Amtswechsel in Frankreich
Monsieur Ordinaire statt Präsident Bling Bling

Stinknormal verdrängt Prunk: Ab heute regiert Hollande - und er will alles anders machen als Sarkozy. Dabei machen seine Berater aus einer vermeintlichen Schwäche eine Tugend. Aber ausgerechnet damit übertreiben sie.
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Wehe dem, der sich in die Hände von Beratern begibt! Ob Frankreichs neuer Präsident François Hollande das nächste Opfer ihrer Unfähigkeit wird? Er ist auf dem besten Weg dazu, denn seit Tagen lassen seine Spin Doktoren nichts unversucht, um den Staatschef als „völlig normalen“ Menschen darzustellen. Zwar hatte niemand im Ernst an übernatürliche Fähigkeiten des Francois Hollande geglaubt. Eher im Gegenteil, viele Franzosen hielten ihn bis vor kurzem für wenig durchsetzungsstark, nicht unbedingt prädestiniert, Frankreich in der Welt stark zu vertreten, kurz: für durchschnittlich. Eben normal.

Hollande übernahm am Dienstagvormittag im Elysée-Palast in Paris die Amtsgeschäfte. Sein Vorgänger Nicolas Sarkozy übergab dem Sozialisten den Atom-Code und verließ im Anschluss mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy den Präsidentenpalast. Erstmals seit 17 Jahren hat Frankreich damit wieder einen sozialistischen Präsidenten - und steht vor einer radikalen Stilwende.

Schon seit den letzten Wochen des Wahlkampfes und vor allem seit dem Wahlsieg vor einer guten Woche machen die Berater aus der Schwäche eine Tugend: Hollande, der normale Politiker, soll sich positiv abheben von Nicolas Sarkozy, dem Vorgänger, der nur Bling Bling, Yachturlaube, Milliardärsfreunde und Wohlleben im Sinn gehabt habe.

Immer neue Beweise der Normalität des recht knapp ins Amt gewählten werden dargeboten: Er fährt ein normales Auto, einen DS 5 Hybrid, obere Mittelklasse, mehr nicht. Er entspannt nicht auf einer Yacht, sondern arbeitet und geht abends in eine jedem Franzosen zugängliche Kunstausstellung oder in die Nationalbibliothek. Er will in seiner Etagenwohnung im 15. Arrondissement wohnen bleiben und sich nicht im Elysée-Palast vom Volk abkapseln lassen.

Höhepunkt der Normalitäts-Enthüllungen: Er geht manchmal zu Fuß!

Hollande muss aufpassen, dass sein Umfeld nicht überdreht. Wie leicht das geht, wie nutzlos die teuer bezahlten Image-, Politik- und Medienberater sein können, hat schließlich Sarkozy am eigenen Leib erfahren. Der Mann, der kaum Alkohol trinkt, keinerlei Standesdünkel hat, politische Gegner in wichtige Ämter brachte und malochte wie ein Pferd stand am Ende seiner Amtszeit als rechtslastiger, engstirniger Freund der Reichen da.

Manches hat er sich selber zuzuschreiben, doch mindestens ebenso schlimm war, dass er auf der Schleimspur seiner Berater ausrutschte, die ihm eine unsinnige Selbstdarstellung und einen bizarren Wahlkampf aufschwatzten.

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