Analyse zum Inselstreit
China lässt die Muskeln spielen

Japan und China lassen die Säbel rasseln um ein paar Felsen im Meer. Doch dabei geht es um mehr. Militärische Konflikte in Ostasien könnten auch in Deutschland für Unruhe sorgen.
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TokioIch bin ein Kind des Kalten Krieges. Im Grundschulalter lernte ich, Notflughäfen auf der Autobahn zu identifizieren, als Teenager, amerikanische Atomwaffendepots in der Bremer Umgebung. Ich wuchs auf mit der Angst vor einem Atomkrieg aus Versehen – und den Demonstrationen für Frieden und Abrüstung. Doch, so paradox es klingt, nie habe ich mich unsicherer gefühlt als seitdem ich im Jahr 2000 nach Japan kam.

In Europa hatte ich irgendwie das Gefühl, dass beide Seiten angesichts der fatalen Folgen eines Krieges letztlich rational handeln würden, in Ostasien hingegen schon damals nicht. Militärisch herrschte zwar Frieden und wirtschaftlich Aufbruchsstimmung. Die Vernetzung der asiatischen Volkswirtschaften galoppierte voran. Aber ich erlebte und erlebe in China, Japan und Südkorea auch eine Region, in der tiefes Misstrauen regiert, teilweise gar aufrichtiger, nationalistischer Hass Hirne vernebelt und Herzen vergiftet.

Mehr noch: Anders als in dem waffenstarrenden Europa meiner Jugend gab und gibt es bis heute keine gemeinsamen Sicherheitsmechanismen, in denen die Nationen wenigsten versuchen, Vertrauen zu bilden. Es existieren kaum Kontakte zwischen den Militärs und nicht einmal direkte einmal direkte Telefonverbindungen zwischen den Führern der Hauptkontrahenten Japan und China, um im Zweifel mal nachzufragen, ob das wirklich Raketen sind, die da möglicherweise auf Radarschirmen aufblippen. Im Übermaß sind nur mit zunehmender Hitzigkeit ausgetragene Gebietskonflikte und Geschichtskriege vorhanden.

Damals besänftigte ich dieses Unbehagen noch mit dem Gedanken, dass Japan nicht den Willen und China nicht die Fähigkeiten für einen erneuten Waffengang besaßen. Doch diesen Trost haben wir längst nicht mehr. Anders als zur Jahrtausendwende verfügt China inzwischen nicht nur über Atombomben, sondern auch eine hochseetaugliche Marine, über U-Boote, moderne Raketen und eine schlagkräftige Luftwaffe. Zudem sind die Führer und Generäle inzwischen auch bereit, militärisch die Muskeln spielen zu lassen, um die Festigkeit der US-japanischen Militärallianz zu testen.

China startet neue Etappe der Eskalation

Am 23. November dehnte China überraschend seine militärische Luftraumüberwachungszone über Gegenden aus, die Japan und Südkorea als Hoheitsgebiete ansehen. Zivile und militärische Flugzeuge, die den internationalen Luftraum überqueren, sollten gefälligst ihre Flugrouten vorab den chinesischen Behörden melden, meint Peking.

Die Nachbarn und die USA reagierten daraufhin mit harschem Protest und missachten die Zone. Schließlich überlappt sich die Zone nicht nur mit schon bestehenden Luftsicherheitszonen. Sie erstreckt sich auch über unbewohnte Felseninseln, die Japan seit mehr als 100 Jahren sein Eigen nennt und China erst seit 40 Jahren offen beansprucht. Auch ein von Südkorea beanspruchtes Riff hat China mit eingeschlossen. Die Heimat von Hyundai und Samsung will daher sogar seine eigene Luftsicherheitszone erweitern. Die Säbelrassler auf allen Seiten befinden sich im Freudentaumel.

Kommentare zu " Analyse zum Inselstreit: China lässt die Muskeln spielen"

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  • ..............wo sind die erklärenden, einleuchtenden Kommentare zu dem was da in Asien geschieht. Mein Gott wie mager bzw.überhaupt nix (nichts)......
    Nur so viel.....es ist Krieg, kein wirklicher, sondern ein Krieg mit anderen Mitteln. Wieso, warum und wie? Nun, es geht um die psychologische Kriegsführung, also
    der Krieg mit Worten und wenigen Taten. Es geht um die Vorherrschaft in Asien, die die Chinesen für sich in Anspruch nehmen und nehmen wollen. Es ist der alte Traum der Chinesen, die gelbe Rasse, als herrschende, an erster Stelle zu sehen und zu haben. Es wird niemals einen Krieg geben, niemals. Sie haben alle die A-Bombe, also macht man Krieg mit obengenannten Komponenten. Man schauhe nur in eine chinesische Maske (Gesicht). Man kann nichts erkennen, keine Gefühle, keine Regung, was verbirgt sich dahinter? Alles ungewiß. Sie sind ein Meister der psychologischen Kriegsführung, und genau so die Japaner. Also spielen die Chinesen ihre Macht im Gehorchen der gegebenen Vorgaben aus? Ja, so ist es. Es sind Bewegungen in kleinen Schritten, ohne einen Schuß abgeben zu müssen. Wie geht´s weiter? Die Art des Umgangs wird weiter von ihnen betrieben, verfeinert, gedückt, gemahnt, geschoben, um eines Tages sich dort festzusetzen, wo andere auch hinwollten. Also werden sich die Japaner fügen müssen? Vielleicht. Sind diese Inseln im chinesischen Meer weit weg von Japan und schon rein optisch mehr den Chinesen zugehörig sein müssten. Also getöse? Ja, und vor allen Dingen Disziplinierung der anderen beiden Protagonisten, den USA und Japan. Was kann man lernen von den Chinesen? Ausdauer, beharrlichkeit, Zeit zu haben, und zwar ohne Ende..............

  • Wenn deutsche Polit-Banditen sich in Asien einmischen, dann steht Amerika dahinter.
    Amerika möchte Krieg, da sie in Asien hoch verschuldet sind und nicht zahlen möchten. So wie es ein amerikanisches Kind schon zum Ausdruck brachte....wir erinnern uns?

  • Vielleicht sollte man noch einen anderen Aspekt bei den Parallelen hinzuziehen, der in unseren Geschichtsbüchern auch immer gerne vergessen wird.

    Beispiel: Hitler tobte über das Münchner Abkommen, er wollte den Krieg nicht nur, er brauchte ihn, weil er pleite war!

    Jetzt glauben unsere Finanzanalysten ja noch das China super da steht... aber das glauben die immer, selbst wenn die Blase schon platzt. China hat hohe Militärausgaben, eine Immobilienblase und eine Vielzahl von Fehlinvestitionen... da hilft alles was die Nation zusammenschweisst.

    Die USA sind zwar auch pleite, drucken aber ihre Dollars halt einfach nach. Da besteht aktuell kein Handlungsbedarf... aber auch kein Grund nachzugeben.

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