Amerikaner müssen mit höheren Benzinpreisen rechnen
Bush ruft zum Energiesparen auf

Der US-Kongress drängt auf den Bau neuer Ölbohr-Anlagen und Raffinerien. Die republikanische Regierungsparte will in den kommenden Tagen dementsprechende Gesetzentwürfe vorlegen. So machte sich der Vorsitzende des Energie- und Handelsausschusses im Repräsentantenhaus, Joe Barton, dafür stark, Umweltauflagen bei neuen Öl-Projekten zurückzuschrauben.

WASHINGTON. „Unser Land versteht, wie zerbrechlich der Energiesektor ist“, erklärte Barton. Der Chef des Rohstoff-Ausschusses, Richard Pombo, schlug vor, die Öl- und Gasförderung in amerikanischen Gewässern auszuweiten sowie das riesige Naturschutzgebiet in Alaska freizugeben.

Derlei Vorhaben waren in der Vergangenheit an Umwelt-Bedenken in beiden Parlamentskammern gescheitert. Seit 1976 wurde in den USA keine neue Raffinerie mehr gebaut. Gut ein Jahr vor den nächsten Kongresswahlen sehen sich die Abgeordneten angesichts der stark gestiegenen Benzinpreise unter dem Druck, Abhilfe zu schaffen.

In einer Abkehr von seiner bisherigen Politik forderte Präsident George W. Bush die Amerikaner zum Energiesparen auf. „Die Menschen müssen verstehen, dass die Wirbelstürme zu Störungen geführt haben“, sagte Bush. „Es wäre hilf-reich, wenn man auf eine Autofahrt, die nicht notwendig ist, verzichten könnte.“ Im Jahr 2001 hatte Vizepräsident Dick Cheney derlei Appelle strikt ausgeschlossen: „Energiesparen mag ein Zeichen persönlicher Tugend sein, aber es taugt nicht als Basis für eine gesunde Energiepolitik.“

Am Dienstag besuchte Bush die beschädigten Raffinerien im texanischen Port Arthur. Der Präsident versuchte, durch seine siebte Reise in die zerstörte Region den innenpolitischen Schaden zu begrenzen. Nach dem Hurrikan „Katrina“ war er wegen der schleppenden Reaktion der Regierung in ein Kreuzfeuer der Kritik geraten. 476 000 Menschen in Texas sowie 285 000 Menschen in Louisiana sind noch immer ohne Strom.

Angesichts der hohen Energiepreise müssen die Amerikaner 2005 erheblich mehr für Benzin, Heizöl und Gas locker machen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Global Insight werden die US-Bürger in diesem Jahr rund 550 Milliarden Dollar für Energie ausgeben. Für einen durchschnittlichen Haus-halt bedeutet dies Kosten in Höhe von 4500 Dollar. Das sind 500 Dollar mehr als 2004 und 900 Dollar mehr als 2003.

Vor allem die Gaspreise stehen stark unter Druck. Nach Angaben der Regierung muss ein Haushalt in diesem Winter im Schnitt 1130 Dollar für die Heizung bezahlen. Das ist ein Anstieg von rund 400 Dollar gegenüber dem Vorjahr. Die Gaspreise haben sich auf den Futures-Märkten seit 2000 mehr als verdoppelt. Im Vergleich zu den 90er Jahren liegen die heutigen Preise damit sechs mal höher.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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