An Bäume und Dächer geklammert
Überlebende der Flutwelle erzählen

Bei der Flutkatastrophe in Südasien sind nach offiziellen Angaben etwa 70 000 Menschen ums Leben gekommen. Tausende andere überlebten die seit Jahrzehnten schwerste Naturkatastrophe. Einige von ihnen schilderten Korrespondenten der Nachrichtenagentur Reuters ihre Erlebnisse:

Colombo: Der Deutsche Ruppert Goachim wurde durch die Flut zum Treibgut. Das Wasser überraschte ihn in seinem Hotelzimmer in Bentota auf Sri Lanka. „Ich dachte, ich ertrinke. Ich trieb zehn Minuten und konnte mich dann an einen Baum klammern“, erinnert er sich. Er sei im Schock gewesen, weil er seine Frau nicht sehen konnte. Sie trafen sich in einer Rettungsstelle wieder.

Banda Aceh: Als Surya Darmar im indonesischen Banda Aceh flüchtende und schreiende Menschen sah, schnappte er sich zwei seiner Kinder, seine Frau griff das Dritte und die Familie verließ fluchtartig das Haus. Aber sie konnten der gewaltigen Flutwelle nicht entkommen, die am Sonntag mit Geschwindigkeiten bis zu 500 Kilometern der Stunde durch den Indischen Ozean raste. „Das Wasser war zu stark“, sagt der auf einer Trage in einem Armeekrankenhaus liegende Darmar. Er hat Schnittwunden und einen Beinbruch erlitten. „So lange ich konnte, habe ich meine Kinder festgehalten, aber sie wurden weggerissen.“ Auch seine Frau und das dritte Kind verschwanden in den Fluten. Der 35-jährige Darmar klammerte sich an ein Stück Treibholz, bis er gegen das Dach eines Ladens prallte, auf das er sich mit gebrochenem Bein rettete. „Mein Leben ist zu Ende. Ich bin in Gottes Hand.“

Phuket: Bis zur Brust im Wasser stehend, klammerte sich der Schwede Boree Carlsson an eine Säule in einer Hotellobby im thailändischen Ferienparadies Phuket. „Ich konnte nicht glauben, was sich vor meinen Augen abspielte“, sagt der 45-Jährige, der vor der Riesenwelle in ein Hotel geflüchtet war. „Ein Auto wurde in die Halle gespült und überschlug sich, weil die Welle so gewaltig war.“ An die Säule geklammert, habe er die Hand seines Freundes gehalten, weil der nicht schwimmen könne.

Bangkok: Im thailändischen Khao Lak haben Eltern ihren vierjährigen Jungen, den die Flutwelle mitgerissen hatte, nach mehr als zwei Tagen in die Arme schließen können. Vathanyu Pha-opas war in einen Baum gespült worden und dort gestrandet. Dort hatte der Kleine mehr als zwei Tage lang ohne Essen und Trinken ausgeharrt. Außer ein paar Schrammen und Mückenstichen war der Junge augenscheinlich vollkommen unverletzt. „Es grenzt an ein Wunder, dass er noch lebt“, sagt sein Vater Suthipong Pha-opas. „Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, ihn jemals wieder zu sehen. Er konnte doch nicht schwimmen.“

Port Blair: Glück im Unglück hatte auch ein 13-jähriges Mädchen auf einer den zu Indien gehörenden Nikobaren. Meghna Rajasekhar habe über zwei Tage lang im Wasser getrieben, an einer ausgerissenen Tür, an einem treibenden Baumstamm und einem Sack festgekrallt, bevor es dem Kind gelungen sei, endlich an Land zu kommen, berichtet ein örtlicher Beamter. „Schildkröten und Schlangen sind dem Mädchen in der Nacht im Wasser begegnet“, sagt Gebietsverwalter Ram Kapse. An Land hätten die Leute dem Kind etwas Kokosmilch und etwas zu Essen gegeben, dann sei das Mädchen ins Auffanglager gebracht worden.

Colombo: Der jordanische Tourist Ahmed Hmoud hatte es sich am Hotel-Pool an der palmengesäumten Südküste Sri Lankas gemütlich gemacht, als die Welle kam. Er und seine Frau wurden durch den Hotelgarten gespült, bevor sie sich an einem der oberen Stockwerke des Hauses festkrallen konnten. Leichen, Gepäckstücke, Möbel und selbst ein Traktor trieben unter ihnen vorüber. Sein Sohn und seine künftige Schwiegertochter, die in Sri Lanka heiraten wollten, wurden aus ihrem Hotelzimmer gerettet.

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