Analyse des Merkel-Besuchs

„Obama sieht Deutschland als globale Führungsmacht“

Präsident Obama hat Kanzlerin Merkel die Freiheitsmedaille verliehen. Alles ohne Gegenleistung? Nein. US-Experte Henning Riecke erläutert im Interview, was die Amerikaner von Deutschland erwarten. Von GERO BRANDENBURG.
14 Kommentare
Wie US-Präsident Obama seine Freundin Angela ehrt
US-Freiheitsmedaille wird an Angela Merkel verliehen
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Präsident Barack Obama überreicht Bundeskanzlerin Merkel im Weißen Haus in Washington die Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung in den USA.

US-Freiheitsmedaille wird an Angela Merkel verliehen
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Nach der Verleihung der Auszeichnung hält Merkel vor den Gästen im Garten eine Rede.

US-Freiheitsmedaille wird an Angela Merkel verliehen
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Anschließend werden den Gästen die Speisen gereicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast in Washington
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Auf die Teller kommt Thunfisch-Tatar mit Roggen-Kräckern und Petit-Filet mit Maryland-Krabbenravioli.

Obama US Germany
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Zum Dessert gibt es Strudel - verfeinert mit Käse aus dem US-Staat Vermont.

US-Freiheitsmedaille wird an Angela Merkel verliehen
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Rund 250 Gäste sind zum Staatsbankett geladen. Unter den Anwesenden waren auch Architekt Daniel Libeskind, der frühere Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Entertainer Thomas Gottschalk und Bundesaußenminister Guido Westerwelle.

US Germany
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Mächtige Frauen: Angela Merkel prostet vergnügt US-Außenministerin Hillary Clinton zu.

Düsseldorf/BerlinHerr Riecke, offiziell wird Merkels Besuch bei Obama von beiden Seiten als großer Erfolg gewertet. Ist das deutsch-amerikanische Verhältnis nun wieder ungetrübt?

Das persönliche Verhältnis Merkel-Obama bringt zwei zwei unideologische Pragmatiker zusammen. Da muss es nicht die ganze Zeit herzlich hergehen. Obama schätzt an Merkel, dass sie auch tut, was sie ankündigt. Wichtig ist der Blick auf die Grundlagen der Beziehung. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind stabil und beruhen auf wirtschaftlicher und politischer Vernetzung. Trotzdem gibt es strukturelle Differenzen - die Rolle des Militärs in der Außenpolitik, die Bedeutung des Völkerrechts - die zu Konflikten geführt haben und führen werden. Dahinter steht auch die unterschiedliche Perspektive - die USA wollen ihre Position als Supermacht erhalten, die Deutschen blicken kaum über Europa hinaus. Die USA waren über den Partner Deutschland bei aller Zusammenarbeit oft frustriert.

Was hat die USA besonders verärgert?

Die Streitpunkte lagen vor allem in Afghanistan. Den Amerikanern missfiel der starre Fokus der Bundeswehr auf das Regionalkommando Nord, die misslungene Polizeiausbildung, das Gezerre um die AWACS. Unter Ex-Präsident Georg W. Bush war das Appeasement gegenüber Russland ein Streitpunkt. Insgesamt wurde die Neinsager-Mentalität der Deutschen in der Nato kritisiert, die bei der funktionalen und geographischen Ausweitung der Kompetenzen und den Einsätzen der Nato Responce Force, der Nato-Eingreiftruppe, deutlich wurde.

Mit Obama, seinem kooperativeren Verhältnis zu Russland und der überarbeiteten Strategie in Afghanistan haben sich diese Konflikte entspannt, sind aber nicht verschwunden. Heute sind es die wirtschaftlichen Ungleichgewichte, die bei Obama oben auf der Agenda stehen - er muss sich um Entschuldung und um Arbeitsplätze bemühen, braucht mehr Export - hier steht er mit Deutschland und den Europäern in Konkurrenz.

Welches Zeichen will Obama setzen, wenn er Merkel die Freiheitsmedaille verleiht?

Die Medal of Freedom und der damit verbundene Pomp stellen die größtmögliche Ehrung dar. Vor Merkel hat als deutscher Politiker nur Helmut Kohl die Freiheitsmedaille bekommen. Das ist ein starkes Signal der Wertschätzung für den Gast mit Blick auf Merkels Biographie. Es signalisiert aber auch die Erwartungen.

Obama ist davon überzeugt, dass die Deutschen ein besserer Partner sind, wenn sie eine Führungsrolle übernehmen können. Innenpolitisch will Obama sicher auch auf seine starken Alliierten hinweisen - Deutschland ist immerhin gut aus der Krise gekommen. Allerdings haben die Deutschen bei den Amerikanern, vor allem bei den Republikaner, keinen besonders guten Ruf als zuverlässige Partner - wegen unseres Zögerns beim Einsatz der nötigen Machtmittel für ordnungspolitische Aufgaben: Die Währung für außenpolitische Freundschaft ist auch militärische Beteiligung. Der Libyen-Konflikt hat dieses Vorurteil bestätigt.

