Amoklauf an US-College
60 Sekunden bis zum Tod

Nach der Schießerei an einem US-College stehen die Menschen unter Schock. Auch US-Präsident Obama wirkt fassungslos – und appelliert an sein Volk, endlich die Waffengesetze zu verschärfen.

PortlandDie Stimme des Feuerwehrmanns zittert. Man hört Ray Schoufler an, dass er gerade etwas Schreckliches gesehen haben muss: blutende Studenten am Boden, Tote in Klassenzimmern, nackte Angst. Live soll er dem TV-Sender CNN nun am Telefon erklären, was genau sich am College in Roseburg gerade abgespielt hat. Doch Schouflers Stimme stockt, er muss Luft holen. Die Toten und Verletzten im US-Staat Oregon wühlen den Fire Marshal innerlich auf.

Von „mehreren Patienten in mehreren Unterrichtsräumen“, spricht der Feuerwehrmann, der Tausenden Zuschauern nicht im Detail erklären will, was der mutmaßliche Amoklauf am Umpqua Community College (UCC) soeben hinterlassen hat. Von einem „gewaltigen Polizeiaufgebot“ spricht er, fast klingt er verwirrt. „Sind Sie okay?“, fragt die landesweit bekannte CNN-Moderatorin Brooke Baldwin schließlich. „Ja“, sagt Schoufler - „hier ist gerade einfach eine ganze Menge los.“

Dabei ist in Roseburg überhaupt nichts okay. Mindestens Zehn Menschen sind nach Polizeiangaben tot, sieben sind verletzt. Bei der Staatsanwaltschaft ist gar von 13 Toten die Rede. Ein 26-Jähriger soll das Blutbad angerichtet haben. Wie so oft bei den tragisch wiederkehrenden Shootings ist die Lage zunächst sehr unübersichtlich, Berichte von Zeitungen und TV-Sendern sind teilweise widersprüchlich. Fest steht: Die 22 000 Einwohner zählende Gemeinde steht unter Schock, jeder kennt hier jeden.

Es ist gegen 10.30 Uhr morgens, als der Schütze einen Unterrichtsraum betritt und das Feuer eröffnet – mit einem „langen Gewehr“, wie Zeugen berichten. Vorher hat er einen Dozenten durch das Fenster bereits mit einem Kopfschuss niedergestreckt. Im Raum fordert er seine Opfer einer Augenzeugin zufolge auf, sich hinzulegen, dann sollen sie aufstehen und ihre Religion nennen. Dann schießt er - offenbar wahllos - drauf los.

60 Sekunden lang habe sie Schüsse gehört, sagt Lorie Andrews, die gegenüber vom großen, auf 18 Gebäude verteilten Campus lebt und draußen auf der Veranda sitzt, als die ersten Streifenwagen unter Sirenengeheul zum Gebäude jagen. „Erst dachte ich, es ist Feuerwerk“, sagt sie. Insgesamt vier Waffen soll er für die Tat zum Campus gebracht haben.

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60 Sekunden bis zum Tod

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Obama wirkt völlig verzweifelt

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