Am Samstag starb der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan
Der kalte Krieger mit dem heißen Herzen

Geschichte wird oft geschrieben, wenn Ungeheuerliches gesagt wird in einfachen und dürren Worten. Solche Worte, wie sie der 76 Jahre alte Herr mit noch dunklen Haaren sprach, vor sich ein Rednerpult, hinter sich das Brandenburger Tor. „Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor!“ sagte US-Präsident Ronald Reagan am 12. Juni 1987 und blickte in Richtung Mauer und Stacheldraht. „Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!“ schob er nach.

WASHINGTON. Sein Ton war keineswegs schrill, sondern eher gedämpft. Das mochte am karamellweichen Timbre seiner Stimme gelegen haben, die sich der ehemalige Schauspieler in Hollywood antrainiert hatte.

Doch die Wirkung von Reagans Botschaft kam einem Donnerhall gleich. Die Fernsehanstalten rund um den Globus spielten immer wie-der den Reagan-Auftritt in Berlin ein. Jeder hatte verstanden: Der US-Präsident machte Ernst mit seiner Ankündigung, die Sowjetunion – das „Reich des Bösen“ – auf den „Müllhaufen der Geschichte“ zu katapultieren.

Die Invasion der Karibikinsel Grenada 1983 sowie die Bombardierung der libyschen Stadt Tripolis 1986 waren demnach nur Auftakt für die Abrechnung mit dem Kreml-System, dem der US-Präsident Aggression und Expansionslust vorgeworfen hatte.

Hinter Reagans kantiger Sprache standen kristallklare Ideen, die seine Anhänger „visionär“ und seine Gegner „grobschlächtig“ nannten. Der Kampf gegen den Kommunismus war für ihn ein ideologischer Kreuzzug zwischen Freiheit und Unterdrückung, der nur ein Rezept kannte: eiserne Härte. Verhandlungen lehnte der Chef des Weißen Hauses als Irrweg ab, Diplomatie wies er als Sackgasse mit dem Namen „Appeasement“ zurück. Mit einer Aufrüstungspolitik ohnegleichen pumpte Reagan Milliarden Dollar in die Entwicklung neuer Waffensysteme. Das Projekt eines Raketen-Schutzschildes im Weltraum – „Star Wars“ – wurde zum Sinnbild des finalen Wettlaufs um die Vormacht zwischen der westlichen Welt und ihrem östlichen Gegenpart.

„Reagan rüstete die Militärmacht der USA auf, um die sowjetische Wirtschaft zu ruinieren, und er hat dieses Ziel erreicht“, kommentierte der frühere Sprecher des sowjetischen Außenministeriums, Gennadi Gerassimow. Weltweit rühmen Konservative den US-Präsidenten als mutigen Staatsmann, der den Kommunismus letztendlich zu Fall brachte, den Kalten Krieg beendete und die deutsche Wiedervereinigung ermöglichte.

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