Amnesty International: Menschenrechtsverletzungen im Irak angeprangert

Amnesty International
Menschenrechtsverletzungen im Irak angeprangert

Tausende Zivilisten im Irak wurden Opfer von Folter, willkürlicher Inhaftierung oder außergerichtlichen Hinrichtungen - und dafür ist keineswegs die Terrormiliz Islamischer Staat verantwortlich, berichtet AI.

BerlinNach dem Beginn der Großoffensive zur Rückeroberung der irakischen Großstadt Mossul von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat Amnesty International vor Menschenrechtsverstößen und Kriegsverbrechen durch irakische Milizen und Regierungstruppen gewarnt. Tausende Zivilisten, die aus vom IS kontrollierten Gebieten hätten fliehen können, seien Opfer von Folter, willkürlicher Inhaftierung oder außergerichtlichen Hinrichtungen geworden oder verschwunden, erklärte Amnesty in Berlin. Ein aktueller Amnesty-Bericht, der auf Gesprächen mit mehr als 470 ehemaligen Gefangenen, Augenzeugen sowie Angehörigen von Opfern beruhe, dokumentiere schwere Menschenrechtsverstöße und sogar Kriegsverbrechen.

Viele der Verstöße seien im Mai und Juni 2016 begangen worden, als die Stadt Falludscha und die weitere Umgebung vom IS zurückerobert worden seien. "Nachdem sie den Schrecken des Krieges und der Tyrannei des IS entkommen sind, drohen sunnitischen Arabern im Irak brutale Vergeltungsschläge durch Milizen und Regierungstruppen", erklärte Philip Luther, Amnesty-Experte für den Nahen Osten und Nordafrika. Sie würden verdächtigt, an IS-Verbrechen beteiligt gewesen zu sein oder die bewaffnete Miliz unterstützt zu haben.

Die vornehmlich schiitischen Milizen, die für die Menschenrechtsverstöße verantwortlich seien, würden schon seit langem von den irakischen Behörden mit Waffen und Geld unterstützt, erklärte Amnesty. 2016 seien sie offiziell in die irakischen Truppen integriert worden.

Im Kampf um Mossul müssten die irakischen Behörden sicherstellen, dass derartige Menschenrechtsverstöße verhindert werden, forderte Amnesty. Die Staaten, die den Militäreinsatz gegen den IS im Irak unterstützen, müssten zudem zeigen, dass sie derartige Verstöße nicht länger duldeten. Sie müssten durch strenge Kontrollen verhindern, dass die von ihnen bereitgestellte Hilfe oder Ausrüstung nicht zu Menschenrechtsverletzungen beitrage.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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