Amerikas Atomwaffen
Hat die einstige Trumpfkarte ausgedient?

Amerikas weitreichende Nuklearraketen sind immer noch ein Symbol strotzender Macht. Aber ob sie noch einen Nutzen haben, ist zunehmend fraglich. Das nagt an der Moral der Soldaten, die sie betreuen.
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WashingtonSeit Jahrzehnten stehen Hunderte von Interkontinentalraketen in ihren unterirdischen Silos in entlegenen Winkeln der USA - einsatzbereit, in der Lage, unvorstellbare Zerstörung anzurichten, sollte ein Präsident ihren Start anordnen. Sie sind nach wie vor furchterregendes Symbol einer Supermacht, darauf angelegt, eine nukleare Hölle zu entfachen. Aber es hat sich etwas geändert im Laufe der Zeit. Es gibt Probleme, teils hinter den Kulissen, teils ganz offen.

Die Zahl dieser Waffen, kurz ICBMs genannt (Intercontiental Ballistic Missiles), wird kleiner. Ihre künftige Rolle im US-Verteidigungskonzept ist unklar. Die Nachrichtenagentur AP dokumentierte Fehlverhalten und Führungsschwächen in den Reihen der das Arsenal betreuenden Einheiten. Das wirft Fragen auf.

Ein Offizier mit Insider-Kenntnissen sprach von „Fäule“ in den für Wartung und Management zuständigen Einheiten, und bei einer unabhängigen Untersuchung für die Luftwaffe wurden Anzeichen für „Burnout“ - Ausgebranntsein - in Teams festgestellt, die im Fall einer Anweisung des Präsidenten die Rakete abschießen würden.

Die AP enthüllte auch, dass in diesen Jahr Disziplinarmaßnahmen gegen vier Offiziere aus diesen Crews wegen Verstößen gegen Sicherheitsregeln verhängt wurden. Eine der drei ICBM-Einheiten der Luftwaffe fiel bei einer Sicherheitsinspektion im August durch.

Die Waffen galten einst als Amerikas Trumpfkarte - eine Karte, die bisher niemals zum Einsatz kam. Manche sehen darin einen Beweis für ihren andauernden Wert als Abschreckungsmittel. Andere werten es als Zeichen dafür, dass diese Waffe schlicht nicht mehr nötig ist.

Beschäftigt diese Frage den Normalbürger in den USA wenig, diskutieren Experten schon seit längerem darüber, welche Rolle ICBMs künftig im US-Verteidigungsgefüge spielen sollen. Schließlich haben sich die Gefahrenszenarien seit dem Kalten Krieg geändert. Heute liegen die Herausforderungen im Terrorismus, in Cyberbedrohungen und der Weiterverbreitung nuklearer Technologien.

Das Budgetamt des US-Kongresses schätzte kürzlich, dass die strategische nukleare Streitmacht das Pentagon im Laufe der nächsten zehn Jahre 132 Milliarden Dollar (96,5 Milliarden Euro) kosten wird - jedenfalls auf der Basis der bisherigen Pläne. Das schließt 20 Milliarden Dollar für die ICBMs und das dazugehörige Personal ein, aber nicht die geschätzten 56 Milliarden Dollar für Kommunikations- und andere Systeme, die zur Kontrolle der US-gesamten Atomstreitmacht nötig sind.

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