Amerikaner gedenken der Opfer vom 11. September 2001
El-Kaida-Vize droht mit neuen Anschlägen

Gedenken und neue Terrorwarnungen: Fünf Jahre nach den Anschlägen vom 11. September in New York und Washington haben die USA der knapp 3000 Toten gedacht. Zugleich rief der zweite Mann an der Spitze des Terrornetzwerks El Kaida, Eiman al- Sawahiri, zu neuen Anschlägen gegen amerikanische Ziele auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, im Anti-Terror-Kampf dürfe nicht allein auf Gewalt gesetzt werden.

HB NEW YORK/WASHINGTON. US-Präsident George W. Bush sprach von einem Tag, an dem sich seine Sicht der Welt dramatisch verändert habe. Am Ground Zero, wo die Zwillingstürme des World Trade Centers standen, verlasen die Angehörige am Montag die Namen der 2749 Opfer. Viele Angehörige trugen Bilder der Toten mit sich und legten Blumen in die Wasserbecken, die am Fundament der beiden Türme aufgebaut wurden. Mehrere kämpften dabei mit den Tränen. Zwei Schweigeminuten, um 8.46 Uhr und um 09.03 Uhr (Ortszeit), erinnerten an den Zeitpunkt, an denen die beiden Flugzeuge in die Zwillingstürme rasten.

Außenministerin Condoleezza Rice erinnerte an Hunderte Opfer aus mehr als 90 Ländern, die am 11. September 2001 getötet wurden. Die Anschläge seien ein Angriff auf die universellen Ideale von Frieden, Freiheit und Menschenrechten gewesen, sagte Rice in Washington. Dazu sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan: „Die Anschläge vom 11. September 2001 haben uns alle ins bis ins Mark getroffen, weil sie ein Angriff auf die Menschlichkeit waren.“ Er mahnte, auch die Opfer anderer Terroranschläge auf der Welt dürften nicht vergessen werden.

Bush hatte zu Beginn der Trauerfeierlichkeiten am Sonntagabend (Ortszeit) in New York zwei Kränze niedergelegt. Im Anschluss an die Gedenkfeier auf Ground Zero wollte Bush die Trauerfeiern an der Absturzstelle eines der damals gekaperten Flugzeuge in Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania und im Pentagon besuchen. Der Präsident verteidigte noch einmal die geheimen CIA-Gefängnisse im Ausland. Für Menschen, die nicht in den Vereinigten Staaten lebten, sei der 11. September nur ein „schlechter Tag“ gewesen. „Bei uns hat sich die ganze Haltung geändert“, sagte Bush dem US-Fernsehsender NBC. Seine Sicht der Welt habe sich an diesem Tag dramatisch verändert.

Es gebe Menschen, die das geheime CIA-Programm abschaffen wollten, sagte Bush. „Das macht überhaupt keinen Sinn.“ Man könne von ihm und seiner Regierung nicht erwarten, alles zum Schutz der Familien zu tun, wenn er nicht die dafür notwendigen Mittel bekomme. Man müsse Anschlagspläne vereiteln, bevor sie ausgeführt würden.

Bundeskanzlerin Merkel betonte dagegen, wichtig sei die Wahrung der Menschenrechte: „Unser Kampf gegen den islamistisch motivierten Terrorismus wird nur erfolgreich sein, wenn wir die demokratische und wirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Krisenregionen stärken und den Menschenrechten mehr Achtung verschaffen.“ Das Beispiel Afghanistan zeige zwar, dass in Einzelfällen militärische Mittel unvermeidlich seien. Aber auch im Anti-Terror- Kampf dürfe der Zweck nicht die Mittel heiligen.

Der El-Kaida-Vize Al-Sawahiri rief in einer Botschaft zum Jahrestag Muslime in aller Welt zu neuen Anschlägen gegen US-Ziele auf. In einer neuen Videobotschaft, die der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am Montag ausstrahlte, sagte der Ägypter außerdem, die westlichen Regierungen sollten „ihre Zeit nicht damit verschwenden, ihre Truppen im Irak und in Afghanistan zu verstärken, denn die Niederlage wird ohnehin ihr Schicksal sein“.

Nach Einschätzung des BND ist durch die umstrittene Irak-Politik der USA die Terrorgefahr seit den Anschlägen vom 11. September 2001 gestiegen. „Ich sehe den Irak-Krieg unter dem Gesichtspunkt Terrorbekämpfung schon als einen Fehler“, sagte Ernst Uhrlau, der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), dem ZDF. Denn Terroristen habe es vor dem Irak-Krieg in dem Land nicht gegeben.

Vor dem Pentagon nahmen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick Cheney an einer Zeremonie teil. Die Terroranschläge seien „persönlich“ gemeint gewesen. „Wir nehmen sie auch weiter persönlich“, sagte Cheney. Dort waren beim Aufprall eines entführten Flugzeugs um 9.37 Uhr 184 Passagiere, Besatzungsmitglieder und Mitarbeiter des Ministeriums getötet worden.

In Shanksville starben 40 Menschen beim Absturz des Flugs United Flight 93, den die El-Kaida-Attentäter ebenfalls auf Washington lenken wollten. Es kam jedoch zu einem Kampf mit den Passagieren und die Maschine stürzte auf offenem Feld ab.

Die größte Muslimvereinigung in den USA, der Rat für amerikanisch- islamische Beziehungen (CAIR), distanzierte sich am fünften Jahrestag der Terroranschläge deutlich vom Terrornetzwerk El Kaida distanziert. El Kaida spreche weder für den Islam noch für die große Mehrheit der Muslime weltweit, die mit ihren Nachbarn in Frieden leben wollen, hieß es in einer am Montag in Washington verbreiteten Erklärung. In Deutschland gedachten die muslimischen Verbände der Opfer des 11. September. „Terror findet im Islam keine Rechtfertigung“, hieß es am Montag in Köln in einer gemeinsamen Erklärung.

Die Staats- und Regierungschefs der EU sowie aus 13 asiatischen Ländern erinnerten in Helsinki an die Opfer der Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001. Sie eröffneten den abschließenden Tag ihres Europa-Asien-Gipfels mit einer Schweigeminute.

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