Analyse
Großbritanniens gefährlicher Traum vom EU-Austritt

David Cameron ist klare Antworten auf Europa-Fragen bislang schuldig geblieben. Das fordert seine Kritiker heraus. Ihr Plan für ein EU-Referendum ist der kühnste Vorstoß britischer Europaskeptiker seit 25 Jahren.
  • 26

Seit den Schlachten des Tory-Premiers John Major um den Maastrichter Vertrag hat man Vergleichbares nicht gesehen. Der Europa-Streit, der die Tory-Partei schon so oft zerrissen hat, holt nun auch David Cameron ein.
Angesichts der existenziellen Gefahr für die Euro-Zone ist diese Debatte ein Nebenschauplatz. So sehen es die Parteiführer von Labour, den Tories und den Liberaldemokraten, die den Antrag in seltener Einmütigkeit und mit schärfstem Fraktionszwang zu Fall bringen wollen. Europas Wirtschaft wird vom Feuersturm der Schuldenkrise bedroht, da wäre es absurd, mit Rückzugsdrohungen ausgerechnet jetzt Öl in die Flammen zu gießen. Cameron hat schon mit dem britischen Defizit genug zu tun. Seine Koalition würde nicht einmal die Vorbereitungen eines Referendums überleben.

Alle wissen, dass es sich um einen Schaukampf handelt. Die Euro-Skeptiker unter den Konservativen verschaffen ihrem Europa-Frust Luft und erteilen ihrem Parteichef einen Denkzettel. Die Hinterbänkler-Debatte, ausgelöst durch eine von 100.000 Europamüden unterzeichnete "E-Petition", verpflichtet die Regierung zu nichts. Cameron und erst recht sein Vize, der europaloyale Liberaldemokrat Nick Clegg, können daher eigentlich ignorieren, was im Unterhaus abläuft.

Und doch wird diese Konfrontation Camerons weitere Regierungszeit prägen. Denn langfristig gibt sie die Richtung vor. Und sie trifft die Stimmung im Land. 81 Prozent der Tory-Wähler wollen das Referendum, über 70 Prozent der Briten wollen entweder aus der EU austreten oder größere Distanz zu ihr. Die Briten träumen wieder davon, auf alle Segnungen der EU außer der großen Freihandelszone zu verzichten. Nie war der Ruf nach einer demokratischen Legitimation der britischen Europa-Zugehörigkeit so laut.

Neu ist, dass die Europa-Skeptiker nicht mehr insulare Sonderlinge sind wie früher. Ihre Warnungen haben sich als prophetisch erwiesen. Das Land ist ihnen dankbar und denkt mit Schaudern daran, wo es heute nach den Bankenrettungen als Euro-Mitglied stünde. Sogar bei den Europhilen von einst hat das Projekt Europa seine visionäre Faszination verloren. Nicht einmal die Liberaldemokraten sprechen noch davon, den Euro einzuführen.
Die Briten wissen, dass die Euro-Krise auf eine Lösung drängt und dass in diese Lösung unweigerlich die Neubestimmung ihres Verhältnisses zur EU verpackt ist.

Seite 1:

Großbritanniens gefährlicher Traum vom EU-Austritt

Seite 2:

Camerons Manko: Parteimanager statt Parteiführer

Kommentare zu " Analyse: Großbritanniens gefährlicher Traum vom EU-Austritt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @margrit117888

    "Wir müssen endlich zurück zu den Wurzeln"

    Schicken Sie uns eine Postkarte, wenn Sie wieder auf den Bäumen hausen.

  • Herzlichen Glückwunsch, sie haben die Zeichen der Zeit erkannt. Keine Kommentare kann man nur mit dem Stichwort "absolut keine Ahnung" bezeichnen.

  • @M.Deyanaron

    Bevor Sie Unsinn verzapfen sollten Sie sich erst ein mal informieren und andere nicht "Verschwörungstheoretiker" schimpfen. Es ist erwiesen, daß Fr. Merkel bei der Bilderberg Konferenz in Rottach Egern im Mai 2005 anwesend war. Das war ca. 5 Monate bevor sie Bundeskanzlerin wurde. Obama und Hilary Clintan waren im Sommer 2008 zusammen bei der Bilderberg Konferenz in Chantilly (USA, nähe Washington D.C.). ein paar Wochen später trat Clinton von ihrer Kandidatur zurück. Zufall? Rompuy und diese Dame Ashton wurden in einer kleinen Runde anlässlich eines Dinners vom innersten Bilderberg Kreis zu dem gemacht, was sie heute sind.
    Das EU Parlament durfte dann die Nominierung nur noch abnicken. Was hat das EU Parlament denn überhaupt noch zu reden? Was dem Faß den Boden aussschlägt ist folgendes. Es nehmen an den Bilderberg Konferenzen regelmäßig
    Chef- und stellvertretende Chefredakteure bedeutender überregionaler Zeitungen teil. Diese nehmen teil, müssen aber schweigen. Noch schlimmer, der stellvertretende Chefredakteur der ZEIT nimmt nicht nur regelmäßig Teil, sondern sitzt auch noch im sog. "Steering Comitee". Noch Fragen? Also wen wunderst, daß Fr. Merkel im Herbst 2005 Bundeskanzlerin wurde. Übrigens einige der Ober-Bilderberger sind D. Rockefeller und H. Kissinger.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%