Amerikaner, Briten, Franzosen und Deutsche wollen ihren Streit über den Irak in den Hintergrund rücken
Bush setzt auf eine Charme-Offensive

Frühere Gegner und Befürworter des Irak-Krieges wollen die bevorstehende Serie internationaler Gipfeltreffen für eine demonstrative Wiederannäherung nutzen. Den Auftakt machen dabei die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie. Weil die Gedenkfeier einen festlichen Rahmen und einen unproblematischen historischen Bezugspunkt bietet, wird das Treffen deshalb als ideales „Aufwärmtreffen“ angesehen.

bac/ali/ink PARIS/WASHINGTON. Gerade die schärfsten Gegner im Irak-Streit, Frankreich und die USA, wollen die Feierlichkeiten dazu nutzen, die historische Freundschaft zwischen beiden Ländern in den Vordergrund und die aktuellen Streitereien über den Irak nach hinten zu rücken. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac hatte deshalb am Mittwoch betont, er habe sich nie mit US-Präsident George W. Bush zerstritten. Er wolle den USA bei seinem gemeinsamen Auftritt mit dem US-Präsidenten auf dem US-Soldatenfriedhof in Colleville eine Botschaft der „Freundschaft und Anerkennung“ übermitteln. Anti-Bush- Demonstrationen sollen möglichst unterbunden werden.

Und Bush seinerseits umwarb Chirac, der während der Vorbereitung des Irak-Krieges in Washington als rotes Tuch galt, mit einer ungewöhnlichen Charme-Offensive. „Jacques“ und er hätten ihre Meinungsunterschiede über die Irak-Invasion „wie unter Freunden“ ausdiskutiert, betonte Bush vor der Abreise. Er sei niemals böse auf die Franzosen gewesen, fügte er hinzu. Auch in Richtung Berlin streckt der Präsident massiv die Friedensfühler aus: Die Gegner im Zweiten Weltkrieg, Deutschland und Japan, gehörten heute zu den „besten Verbündeten Amerikas“. Belohnt wird dies in Berlin durch eine sehr zurückhaltende Kritik an dem derzeitigen amerikanischen Irak-Kurs.

Die dick aufgetragenen diplomatischen Annäherungsversuche haben handfeste Gründe – die Schwierigkeiten der Amerikaner im Irak. „Wir wollen eine starke Uno-Resolution, die die Souveränität der neuen irakischen Regierung anerkennt“, unterstrich ein hochrangiger Mitarbeiter des Weißen Hauses. Angesichts der nicht abreißenden Gewalt im Irak brauchen die USA mehr denn je die politische und wirtschaftliche Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sagt es ganz unverblümt: „Der Geist zwischen Amerika und Frankreich ist gut – und ich gehe davon aus, dass dies Dividenden bringen wird.“

Chirac hat allen Grund, dem Treffen mit Bush entspannt entgegenzublicken: Seine Prognosen über die Risiken der Irak-Invasion haben sich bestätigt, und im Uno-Sicherheitsrat sind die USA auf Kooperation angewiesen. So bewegte sich die Bush-Regierung bereits in der Irak-Frage auf Frankreich zu und besserte den Vorschlag für eine neue Irak-Resolution nach.

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