Amtseinführung am Wochenende
Irans neuer Präsident Ruhani steht vor einem Scherbenhaufen

Irans neuer Präsident Hassan Ruhani ist vor seinem Amtsantritt nicht zu beneiden. Nach acht Jahren Ahmadinedschad ist die Liste der Probleme lang. Das erste Ziel von Ruhani: Den Iran mit der Welt wieder versöhnen.

TeheranBefürworter und Gegner des neuen iranischen Präsidenten sind sich in einem Punkt einig: Hassan Ruhani steht vor einer Herkulesaufgabe. „Keine Regierung in der iranischen Geschichte hatte je mehr Probleme als meine“, sagt der moderate Kleriker.

In der Tat wiegt das Vermächtnis seines Vorgängers Mahmud Ahmadinedschad schwer. Wirtschaftskrise, Atomstreit mit dem Westen, internationale Sanktionen, Angriffsdrohungen aus Israel und vieles mehr gehören zu den Problemen, die dem 64-Jährigen Kopfschmerzen bereiten dürften, wenn er an diesem Wochenende sein Amt antritt.

„Mehr falsch geht nicht“, sagt ein Politologe in Teheran über die achtjährige Ära Ahmadinedschad. „Der arme Ruhani steht im wahrsten Sinne des Wortes vor einem politischen Scherbenhaufen“, so der Politologe, der nicht namentlich genannt werden will.

Darüber hinaus sind die Probleme des neuen Präsidenten auch äußerst kompliziert. Die Wirtschaftskrise des Landes zum Beispiel, unter der die Menschen derzeit am meisten leiden: Sie ist hauptsächlich ein Ergebnis des umstrittenen Atomprogramms und der damit verbundenen internationalen Sanktionen. Daher kann sie auch nicht nur mit Korrekturen am Wirtschaftskurs, sondern in erster Linie über die Diplomatie gelöst werden.

Mit seinem kompromisslosen Kurs und seiner provokativen Rhetorik hat Ahmadinedschad den Gottesstaat international total isoliert. Der Iran steht nun nicht mehr nur in den USA und Israel auf einer Schwarzen Liste, sondern auch in der Europäischen Union sowie in islamischen Ländern wie der Türkei, Ägypten und Saudi Arabien.

Als Verbündete geblieben sind nur das in einen blutigen Bürgerkrieg verwickelte Syrien sowie Ahmadinedschads sozialistische Freunde in Bolivien, Nicaragua und Venezuela. „Es wird schwierig, mit solchen Freunden aus der Isolation herauszukommen“, bemerkte ein ausländischer Diplomat in Teheran sarkastisch.

„Trotz der ganzen Probleme bin ich zuversichtlich“, sagt Ruhani. Er will nach eigenen Worten mit einer rationalen und gemäßigten Politik den Iran mit der Welt wieder versöhnen. Leichter gesagt als getan, denn ohne Beilegung des seit über zehn Jahren währenden Atomstreits ist außenpolitisch nicht viel zu machen.

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Ex-UN-Botschafter als Außenminister im Gespräch

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