Amazon, Apple & Co: Rezepte gegen die Steuertricks der Multis

Amazon, Apple & Co
Rezepte gegen die Steuertricks der Multis

Sie verdienen viele Milliarden, zahlen aber kaum Steuern: Globale Konzerne nutzen legale Steuerschlupflöcher. Die Top-Wirtschaftsmächte tun sich schwer, dass zu ändern. Dabei gibt es Möglichkeiten, dagegen vorzugehen.
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BerlinDas Thema ist so brisant, dass sich nunmehr auch die führenden Wirtschaftsmächte damit auseinandersetzen. Es geht um multinationale Konzerne, die trotz hoher Gewinne Milliarden an Steuern sparen, da sie dank komplizierter Firmenkonstrukte weltweit legale Schlupflöcher nutzen. Das Problem ist der Politik schon lange ein Dorn im Auge. Doch jetzt erst rückt es auf die große Agenda. Beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), das heute und morgen in Moskau stattfindet, ist die Besteuerung internationaler Großkonzerne ein wichtiges Thema.

In der G20 pochen vor allem Deutschland, Großbritannien und Frankreich auf strengere Regeln. Im November hatten Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und sein britischer Amtskollege George Osborne eine Initiative für eine konzertierte internationale Zusammenarbeit gestartet, um Gewinnverlagerungen zu vermeiden, Lücken zu schließen und das Steueraufkommen zu sichern. Passiert ist seitdem nur so viel, dass die Industrieländer-Organisation OECD im Auftrag der G20 eine Studie zu dem Thema erstellt hat, dass den Handlungsbedarf noch unterstreicht. Allerdings stellen die Experten auch nüchtern fest, dass nur globale Ansätze dauerhaft verhindern könnten, dass Steuersysteme multinationale Unternehmen bevorzugen und kleine Betriebe sowie die Bürger das Nachsehen haben.

Damit liegt der Ball wieder im Feld der Politik, die sehen muss, mit welchen Rezepten sie den Steuertricksern das Wasser abgraben will. Dabei gibt es Möglichkeiten. Die internationale Gemeinschaft muss nur wollen. Darauf weist der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, hin. Er hält ein wirksames Vorgehen gegen Steuerschlupflöcher für möglich, wenn die führenden Wirtschaftsmächte geschlossen agieren. Ansonsten sei die „ärgerliche und kaum bezwingbare“ moderne Form der Steuervermeidung durch die sogenannte Download-Industrie nicht in den Griff zu bekommen, sagte Eigenthaler Handelsblatt Online.

„Hier muss es internationale Regeln geben und eine international festgelegte Fixierung einheitlicher Steuersätze“, betonte er. Wichtig sei ihm, dass es nicht nur die Unternehmen sind, die Interessen hätten, sondern eben auch die betroffenen Staaten. „Daher muss das Problem von dort gelöst werden“, sagte der Gewerkschafter. „Eine Möglichkeit ist, die bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen um diese Download-Problematik zu erweitern.“ Jeder Staat habe ein Interesse an solchen Abkommen, so dass man das als Hebel benützen könne.

Hintergrund ist, dass multinationale Konzerne trotz hoher Gewinne Milliarden an Steuern sparen, da sie dank komplizierter Firmenkonstrukte weltweit legale Schlupflöcher nutzen. Sie schieben Gewinne für Geschäfte außerhalb ihrer Heimat über Staatsgrenzen hin und her, bis kaum noch etwas an den Fiskus abgeführt werden muss. Profiteure sind vor allem globale Technologiekonzerne. So wurden bei Apple zuletzt auf den außerhalb der USA verbuchten Gewinn von 36,8 Milliarden Dollar (27,4 Milliarden Euro) nur 1,9 Prozent Steuern fällig. In Deutschland zahlen selbst Mittelständler fast das Fünfzehnfache.

Kommentare zu " Amazon, Apple & Co: Rezepte gegen die Steuertricks der Multis"

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  • Nicht nur die Multis!

    Millionen von € werden in Europa(u.a. Spanien Festland, Balearen, Kanaren, ect.) von dem Privatmann/-Frau mit "Schwarzvermietung" von Ferienimmobilien hinterzogen!


    Private sowie institutionelle Anleger tun's!

    Wer traut sich an diese Steuereinnahmequelle ran?

  • @Luzifer:

    Danke! Die Auswürfe neoliberal verblendeter Kommentatoren muss jeden halbwegs intelligenten Menschen schmerzen.

  • Ich habe schon viele dämliche Kommentare lesen dürfen, dieser spielt in der Bundesliga ! Nebenbei bemerkt, als Finanzbeamter habe ich ein bisschen Ahnung von der Materie !

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