Analyse des Merkel-Besuchs
„Obama sieht Deutschland als globale Führungsmacht“

Präsident Obama hat Kanzlerin Merkel die Freiheitsmedaille verliehen. Alles ohne Gegenleistung? Nein. US-Experte Henning Riecke erläutert im Interview, was die Amerikaner von Deutschland erwarten. Von GERO BRANDENBURG.
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Düsseldorf/BerlinHerr Riecke, offiziell wird Merkels Besuch bei Obama von beiden Seiten als großer Erfolg gewertet. Ist das deutsch-amerikanische Verhältnis nun wieder ungetrübt?

Das persönliche Verhältnis Merkel-Obama bringt zwei zwei unideologische Pragmatiker zusammen. Da muss es nicht die ganze Zeit herzlich hergehen. Obama schätzt an Merkel, dass sie auch tut, was sie ankündigt. Wichtig ist der Blick auf die Grundlagen der Beziehung. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind stabil und beruhen auf wirtschaftlicher und politischer Vernetzung. Trotzdem gibt es strukturelle Differenzen - die Rolle des Militärs in der Außenpolitik, die Bedeutung des Völkerrechts - die zu Konflikten geführt haben und führen werden. Dahinter steht auch die unterschiedliche Perspektive - die USA wollen ihre Position als Supermacht erhalten, die Deutschen blicken kaum über Europa hinaus. Die USA waren über den Partner Deutschland bei aller Zusammenarbeit oft frustriert.

Was hat die USA besonders verärgert?

Die Streitpunkte lagen vor allem in Afghanistan. Den Amerikanern missfiel der starre Fokus der Bundeswehr auf das Regionalkommando Nord, die misslungene Polizeiausbildung, das Gezerre um die AWACS. Unter Ex-Präsident Georg W. Bush war das Appeasement gegenüber Russland ein Streitpunkt. Insgesamt wurde die Neinsager-Mentalität der Deutschen in der Nato kritisiert, die bei der funktionalen und geographischen Ausweitung der Kompetenzen und den Einsätzen der Nato Responce Force, der Nato-Eingreiftruppe, deutlich wurde.

Mit Obama, seinem kooperativeren Verhältnis zu Russland und der überarbeiteten Strategie in Afghanistan haben sich diese Konflikte entspannt, sind aber nicht verschwunden. Heute sind es die wirtschaftlichen Ungleichgewichte, die bei Obama oben auf der Agenda stehen - er muss sich um Entschuldung und um Arbeitsplätze bemühen, braucht mehr Export - hier steht er mit Deutschland und den Europäern in Konkurrenz.

Welches Zeichen will Obama setzen, wenn er Merkel die Freiheitsmedaille verleiht?

Die Medal of Freedom und der damit verbundene Pomp stellen die größtmögliche Ehrung dar. Vor Merkel hat als deutscher Politiker nur Helmut Kohl die Freiheitsmedaille bekommen. Das ist ein starkes Signal der Wertschätzung für den Gast mit Blick auf Merkels Biographie. Es signalisiert aber auch die Erwartungen.

Obama ist davon überzeugt, dass die Deutschen ein besserer Partner sind, wenn sie eine Führungsrolle übernehmen können. Innenpolitisch will Obama sicher auch auf seine starken Alliierten hinweisen - Deutschland ist immerhin gut aus der Krise gekommen. Allerdings haben die Deutschen bei den Amerikanern, vor allem bei den Republikaner, keinen besonders guten Ruf als zuverlässige Partner - wegen unseres Zögerns beim Einsatz der nötigen Machtmittel für ordnungspolitische Aufgaben: Die Währung für außenpolitische Freundschaft ist auch militärische Beteiligung. Der Libyen-Konflikt hat dieses Vorurteil bestätigt.

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  • @Heinrich...Doch sie sind links!!! aber 100% Wenn sie nicht links wären hätten sie dem Joachim nicht geantwortet!

  • @joachim Darf ich mal fragen wie lange noch. Passt doch genau zum Thema Globales. Im Zuge der Globalisierung werden wir Produktionen dahin verlegen, wo die Ware auch überwiegend gekauft wird. WV vs Golf. Der Auto-Käufer in Deutschland finanziert die Dumpingpreise im Ausland und kann sich gleiches Produkt hier kaum noch leisten! Und diese Tatsache hat nichts mit „links“ zu tun. Nur mit gesundem Denkvermögen. Ola.

  • Jetzt haben sich aber zwei getroffen, die uns ihren Bullshit als Absolution verkaufen wollen. Frage: Warum ist denn die USA so eklatant verschuldet? Weil die USA jährlich über 700 Milliarden US$ in die Rüstung, Kriege und sonstige menschenunwürdige Maßnahmen stecken und gar nicht merken, dass diese Kosten die USA auffressen. Der kleine Mann in den USA hat noch gar nicht geschnallt, was in den nächsten Jahren alles auf ihn zukommt. Aber der stinkreiche Elite unter den US-Bürgern ist das völlig egal. Der Profit zählt und nicht das Allgemeinwohl. Und wir hecheln unbedacht diesem Phänomen hinterher. Deutscher Michel stell den Wecker. Es wird langsam Zeit!!!

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