Amerikas Griechenland
Wie Puerto Rico gegen die Pleite kämpft

Schuldenkrise, Pleitegefahr, dringender Reformbedarf – und es geht nicht um Griechenland. Puerto Rico, karibisches Inselparadies und wirtschaftlicher Dauerpatient, stellt seine Gläubiger auf den Zahlungsausfall ein.
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San JuanAn den Stränden von San Juan, Dorado oder Guánica ist die Stimmung auch in diesem Sommer gut - Großfamilien haben es sich in Klappstühlen gemütlich gemacht, die Kühlboxen sind mit Bier gefüllt, das Fleisch brutzelt auf den Grills. Doch der Schein trügt: Puerto Rico kämpft mit der Pleite. Die öffentlichen Kassen sind leer, ein Zahlungsausfall könnte unmittelbar bevorstehen.

Die Karibikinsel hat einen Schuldenberg von rund 72 Milliarden Dollar (65 Mrd Euro) angehäuft - das entspricht fast 70 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. „Die Schulden sind nicht bezahlbar“, sagte Gouverneur Alejandro García Padilla jetzt der „New York Times“.

Für das kommende Jahr wird ein Haushaltsdefizit von 3,7 Milliarden Dollar erwartet. Und bereits an diesem Mittwoch droht die Anleihe eines staatlichen Energieversorgers zu platzen.

Puerto Rico, übersetzt „reicher Hafen“, ist ein Land der Kontraste. Luxus-Apartments und marode Armenviertel liegen nah beieinander. An der Küste entlang sind die Straßen von traumhaft schönen Stränden umgeben - aber auch von Industriebrachen und Bauruinen. Dazu hat eine Dürre, die grüne Vegetation an vielen Stellen in ein hässliches Grau verwandelt. Naturparadies und desolate Tristesse wechseln sich ab.

Die gerade einmal 3,5 Millionen Einwohner Puerto Ricos - 45 Prozent von ihnen leben unterhalb der Armutsgrenze - sind US-Staatsbürger, allerdings mit eingeschränkten Rechten. An den Präsidentschaftswahlen dürfen sie zum Beispiel nicht teilnehmen. Denn die Karibikinsel ist zwar US-Territorium, aber kein US-Bundesstaat. Dieser Unterschied ist für das Land, das sich seit 2006 von einer Rezession zur nächsten schleppt, auch bei der Lösung der Schuldenprobleme von Bedeutung.

Denn durch seinen Sonderstatus ist Puerto Rico der Weg zu einem kommunalen Insolvenzverfahren nach US-Recht verbaut - auch wenn die Regierung in San Juan das gern ändern würde. Auf Hilfsgelder aus Washington kann der selbstverwaltete US-Außenbezirk wahrscheinlich nicht hoffen. „Eine Krise zeichnet sich ab“, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie dreier ehemaliger Mitglieder des Internationalen Währungsfonds (IWF).

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