Amerika-Gipfel mit Kuba und USA
Warten auf den historischen Handschlag

Kurz vor Start des Amerika-Gipfels gehen die USA und Kuba nach mehr als 50 Jahren politischer Eiszeit aufeinander zu. Doch ein anderer Staat macht Ärger. Statt des lang erwarteten Händedrucks fliegen die Fäuste.
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Panama-StadtZuerst waren die Außenminister dran. John Kerry und Bruno Rodríguez setzten die historische Annährung zwischen Kuba und den USA schon vor Beginn des Amerika-Gipfels in Panama fort. Sie trafen sich am Donnerstagabend zu einem Meinungsaustausch in einem Hotel. Es war das erste bilaterale Gespräch seit 1958 zwischen zwei Außenmistern der beiden bis vor kurzem verfeindeten Staaten. Was gesprochen wurde, drang nicht nach draußen.

Das zweitägige Treffen findet eine bisher unbekannte mediale Aufmerksamkeit. Mehr als 2000 Journalisten aus der ganzen Welt berichten von dem Gipfel. Die Sicherheitsmaßnahmen sind drastisch. Polizei und Militär patrouillieren die Straßen der panamaischen Hauptstadt, Teile der Metropole sind gesperrt.

Doch die ganz große Geste für die Kameras wird wohl ausbleiben: Die Präsidenten Barack Obama und Raúl Castro an einem Tisch, sich die Hand gebend und gemeinsam über Themen wie Armut, Drogen und Wirtschaft in der Region diskutierend – nur wenige politische Beobachter halten so etwas für möglich, solange in Kuba die Castros an der Macht sind. Auf der Agenda stehe ein solches bilaterales Treffen zwischen den beiden Präsidenten nicht, erklärte im Vorfeld auch die für Lateinamerika zuständige US-Vize-Außenministerin Roberta Jacobson.

Kurz zuvor war aber immerhin bekannt geworden, dass das Washingtoner Außenministerium nach längerer Prüfung Präsident Barack Obama empfiehlt, Havanna von der Liste der Terror-Unterstützer zu nehmen. Dies sei ein wichtiger Schritt bei der im Dezember eingeleiteten Annäherung an den sozialistischen Karibikstaat, betonte der demokratische Senator Ben Cardin in einer Mitteilung.

Auf der Terrorliste der USA stehen derzeit neben Kuba der Iran, Syrien und der Sudan. Die Regierung in Havanna macht die Eliminierung von der Liste zur Voraussetzung für die Wiederherstellung voller diplomatischer Beziehungen und die Wiedereröffnung von gegenseitigen Botschaften.

Zu dem Treffen der amerikanischen Staaten, das am Freitag beginnt und am Sonnabend endet, sind 35 Staats- und Regierungschefs der Region eingeladen. Kuba ist zum ersten Mal dabei. Der sozialistische Karibikstaat und die USA hatten Mitte Dezember überraschend eine Normalisierung ihrer Beziehungen nach mehr als 50 Jahren angekündigt.

Der Gipfel unter dem Motto „Wachstum mit Gerechtigkeit“ findet in einem Moment großer Unruhe in der Region statt. Zum einen hat sich der Konflikt zwischen Venezuela und den USA verschärft, nachdem Washington das südamerikanische Land zu einer nationalen Bedrohung erklärt und Sanktionen gegen sieben Funktionäre verhängt hatte.

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  • Die Sicherheitsmaßnahmen sind drastisch. Polizei und Militär patrouillieren die Straßen der panamaischen Hauptstadt, Teile der Metropole sind gesperrt.
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    Immer wieder lese ich mit Freude, wie die demokratisch gewählten Regierungen doch Nähe zu ihren Wählern zeigen und von denen geliebt und geschätzt werden.

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