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Analyse: Peking will die Dollar-Dominanz knacken

Durch das Devisenabkommen mit Japan verpflichtet sich China indirekt zu einer Reform seines Devisensystems. Dies könnte die globale Finanzarchitektur verändern.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk ist Handelsblatt-Korrespondent in Peking.

Es ist nur eine Absichtserklärung - doch sie hat weitreichende Symbolwirkung: China und Japan wollen demnächst im gegenseitigen Handel den Dollar außen vor lassen und ihre Geschäfte in Yuan und Yen abwickeln. Das liefert einen weiteren Beweis für die neue Stärke Chinas. Einst wollte Japan den Yen zur zweiten Leitwährung nach dem Dollar machen - jetzt erkennt Tokio an, dass der größere Nachbar sich zumindest in der Region mit dem Yuan durchsetzen wird.

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Die neue Währungskonkurrenz wächst in Asien zu einer Zeit heran, in der die Zukunft des Euros unsicherer aussieht denn je. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass Notenbanken rund um den Globus das Auftauchen der europäischen Konkurrenten für den Dollar enthusiastisch begrüßt haben. Doch wer will langfristig Bestände in einer Reservewährung anlegen, deren Fortbestand in Zweifel steht? China macht sich bereit, in die Lücke vorzustoßen. Durch die EU-Krise hat der Yuan in der Wahrnehmung verblüffend schnell aufgeholt, obwohl er nicht einmal frei handelbar ist.

Das Abkommen mit Japan ist nur eines von vielen, die China zuletzt eingegangen ist. Unternehmen aus zahlreichen anderen Schwellenländern können mit Geschäftspartnern in der zweitgrößte Volkswirtschaft bereits direkt in Yuan handeln. Gerade Länder, die auf die USA nicht gut zu sprechen sind, ärgert es schon länger, im Handel auf den Dollar angewiesen zu sein. Iran und Venezuela beispielsweise finden den Gedanken attraktiv, sich Öllieferungen in Yuan bezahlen zu lassen und damit umgekehrt Industriewaren aus China zu bezahlen.

Doch nicht nur die Außenseiter sind dabei. Peking bereitet entsprechende Abkommen auch mit den südostasiatischen Staaten wie Thailand vor. Die Großbank HSBC schätzt, dass China schon 2015 mehr als die Hälfte seines Handels in der eigenen Währung abwickelt. Schon heute fließen beim Warenaustausch größere Summen in Yuan als in britischen Pfund. Tatsächlich hat sich mit der aktuellen Absprache zwischen China und Japan nicht viel geändert. Schon seit 2010 können Banken auch außerhalb Chinas Yuan-Konten führen. Nicht nur japanische, auch deutsche Firmen könnten direkt in Yuan handeln. Die Regierungschefs beider Länder haben die Absicht zur Nutzung dieser Instrumente nur bekräftigt.

Devisen

Doch die Bedeutung des Abkommens reicht weiter. Peking verpflichtet sich mit diesen Verträgen indirekt zur Reform des eigenen Devisensystems. Denn bisher ist die Geldmenge, die durch die Handelsabwicklung außer Landes gelangen darf, streng reguliert. Auch können Banken in Frankfurt und Tokio die chinesische Devise nur in einer umständlichen Prozedur in Euro oder Yen tauschen. Dazu kommt, dass sie in einem engen Preisband an die US-Währung gekoppelt ist - für die Geschäftspartner bleibt das Dollar-Risiko erhalten. Doch Experten sind sich einig: Wenn China sein Devisensystem endlich öffnet, kann es die Dominanz des Dollars knacken.

Die Chinesen versprechen sich davon auch eine stabilere Architektur der Weltfinanzen. Wenn es den USA schlechtgeht, müssen nicht alle mitleiden. So gesehen ist das Bemühen Chinas um die Internationalisierung des Yuans zu begrüßen. Vermutlich werden künftig auch mehr deutsche Unternehmen ihren Chinahandel in Yuan abwickeln. Ein erfreulicher Nebeneffekt einer Yuan-Freigabe wird die Aufwertung des Yuans sein - das bedeutet höhere Exportchancen auch für die Europäer. Zugleich sollte der konsequente Ausbau des "Yuan-Systems" ein Ansporn für Europas Politiker sein, den Euro auf sichere Füße zu stellen.

  • 28.12.2011, 21:58 UhrAnonymer Benutzer: mono

    Vielleicht sollte die Überschrift besser lauten: "Peking wird die Dollar-Dominanz knacken."

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