Analyse nach Paris-Anschlägen
Das neue Muster des Terrors

Die Anschlagsserie in der französischen Hauptstadt hat auch die Sicherheitslage in Deutschland dramatisch verändert. Es werden wahllos Menschen umgebracht, um Angst und Schrecken zu verbreiten.

BerlinAm 10. Oktober sterben bei einem Bombenanschlag in Ankara fast 100 Menschen. Am 31. Oktober stürzt über der Sinai-Halbinsel ein russisches Passagierflugzeug ab und reißt 224 Menschen in den Tod. Ursache war vermutlich ein Bombenschlag. Am vergangenen Donnerstag sterben bei zwei Selbstmordanschlägen in Beirut mehr als 40 Menschen. Und jetzt das Massaker von Paris mit mehr als 150 Toten.

Der Terror ist nicht zurück, er war nie weg. Noch wissen wir nicht, wie viele dieser Anschläge auf das Konto von islamischen Extremisten gehen. Die Sicherheitsbehörden haben vor allem den Islamischen Staat (IS) unter Verdacht. Und der französische Präsident hat die Anschläge von Paris gerade als eine „Kriegserklärung“ des IS verdammt. 

Am Mittag bekannte sich der IS zu der nächtlichen Terrorwelle. Damit hat sich die Sicherheitslage auch in Deutschland noch einmal dramatisch verändert. Vor allem die Gräueltaten in Paris zeigen eine neue Dimension des Terrors. Hier geht es nicht mehr um Angriffe auf Symbole des Westens wie auf die Zwillingstürme in New York am 11. September 2001 oder auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ am 7. Januar diesen Jahres. Hier werden wahllos Menschen umgebracht mit dem alleinigen Ziel, Angst und Schrecken zu verbreiten.

New York hat es vorgemacht, Paris muss jetzt folgen

Wie sollen wir, wie sollen unsere Regierungen auf diese neue Herausforderung reagieren? Rudi Giuliani forderte kurz nach den Anschlägen vom 11. September  die New Yorker auf, in die Restaurants zu gehen, Theater zu besuchen, auf öffentlichen Plätzen ihr Gesicht zu zeigen. Die Botschaft sollte sein: Selbst der schlimmste Terror wird uns nicht davon abhalten, unser Leben in Freiheit zu leben. Das mag im Moment grotesk, ja fast unmenschlich klingen. Und doch ist es ein wichtiger Teil der jetzt notwendigen Antwort der Zivilgesellschaft. Gerade in Paris, eine Stadt, die wie vielleicht keine andere Freiheit, Liebe und Lebensfreude symbolisiert. New York hat es vorgemacht, Paris muss jetzt folgen. Auch wenn es weh tut.

Der zweite Teil unserer Antwort betrifft den Umgang mit dem Terrorismus. Seit dem 11. September 2001 sind jetzt mehr als 14 Jahre vergangen. Amerika hat zwei Kriege geführt, der Westen insgesamt hat mit viel Geld, Militär, Opfern und politischem Druck versucht, die Hydra des Terrors zu besiegen. Doch immer wieder sind ihm neue Köpfe gewachsen, hat sich das Gesicht des Terrors verändert. Wer gedacht hat, die Taten von El-Qaida seien der Gipfel der Unmenschlichkeit, weiß seit dem Massaker von Paris, dass die Grausamkeit scheinbar keine Grenzen kennt.

Noch mehr Engagement in den Krisenregionen

Um dem wirksam begegnen zu können, braucht es Klugheit, Härte und Entschlossenheit. Klug ist es, die eigenen Grenzen besser zu schützen. Die Menschlichkeit im Angesichts der Flüchtlingskrise ist aller Ehren wert, aber sie darf nicht kopflos sein. Konkret: Wir müssen wissen, wer in unser Land kommt.

Härte ist gegenüber all jenen notwendig, die sich nicht an die Spielregeln einer offenen Gesellschaft halten wollen. Das gilt für Neuankömmlinge ebenso wie für ewig Gestrige. Und entschlossen müssen wir den Terror auch dort bekämpfen, wo er sich ausbreitet, das heißt in seiner Brutstätte. Für Europa und Deutschland bedeutet das: noch mehr Engagement in den Krisenregionen. Nicht nur wirtschaftlich und humanitär, sondern auch militärisch. Und es bedeutet, auch mit Moskau, Peking und Teheran zusammenzuarbeiten, wo unsere Interessen das gebieten.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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