zusagen will Berlin festhalten. Der Außenminister will die Regierung Karsai ermuntern, bei der politischen Stabilisierung des Landes mutiger voranzugehen.

Afghanistan erlebt derzeit die schlimmste Gewaltwelle seit dem Sturz der Taliban vor fast fünf Jahren. Es kommt fast täglich zu blutigen Zusammenstößen der ISAF mit Aufständischen und mit ihnen verbündeten Drogenbanden sowie zunehmend auch zu Selbstmordschlägen. In diesem Jahr wurden bislang etwa 1800 Menschen vor allem im Süden und Osten des Landes getötet, darunter über 80 ausländische Soldaten. Die rund 2850 deutschen ISAF-Soldaten sollen nicht im Süden und Osten stationiert werden. Der Bundestag muss im Oktober über die Verlängerung des deutschen ISAF-Mandats entscheiden.

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