Amtseinführung Donald Trump: Was wir nicht brauchen

Amtseinführung Donald Trump
Was wir nicht brauchen

Amerikaner lieben es, den Europäern gute politische Ratschläge zu geben. Sie sollten es lieber lassen. Bei ihnen zu Hause gibt es genug Probleme, die gelöst werden müssen. Ein Kommentar.
  • 21

New York CityNun auch noch Jamie Dimon. Der Chef der US-Großbank JP Morgan vertieft sich in europäische Probleme, analysiert, gibt Ratschläge. Die Europäer hätten die Ursachen für den Brexit, den Beschluss der Briten zum Ausstieg aus der Europäischen Union, nicht genug im Blick, findet er, und nennt dabei Stichworte wie „Zuwanderung“ und „Brüssel“. Er warnt von den verschneiten Davoser Höhen herab, der Populismus werde noch zunehmen, wenn die Europäer sich diesen Problemen nicht zuwenden.

Dimons Äußerungen kommen kurz nachdem der künftige US-Präsident die Europäische Union insgesamt für eine Fehlkonstruktion erklärt hat, die angeblich nur deutschen Interessen dient. Und sie schließen sich an eine lange Tradition amerikanischer Ökonomen an. Leute wie der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz erklären ständig, dass die Euro-Zone nicht funktionieren kann. Angelsächsisch geprägte Kommentatoren haben schon so oft den baldigen Exitus der Euro-Zone vorhergesagt, dass man es gar nicht mehr zählen kann. Den Brexit sowie die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten haben sie dagegen meist nicht vorhergesehen.

Keine Frage, es gibt einen Haufen Probleme in Europa. Aber US-Experten oder -Politiker, die ab und zu für ein paar Stunden einfliegen und Schnelldiagnosen abgeben, sind bei der Lösung dieser Probleme nicht gerade hilfreich. Sie gießen eher noch Öl ins Feuer der politischen Diskussionen. Ihre Lösungsvorschläge, so sie überhaupt welche haben, funktionieren meist nur in der Theorie und haben mit der Praxis wenig zu tun. Wenn ihnen gar nichts mehr einfällt, machen sie Deutschland für die Probleme verantwortlich. Amerikaner neigen dazu, europäische „Wohlfahrts-Staaten“ wie Deutschland als zu dirigistisch und zu wenig kapitalistisch anzusehen, um dann der deutschen Regierung die Schuld dafür zu geben, dass ihre Bürger und Unternehmen lieber exportieren als konsumieren.

Natürlich ist manche Kritik aus den USA an Europa und insbesondere an Deutschland auch berechtigt. Aber in der Regel kann davon ausgehen, dass die Europäer selber die betreffenden Probleme auch schon erkannt haben und längst darüber diskutieren. 

Sollten die Europäer zurückschlagen und bei Tagungen in den USA  gute Ratschläge geben, wie sich das marode Polizei- und Justizwesen der USA am besten reformieren lässt? Oder wie man mit erheblich weniger Geld als bisher eine Gesundheitsversorgung für alle Bürger auf die Beine stellen kann? Vielleicht noch garniert mit ätzender Kritik an der Obdachlosigkeit in einer Stadt wie New York, in der Dutzende von Milliardären wohnen?

Lieber nicht. Die Europäer können zur Lösung amerikanischer Probleme nicht viel beitragen.

Kommentare zu " Amtseinführung Donald Trump: Was wir nicht brauchen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nähere Erläuterung zu meinem Kommentar vom 20.01.2017, 18:10 Uhr:

    Die für die Menschen auf dieser Erde immer bedrohlicher werdenden Folgen von Klimawandel und Artenschwund führen schon jetzt zu Konflikten und Flüchtlingsbewegungen an vielen Orten.

    So drohen z.B. Kämpfe um den Zugang zu einer ausreichenden Versorgung mit Wasser zwischen einzelnen Nationen, bzw. ist dieser Kampf an einigen Orten schon in vollem Gange.

    Statt solche Kämpfe und die Erosion der Natur weiter eskalieren zu lassen, gibt es eine intelligentere Lösung: Die vorhandenen Ressourcen statt in noch effizientere Waffensysteme in den Aufbau eines zeitgemäßen Demokratiesystems auf digitaler Basis zu investieren.

    Um so möglichst bald einen durch nationale Grenzen ungehinderten globalen Informationsaustausch zu ermöglichen.

    Und dadurch Synergieeffekte* freizusetzen.

    *Darunter verstehe ich ungefähr folgendes:
    Was der Bewohner des einen Erdteils/Landes/der einer bestimmten Kulturgruppe Zugehörige nicht so gut kann, kann der andere auf der anderen Seite des Erdballs dafür umso besser. Und was Ressourcen (Wasser, Rohstoffe etc.) angeht: Bei einigen davon herrscht an einigen Stellen der Erde schwerer Mangel, dafür sind sie an anderen oft im absoluten Überfluss vorhanden.

    Wenn jetzt alle zusammen statt gegeneinander arbeiten würden, käme durch diese Ergänzung letztendlich die optimale Lösung dabei heraus. Zum Wohle aller.

  • Was wir heute eigentlich auch nicht mehr brauchen, uns aber leider trotzdem - und das nicht nur aus organisatorischen Gründen - wohl noch eine ganze Weile erhalten bleiben wird, sind Nationalstaaten und nationale Grenzen.

    Samt aller damit einhergehenden - durchweg negativen - Begleiterscheinungen (Machtkämpfe, Kriege, Zölle, ausbleibende Synergieeffekte, usw. usf.).

  • Ich werde Donald anrufen und ihm raten die EU-Räte nicht einmal zu irnorieren.
    Das technologische Gefälle zwischen den USA und der EU ist einfach zu groß,
    als das sich jemand, in den Staaten, findet, der über Scheitholz bescheid weiß.
    Die Vergärung von Gülle und Mais als Geschäftmodel für AGs ist auch grenzwertig,
    so daß es kaum Dividenden gibt. Es ist doch grausam, daß Frau Hendricks die Steuer für Lebensmittel im Kampf für das Klima erhöhen muß, immer das adipöse Volk im Blick. Nein, werde ich Donald sagen, die haben nichts mehr, laß und nach Afrika blicken, da gibt es kaum Sozialkosten aber hohe Renditen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%