„Amerikas Pastor“ US-Evangelist Billy Graham ist tot

Der US-Evangelist Billy Graham ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Er arbeitete für mehrere US-Präsidenten, darunter George Bush und Gerald Ford.
Kommentieren
Der US-Evangelist war aufgrund seines energischen Auftretens unter dem Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“ bekannt. Quelle: AFP
Billy Graham

Der US-Evangelist war aufgrund seines energischen Auftretens unter dem Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“ bekannt.

(Foto: AFP)

Washington, MontreatDer amerikanische Pastor Billy Graham, Vertrauter vieler US-Präsidenten und einer der bekanntesten christlichen Prediger der Geschichte, ist tot. Nach Angaben seines Sprechers Mark DeMoss starb Graham am Mittwoch in seinem Haus in Montreat im US-Staat North Carolina. Präsident Donald Trump twitterte: „Keiner war wie er! Er wird von Christen und allen Religionen vermisst werden. Ein ganz besonderer Mann.“

Vizepräsident Mike Pence sekundierte, Graham habe mit seiner unvergleichlichen Stimme das Leben von Millionen verändert“. Expräsident Jimmy Carter würdigte ihn als Prediger, der „unermüdlich die Botschaft von Kameradschaft und Hoffnung verbreitet habe. „Er formte das spirituelle Leben von zig Millionen Menschen weltweit“, schrieb Carter.

In seinen letzten Jahren war Graham wegen Krebs, Lungenentzündung und anderen Gebrechen in Behandlung. Als evangelikaler Erweckungsprediger erkannte er als einer der ersten das Potenzial von Fernsehen und Radio und erreichte mit seinen Auftritten in aller Welt direkt mehr als 200 Millionen Menschen. Er nannte diese Reisen „Kreuzzüge“, sprach zu US-Soldaten im Vietnamkrieg.

Sein furioser Redestil brachte ihm den Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“ ein, andere sagten, das Evangelium werde in seinen Händen zu einem „Degen“. Die evangelikale Bewegung wurde unter seiner Führung in den USA eine starke Kraft neben dem liberalen Protestantismus und der katholischen Kirche. Er beriet Präsidenten von Dwight Eisenhower bis George W. Bush, weswegen er auch „Amerikas Pastor“ genannt wurde. Im Weißen Haus ging er seit Präsident Lyndon Johnson ein und aus, war bei Präsident George H.W. Bush dort am Vorabend des Golfkrieges. Anfangs ein kategorischer Antikommunist bereiste er später das noch kommunistische Osteuropa.

1983 erhielt Graham von Präsident Ronald Reagan die Freiheitsmedaille, die höchste Auszeichnung der USA. Bei der Zeremonie zur Eröffnung eines Museums in seinem Namen im Jahr 2007 waren die Ex-Präsidenten George H.W. Bush, Jimmy Carter und Bill Clinton anwesend.

Geboren wurde Graham am 7. November 1918 auf einer Farm bei Charlotte in North Carolina. Er wuchs in einer fundamentalistischen Gemeinde auf, die bei kleinsten Differenzen bei der Bibelauslegung den Kontakt mit anderen Christen abbrach. Später schloss er sich der Bewegung der Neuen Evangelikalen an. „Die Bibel sagt...“ war die Standardeinleitung seiner Predigten. In den 1950er Jahren verkündete er: „Die ökumenische Bewegung hat meinen Standpunkt erweitert und ich erkenne nun, das Gott in allen Kirchen ist.“ Sein Aufstieg begann 1949 mit einer Missionsveranstaltung in einem Zelt in Los Angeles, genannt die „Canvas Cathedral“. Der Medienmogul William Randolph Hearst hatte seine Blätter angewiesen, den jungen Prediger zu „hypen“ – Graham sagte, er habe nie in Erfahrung bringen können, warum.

Graham galt als absolut integer, die Skandaljahre in den 1980er Jahren, die die Fernsehprediger Jimmy Swaggart und Jim Bakker vom Sockel stießen, konnten ihm nichts anhaben. Von seiner Billy Graham Evangelistic Association ließ er sich ein moderates Gehalt auszahlen – Millionenofferten ignorierte er. „Ich hätte eine halbe Million Dollar im Jahr in Hollywood verdienen können, wenn ich gewollt hätte“, sagte er einmal. „Die Angebote, die ich von Hollywood-Studios bekam, waren umwerfend. Aber ich habe nur gelacht. Ich sagte ihnen, ich bleibe bei Gott.“

Einen dunklen Schatten auf seine Karriere warf der Watergate-Skandal, der zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon führte. Graham war eng mit Nixon befreundet. In einer 2002 veröffentlichten Tonaufzeichnung ist zu hören, wie er zu Nixon sagt, Juden „wüssten nicht, wie ich wirklich fühle wegen dem, was sie diesem Land antun“. Graham entschuldigte sich dafür und sagte, er könne sich nicht erinnern, so gefühlt zu haben. Er bat die jüdische Gemeinde, ihn an seinen Taten, nicht an diesen Worten zu messen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • ap
Startseite

Mehr zu: „Amerikas Pastor“ - US-Evangelist Billy Graham ist tot

0 Kommentare zu "„Amerikas Pastor“: US-Evangelist Billy Graham ist tot"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%