Analyse
Ahmadinedschads schlauer Schachzug

Bisher hatten sich die USA einem direkten Kontakt mit Iran konsequent verweigert. Doch mit dem Brief des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an George Bush wird es für Washington schwieriger werden, diese Position zu halten.

HB WASHINGTON. Die USA argumentierten stets, dass nicht die USA ein Problem mit dem Iran hätten, sondern vielmehr die Iraner mit ihrem Atomprogramm ein Problem mit der gesamten Welt. Der natürliche Adressat sei deshalb die UN-Atomenergiebehörde IAEA und die Vereinten Nationen – nicht aber nur Washington.

„Warum sollen wir mit direkten Gesprächen den Iran jetzt für sein schlechtes Verhalten belohnen, wenn wir das auch in der Vergangenheit nicht getan haben?“, erklärt Karim Sadjadpour von der International Crisis Group (ICG) in Washington die Linie der Bush-Administration. Dies würde dem Regime in Teheran nur Legitimation verleihen. Zudem: „Warum sie überhaupt für etwas belohnen, was sie ohnehin tun müssen?“ Nämlich sich an die Regeln des Atomwaffensperrvertrags und die Abmachungen mit der IAEA halten.

Gleichwohl ist es kaum vorstellbar, dass die Bush-Administration den iranischen Vorstoß tatsächlich alleine mit dem Hinweis abtun kann, es handele sich um einen Trick. Denn auch wenn man die – für den Iran nicht so ungewöhnliche – ausschweifende Rhetorik des Briefes abstreicht, so wird deutlich, dass es in dem Schreiben vor allem um eines geht: um Fragen der Sicherheit im Mittleren Osten.

Aus iranischer Sicht befindet sich das Land spätestens mit dem Einmarsch der Amerikaner im Irak von Feinden, von den USA und Israel, umgeben. Die einzigen, die eine Sicherheitsgarantie für Teheran abgeben können sind daher die Amerikaner. Und die einzige Möglichkeit, sich diese Sicherheit zu verschaffen ist entweder, das Druckmittel der Atomtechnologie einzusetzen, um Garantien zu erhalten. Oder aber tatsächlich die Atomtechnik zu erwerben, um ein Abschreckungsmittel zu besitzen.

Sandy Berger, von 1997 bis 2001 Sicherheitsberater von Präsident Bill Clinton, hat jetzt dazu aufgerufen, den direkten Dialog mit Teheran zu suchen. Sein Vorschlag: Die USA machen dem Iran ein Gesprächsangebot. Doch sollte dies von der iranischen Führung abgelehnt werden, folgen Sanktionen. Darauf sollten sich die Sicherheitsratsmitglieder verständigen. Auf diese Weise könnte getestet werden, ob es Teheran tatsächlich ernst meint, die Krise lösen zu wollen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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