Amnesty-Bericht
Russlands Syrien-Einsätze töten Hunderte Zivilisten

Die Angriffe der russischen Luftwaffe in Syrien kosten laut Amnesty International Hunderte Menschen das Leben. Unter anderem seien Wohngebiete und Märkte getroffen worden. Die Angriffe kämen Kriegsverbrechen gleich.

LondonDie Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft Russland vor, bei Luftangriffen in Syrien in den vergangenen Monaten Hunderte Zivilisten getötet zu haben. Es gebe vermehrte Berichte über den Einsatz von Streubomben in bewohnten Gebieten, die russische Truppen ins Visier genommen hätten, hieß es in einem Bericht der Organisation. Beim Einsatz von Streumunition bleiben oft Sprengkörper am Boden zurück. Diese können Zivilisten noch lange nach dem Ende von Konflikten verstümmeln und töten.

Am 30. September hatte sich Russland formal in den Syrien-Konflikt eingeschaltet. Der Amnesty-Bericht bezieht sich auf sechs Attacken in den Provinzen Homs, Idlib und Aleppo, die sich zwischen September und November ereignet und mindestens 200 Zivilisten das Leben gekostet haben sollen.

Philip Luther, Direktor des Amnesty-Programms für den Nahen Osten und Nordafrika, erhob schwere Vorwürfe gegen Moskau. Einige russische Luftangriffe hätten offenbar direkt Zivilisten oder zivilen Objekten gegolten, sagte er. So seien Wohngebiete ohne ein offensichtliches militärisches Ziel, eine Moschee, ein Markt und medizinische Einrichtungen getroffen worden. „Solche Attacken könnten Kriegsverbrechen darstellen“, fügte Luther hinzu.

„Es ist unbedingt notwendig, dass die mutmaßlichen Verstöße unabhängig und unparteiisch untersucht werden“, sagte Luther. Für den Bericht hat die Organisation nach eigenen Angaben Augenzeugen befragt und Bildmaterial ausgewertet.

Russische Regierungsvertreter haben derartige Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Auch Anwohner und oppositionelle Aktivisten in Syrien räumten ein, dass sich nichts zweifelsfrei nachweisen lasse, ob die Attacken von Russland oder dem syrischen Militär verübt worden seien. Russland kämpft in Syrien gegen die Terrormiliz IS, aber auch gegen andere Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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