Amtsinhaber Kabila hoher Favorit
Stichwahl im Kongo weckt Angst vor neuer Gewalt

Man kann fast allem eine gute Seite abgewinnen – selbst den blutigen Scharmützeln im Anschluss an die erste Runde der Präsidentschaftswahl in der Demokratischen Republik Kongo.

KAPSTADT. Am 21. August, unmittelbar vor Bekanntgabe des Wahlergebnisses, war es in der Hauptstadt Kinshasa zu einem Gefecht zwischen der Präsidialgarde von Staatschef Joseph Kabila und der Leibgarde seines Erzrivalen Jean Pierre Bemba gekommen. Bei der von Deutschland geführten europäischen Friedenstruppe Eufor, der auch 780 Bundeswehrsoldaten angehören, und den Vereinten Nationen gibt man sich dennoch gelassen. Man haben aus dem Vorfall viele Lehren gezogen, sagt Ibrahim Gabari, Uno-Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten.

Am Wochenende treten Kabila und Bemba als Bestplatzierte des ersten Wahlgangs vom 30. Juli nun zur entscheidenden Stichwahl an. Der ehemalige Rebellenführer Bemba kam damals auf 20 Prozent der Stimmen, der bisherige Staatschef und klare Favorit Kabila auf 44 Prozent. Keiner der beiden hatte jedoch die zur Direktwahl notwendige absolute Mehrheit erzielt.

Trotz der beschwichtigenden Worte aus Militär- und Diplomatenkreisen gibt es Sorgen vor neuen Zusammenstößen. So ist die nach den Kämpfen vom August verlangte Entwaffnung und Kasernierung der etwa 6 000 Mann starken Präsidentengarde und der auf 1 000 Mann geschätzten Leibwache Bembas nur in Ansätzen erfolgt. Kopfzerbrechen bereiten auch die Panzer, die Kabilas Präsidialgarde aus dem Hafen von Matadi nach Kinshasa gebracht hat.

Kongolesische Medien berichteten gestern zudem, dass 14 Häftlinge, die im Zusammenhang mit dem Mord an Kabilas Vater Laurent Desiré verurteilt worden waren, die Flucht gelang. Präsident Kabila senior war 2001 von einem Leibwächter erschossen worden. Sein damals 29 Jahre alter Sohn Joseph wurde zum jüngsten Staatschefs Afrikas.

Um gewalttätige Auseinandersetzungen in der Hauptstadt im Keim zu ersticken, sind zusätzlich zum Kinshasa-Kontingent der Eufor-Truppe Soldaten der bereits seit langem im Kongo stationierten Uno-Friedenstruppe Monuc aus dem Landesinneren in die Metropole verlegt worden. Insgesamt befinden sich rund 1 500 der 17 000 im Kongo stationierten Blauhelme derzeit in der Hauptstadt.

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