Analyse zur Ukraine: Kampf um die Krim

Analyse zur Ukraine
Kampf um die Krim

Auf der Krim spitzt sich die Lage zu: Bewaffnete Männer haben das Parlament besetzt. Russlands Präsident Putin rasselt bereits mit dem Säbel. Doch auch in der Ukraine gibt es Hardliner – eine gefährliche Gemengelage.
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DüsseldorfAuf der ukrainischen Halbinsel Krim haben bewaffnete Männer die Gebäude von Parlament und Regionalregierung besetzt. Dies hat der kommissarische ukrainische Innenminister Arsen Awakow bestätigt. Die ukrainische Polizei auf der Halbinsel Krim sei in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Auch das russische Außenministerium hat reagiert. Es kündigte an, die Rechte seiner Landsleute kompromisslos zu verteidigen. Es gebe in großem Stil Menschenrechtsverletzungen, Angriffe und Vandalismus in der Ukraine, was die Regierung in Moskau sehr besorgt mache.

Damit eskaliert der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Am Mittwoch hatte der russische Präsident Putin Manöver an der Grenze zur Ukraine angekündigt. Damit demonstriert der Kreml auch dem russland-freundlichen Osten der Ukraine, dass er keineswegs an Kooperation interessiert ist, sondern an Kontrolle, an Dominanz. Putins Gerede vom ukrainischen Brudervolk wird auch in Donezk, Charkiw und Odessa zur hohlen Floskel.

Softpower, also Überzeugen, Großzügigkeit, Verständnis, Anbieten, sich als Partner empfehlen – all dies ist nicht Sache des Kremls. Er kann bis heute leider nur das grobschlächtige Agieren, das Denken in Freund und Feind, Agitation statt Werbung und das Durchsetzen der Macht des Stärkeren. Leider. Denn Russland ist eigentlich gefragt wenn es um den Erhalt des fragilen Gebildes Ukraine geht – einem von Widersprüchen und Unreife geprägten Staat, stehend vor der Zahlungsunfähigkeit und dem politischen Bankrott seiner Eliten.

Russland hat das Recht, sich für die russisch-sprachige Bevölkerung einzusetzen, Russisch ist Teil ihrer Kultur. Doch Russland hat nicht das Recht, sich in das Selbstbestimmungsrecht des ukrainischen Volkes einzumischen. Gewinnen kann Moskau nur durch Überzeugen. Nur durch die Einsicht in Kiew, dass ein wirtschaftlich so stark mit Russland verwobenes Land tunlichst die russische Sprache bei sich nicht verbietet.

Natürlich gibt es die Extremisten, Nationalisten, Banderowzy, die Anhänger des Hitler-Kollaborateurs Stepan Bandera, der in der Westukraine als Nationalheld verehrt wird. Und sie wollen die russische Sprache in der Ukraine verbieten. Den Menschen im Osten des Landes, das historisch nie Teil der Ukraine war, ihre kulturellen Wurzeln abhacken.

Sie sind – in unheiliger Allianz mit dem Kreml – die größte Gefahr für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts. Sofort nach dem Sturz des korrupten und allen menschlichen Anstand verletzenden Präsidenten Viktor Janukowitsch haben diese Nationalisten ein Gesetz zum Verbot der russischen Sprache durch die putschartig eroberte Rada in Kiew gepeitscht. Aufgabe eines Parlaments ist es aber, die Interessen aller Bürger zu schützen, zumindest in Ausgleich zu bringen.

Schlimmer noch: Die durch den Sieg auf Kiews Zentralplatz Maidan sich besonders stark fühlenden Gruppen wie die antisemitische „Swoboda“-Partei (Freiheit) und der neonazistische „Rechte Sektor“ fühlen sich nun gestärkt, ihren tumben west-ukrainischen Nationalismus geschichtsvergessen auch in die anderen Landesteile zu tragen.

Kommentare zu " Analyse zur Ukraine: Kampf um die Krim"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Zitat : Übergangspräsident Arseni Jazenjuk: Der Gefolgsmann von Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko soll das Land aus der schwersten Krise seit der Unabhängigkeit führen.

    - er ist kein "Übergangspräsident", sondern nur der Übergangsregierungschef !

    Gewaltiger Unterschied !

    Und , wie schon gesagt, ein Gefolgsmann der Oligarchin, Gas-Prinzessin Timoschenko, die bekanntlich eine der schillerndsten Figuren der Korrupten Ukrainischen Eliten war und ist.

    Jazenjuk war selbst schon Bänkster unter früherem Präsidenten Juschjenko, der ein Vermögen mit illegalen Banklizenzen ( Schmiergelder ) als Chef der Ukrainischen Zentralbank gemacht hat.

    Jazenjuk wird auch die Nähe zum Ukrainisch/Judischen Oligarchen Igor Kolomoisky nachgesagt, dem zweit reichsten Mann in der Ukraine !

    Außerdem ist er politisch befreundet mit dem Stvtr. Parteivorsitzenden der Partei der Regionen von Expräsident Janukowitsch !

    Deshalb hat diese Partei für Jazenjuk im Parlament auch abgestimmt !

    Fazit : Maidan war für den Ar**** !

    Nichts hat sich geändert und nichts wird sich ändern, es ist eine Machtergreifung einer anderen Mafia-Clique !

    Die Märchen von Freiheitskämpfen und angeblicher Befreiung der Ukrainer von den Russen sind wiedermal für das "Depperte" Volk !

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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