Amerika-Gipfel
Chávez reicht Obama die Hand

US-Präsident Barack Obama revolutioniert die Beziehungen der USA zu den übrigen Ländern des Doppelkontinents Amerika. Von verfehlter Politik und einem Neuanfang spricht Obama beim Gipfeltreffen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in Trinidad. Das kommt gut an. Selbst der harsche US-Kritiker, Venezuelas Präsident Hugo Chávez, ist beeindruckt und zeigt dies in einer ungewöhnlichen Geste.

HB PORT-OF-SPAIN. "Ich will dein Freund sein", sagte Chávez am Freitag nach Angaben seines Pressebüros. Der Präsident des ölreichen südamerikanischen Landes begrüßte Obama zum Auftakt des Gipfels und reichte dem US-Präsidenten die Hand - eine Geste, die er dem Vorgänger Obamas, George W. Bush, nicht mehr angeboten hätte. Nach der Begrüßung sagte Chávez zu Reportern: "Präsident Obama ist ein intelligenter Mann, anders als sein Vorgänger." Ein US-Regierungsvertreter sprach von einer normalen Vorstellung unter Staatschefs.

Chávez gilt als Freund Kubas und hatte die USA, vor allem Bush, regelmäßig heftig kritisiert. Er hatte den USA vorgeworfen, ihn aus dem Amt drängen zu wollen. Zudem verwies er den US-Gesandten in Caracas im September des Landes. Im März noch nannte Venezuelas Präsident Obama einen "Dummkopf", nachdem dieser gesagt hatte, Chávez stehe dem Fortschritt in Lateinamerika im Wege.

Obama kündigte bei dem Treffen der amerikanischen Staatschefs einen Neuanfang in den Beziehungen seines Landes zu Lateinamerika und der Karibik an. "Wir dürfen nicht verharren, weil es in der Vergangenheit Streitigkeiten gab", sagte der Präsident und versprach den übrigen OAS-Mitgliedsländern eine "gleichberechtigte Partnerschaft". Auch zum kommunistischen Nachbarn Kuba strebe die USA bessere Beziehungen an, erklärte Obama. Die US-Regierung sei bereit, mit dem Inselstaat über zahlreiche Themen wie Menschenrechte, Migration sowie Drogen- und Wirtschaftsprobleme zu sprechen.

"Ich weiß, dass es nach Jahrzehnten des Misstrauens ein langer Weg ist, aber wir können entscheidende Schritte für einen Neuanfang gehen", sagte er. Vor dem Treffen der OAS, der Kuba nicht angehört, hatte sich bereits der kubanische Präsident Raul Castro zu Gesprächen mit den USA über alle politischen Streitfragen bereiterklärt.

Obama hat das bestehende US-Embargo gegen Kuba kürzlich gelockert. Kuba war 1962 aus der Organisation ausgeschlossen worden, da die Revolution Fidel Castros als unvereinbar mit den OAS-Zielen angesehen wurde.

Obama versprach den Partnerstaaten in der OAS einen neuen Politikstil der USA, geprägt von größerem Pragmatismus und weniger Arroganz. "Wir haben uns manchmal abgekoppelt, und manchmal wollten wir unsere Bedingungen diktieren", sagte der Präsident in seiner Rede. Künftig solle es hingegen keinen Seniorpartner und keinen Juniorpartner im Verhältnis der USA zu den anderen OAS-Staaten geben.

Der OAS-Vorsitzende José Miguel Insulza forderte die Wiederaufnahme Kubas in die Organisation. Die OAS-Vollversammlung solle schon im Mai darüber befinden. Die Staats- und Regierungschefs der OAS beraten bis Sonntag über die Wirtschaftskrise und andere drängende Probleme des Kontinents. Bei dem Gipfeltreffen in Port-of-Spain sind die Staatschefs der 34 Mitgliedsstaaten der OAS zusammengekommen.

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