Deutschland soll endlich Führung übernehmen
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14 Kommentare zu "Analyse des Merkel-Besuchs: „Obama sieht Deutschland als globale Führungsmacht“"

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  • @Heinrich...Doch sie sind links!!! aber 100% Wenn sie nicht links wären hätten sie dem Joachim nicht geantwortet!

  • @joachim Darf ich mal fragen wie lange noch. Passt doch genau zum Thema Globales. Im Zuge der Globalisierung werden wir Produktionen dahin verlegen, wo die Ware auch überwiegend gekauft wird. WV vs Golf. Der Auto-Käufer in Deutschland finanziert die Dumpingpreise im Ausland und kann sich gleiches Produkt hier kaum noch leisten! Und diese Tatsache hat nichts mit „links“ zu tun. Nur mit gesundem Denkvermögen. Ola.

  • Jetzt haben sich aber zwei getroffen, die uns ihren Bullshit als Absolution verkaufen wollen. Frage: Warum ist denn die USA so eklatant verschuldet? Weil die USA jährlich über 700 Milliarden US$ in die Rüstung, Kriege und sonstige menschenunwürdige Maßnahmen stecken und gar nicht merken, dass diese Kosten die USA auffressen. Der kleine Mann in den USA hat noch gar nicht geschnallt, was in den nächsten Jahren alles auf ihn zukommt. Aber der stinkreiche Elite unter den US-Bürgern ist das völlig egal. Der Profit zählt und nicht das Allgemeinwohl. Und wir hecheln unbedacht diesem Phänomen hinterher. Deutscher Michel stell den Wecker. Es wird langsam Zeit!!!

  • Natürlich weiß ich nichts über Ihre "Vergangenheit", aber Deutschland ist schon jetzt eine (Wirtschafts-)Führungsmacht in der Welt, da ändern auch rückwärtsdenkende linke Kommentare nichts.

  • Es tut gut, zwischenzeitlich auch einmal einen sachliche Kommentar zu lesen.

  • Deutschland als globale Führungsmacht? Mit unserer Vergangenheit könnten wir uns da ganz schnell bei unseren Nachbarn vergaloppieren. Ich glaube dem lieben Herrn Obama ist deutsche Geschichte ein Buch mit sieben Siegeln, sonst würde er nicht solche unsinnigen Forderungen an das deutsche Volk stellen. Deutschland über alles hatten wir doch schon mal. Vorsichtig Herr Obama. Ihnen fehlt anscheinend ein gewisses Maß an Weitsichtigkeit. Eine Brille kann Ihnen da auch nicht helfen. Aber sie sollten mal unverfälschte Geschichtbücher welzen und so ihren Horizont erweitern. Europa ist nicht die USA.

  • Angela Merkel bekam den Orden wegen ihrer verdientstvollen Beiträge für die nationale Sicherheit der USA und für ihre aktiven Bemühungen um die nationalen Interessen der USA. Angesichts der Tatsache, dass die Dame ja deutsche Bundeskanzlerin ist, mag das zunächst etwas verwundern, aber Deutschland ist eben kein unabhängiges freies Land sondern befindet sich immer noch in einer Nachbesatzungszeit, zumal es ja auch keinen Friedensvertrag gibt.

  • Bei der Haushaltlage schmieren die jedem Honig ums Maul.
    Aber bei den Deutschen tragen sie mit diesem Kommentar nun doch ein bischen zu dick auf.
    Da fühlt man sich fast schon ein bischen beleidigt.

  • Ich wünsche mir George W. Bush zurück. Im vergleich zu diesem Herrn Obama erscheint der mir retrospektiv mittlerweile richtiggehend sympathisch. 2004 habe ich mir drüben ein schickes Bush T-shirt "Impeach the terrorist" zugelegt - ein Obama T-shirt "Impeach the Predator" wäre heute allerdings deutlich treffender

  • Es ist eine noble Geste des Präsidenten gewesen,die Kanzlerin zu dieser außergewöhnlichen Ehrung nach Washington einzuladen.Dabei hat es die Kanzlerin verstanden,den amerikanisch-deutschen Beziehungen neue Impulse zu vermitteln.
    Viele hierzulande sind transatlantisch geprägt,weil ihnen tief bewußt ist,dass Amerika seit den Befreiungskriegen nicht nur auf die Deutschen eine große Faszination ausgeübt hat,sondern vor allem unsere Befreiung aus dem Dritten Reich erkämpft und die politische Umstrukturierung von Adenauer an bis zur Wiedervereinigung 1990 nach Kräften unterstützt hat.Unvergessen bleibt das vertauensvolle Verhältnis Kanzler Kohls zur Präsident G.Bush als Nucleus des politischen Prozesses.
    Diese wechselseitige Wertschätzung wünschen sich viele zum Nutzen beider Länder und ihrer Bürger zurück,nachdem heutzutage vielfach veröffentlicht ein völlig unbegründetes US-Bashing gefördert wird,wie ganz eklatant in Sachen Irakkrieg war,auch wenn man Gründe hatte,sich daran nicht zu beteiligen!
    Insoweit kann man diesen Besuch nur begrüßen!

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