Analyse zum Rückzug Hollandes Die Republik köpft ihre früheren Favoriten

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Ruhestand für drei vermeintlich sichere Bewerber
Hollande mit seinem Premier Valls. Quelle: AP
Wechsel an der Spitze

Hollande mit seinem Premier Valls.

(Foto: AP)

Seit Anfang des Jahres ist wenigstens die Arbeitslosigkeit gesunken. Sie liegt aber immer noch über dem Wert vom Mai 2012, als Hollande die Regierung übernahm. Die Reform des Arbeitsrechts wird sich erst in den kommenden Jahren auswirken. Sie ist nicht mit den Schröder-Reformen zu vergleichen, schafft aber erstmals seit Jahren relevante Möglichkeiten für mehr Flexibilität bei der Festlegung der Arbeitszeit in den Unternehmen und wird derzeit unterschätzt. Die linken Gewerkschaften und der linke Flügel der Sozialisten verrannten sich in einen selbstmörderischen Kampf gegen die Reform.

Das Feld der aussichtsreichsten Bewerber für die Präsidentschaftswahl zeichnet sich nun ab. Marine Le Pen und der konservative François Fillon haben nach heutigen Umfragen die größten Chancen, in die Stichwahl zu kommen. Doch wir alle haben gelernt, Ergebnissen zu misstrauen, die scheinbar schon Monate vor der Wahl feststehen. Man muss sich nur ansehen, was in den vergangenen Tagen geschehen ist: Auf der Rechten sind Nicolas Sarkozy und Alain Juppé in den Ruhestand geschickt worden, die noch vor ganz kurzer Zeit als aussichtsreichste Kandidaten galten. Und Hollande, mit diesen erneuter Kandidatur alle Politprofis gerechnet haben, wird ebenfalls nicht dabei sein.

Emmanuel Macron mit seiner Mischung aus liberaler Wirtschafts- und linksliberaler Gesellschaftspolitik könnte die Karten weiter durcheinanderwirbeln. Mit seinen 38 Jahren ist er nicht nur der Jüngste, er hat auch den modernsten Diskurs und das tiefste Verständnis der wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen, die sich in den westlichen Gesellschaften vollziehen. Als Einziger ist er dazu in der Lage, die Generation der Startup-Gründer und der „Digital Natives“ anzusprechen. Er könnte viele Menschen zurück an die Wahlurnen bringen, die den überholten, künstlich am Leben gehaltenen Links-Rechts-Gegensatz und Frankreichs sklerotisierten Politbetrieb gründlich leid sind.

Valls wird, falls er der sozialistische Kandidat wird, gegenüber Macron einen schweren Stand haben. Seine Unterstützer wiederholten zwar am Donnerstagabend, das „Phänomen Macron wird bald in sich zusammenfallen“, doch noch ist nichts davon zu sehen. Wer den etablierten Parteien den Stinkefinger zeigen und gleichzeitig den Rechtspopulisten eine Nase drehen will, landet fast zwangsläufig bei Macron. Der linksextreme Kandidat Jean-Luc Mélenchon könnte im ersten Wahlgang auf ein knapp zweistelliges Ergebnis kommen, hat aber keine Chance auf die Stichwahl.

Wohl noch nie stand den Franzosen eine so komplette Palette unterschiedlicher Charaktere und politischer Programme zur Auswahl. Die gute Nachricht ist: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass auf den glücklosen Hollande ein Demokrat folgt und keine Rechtspopulistin. Doch noch ist es viel zu früh, um Entwarnung zu geben.

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40 Kommentare zu "Analyse zum Rückzug Hollandes: Die Republik köpft ihre früheren Favoriten"

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  • Oder schliessen sich Sozial und Kapital grundlegend aus?

  • Wier wäre es mal mit einem demokratischen Sozialkapitalismus.
    Kann man darüber einmal nachdenken.

  • Ich definiere Kapitalismus aus meiner Sicht:

    Wir leben in einem kapitalistischen System und in einem solchen endet die Spirale erst, wenn ein Einzelner hinter seiner goldenen Burgmauer ALLES hat und die draußen im Graben im Dreck NICHTS. Alles dazwischen ist der Weg dahin, und den sind wir als Gesellschaft schon ein schönes Stück weit gegangen und werden dadurch den gesellschaftlichen Zerfall und die Entsolidarisierung nur weiter beschleunigen - der Untergang ist vorprogrammiert, da in diesem System der Vermögenskonzentration unausweichlich!

  • Auch hier beim Handelsblatt gehts in fast jedem Artikel immer nur ums „Profitieren“ und ums „Gewinnen“.
    Aber wieviele Millionen von Menschen bleiben dabei auf der Strecke, wenn nur einige wenige profitieren und gewinnen?

  • Auch hier beim Handelsblatt gehts in fast jedem Artikel immer nur ums „profitieren“ und ums „gewinnen“.
    Aber wieviele Millionen von Menschen gleiben dabei auf der Strecke, wenn einige wenige gewinnen?

  • Ich weiss nicht, wie ihr euch das vorstellt, vor allem nicht bei der Jugendwahn- und Praktikums- geschenkt ist noch zu teuer- Mentalität vieler Unternehmer.

  • Gerade in Bezug auf die Verlängerung der Lebensarbeitszeit.
    Sie glauben ja nicht im Ernst daran, dass jemand mit normaler Berufsausbildung, ohne Akademikerabschluss und Studium, einen neuen vernünftig bezahlten Job findet, wenn er mit Ende 40 Anfang 50 seinen bisherigen Arbeitsplatz verliert?
    Das sind alles Dauerarbeitslose mit Hartz IV und Grundsicherungsrenten.
    Ich weiss nicht, wie ihr euch das vorstellt, vor alelm nicht bei der Jugendwahn- und Praktikums- geaschenkt ist noch zu teuer Menatlität vieler Unternehmer.

  • „ALGII, früher Arbeitslosenhilfe, wird aus dem allgemeinen Steueraufkommen finanziert. Wieso soll die Allgemeinheit Menschen für deren Inaktivität alimentieren? “
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    Sagen Sie dass einmal jemandem, der jahrzehntelang Beiträge in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt hat und dann in der neuen Gesetzgebung dauerhaft arbeitslos wird. Nach einem Jahr ALG 1 Bezug landet er/sie dann in der Hartz IV Falle.
    Das kann doch nicht gerecht sein?
    Zudem was bringt es der Wirtschaft und den Unternehmen von Jobcenterseite gezwungende Bewerber einzustellen, die man unter Druck des Staates zu Arbeiten zwingt (Hartz-Gesetzgebung) , welche sie nicht verrichten wollen oder können.
    Das ist kontraproduktiv und nutzt niemandem, nicht dem Arbeitgeber und auch nicht dem Arbeitnehmer.

  • Erinnern Sie sich bitte daran, im Jahr 2000 gab es in D eine große Steuerreform, wo gerade die Unternehmen, Mittelständler, Besser- und Bestverdiener um über 25 Mrd. D-Mark entlastet wurden. Wo ist das ganze Geld hingeflossen?
    Jedenfalls nicht, wie damals von der Bundesregierung und Eichel angedacht, in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und gute Arbeitsplätze!

  • Wo sind denn die ganzen abermilliarden von Euros gelandet, die heute dem kleinen Mann im Geldbeutel fehlen?

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